Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen [Editor]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 44.1919

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Archaische griechische Vasenmaierei und Piastik

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lieh ist es sowohl bei der Gorgone des Giebels als bei den Ringern der
Vase gegeben. Die nahe Verwandtschaft des Giebels mit dem Krater
tritt am deutlichsten bei der Gesichtsbildung zutage. Hier wie dort ist
den Formen das Eckige und Harte, das ihnen in der vorangehenden
Epoche anhaftete, genommen. Besonders charakteristisch ist die Zeichnung
des Mundes, der nicht mehr als langer, gerader Strich gegeben ist. Die
Lippen werden fleischiger, und die ganze Partie bekommt mehr Leben.
Bei mehreren Gestalten des Korfugiebels finden wir aufgeworfene Lippen.
Auch hierzu bietet uns die entwickelte korinthische Keramik Beispiele
(z. B. Pottier, Vases antiques du Louvre 1 Tat. 51, E 645). Die eigen-
tümliche Kopfbildung des kämpfenden Gottes auf dem Korfugiebel mit
dem vorgeschobenen Unterkiefer finden wir auf dem Krater mehrmals.
Wenn auch der Amphiaraoskrater etwas älter ist als der Giebel, so zeigen
doch seine Gestalten schon die gleiche Tendenz auf volle Formen wie
dieser.
Je weiter sich die korinthische Kunst vom orientalischen Stil ent-
fernt, desto gegenständlicher wird sie. Es kommt ihr nicht mehr allein
auf die großflächige Belebung des Ganzen an. Sie klammert sich an
kleine, der Natur entlehnte Details und sucht mit ihnen den groß an-
gelegten, oft etwas schematischen Formen der früheren Kunst mehr
Lebenswahrheit zu geben. Auf dem Korfugiebel sehen wir überall den
Künstler bestrebt, die ihm überlieferte großzügige Anlage durch Hinzu-
fügen von äußerlichen Kleinigkeiten interessant zu machen. Ganz im
Gegensatz zur älteren korinthischen Kunst, die, wenn sie die Muster
der Gewandsäume überhaupt gibt, diese nur flüchtig skizziert, sind
bei der Medusa des Giebels die Säume ähnlich wie auf späteren
korinthischen Vasen mit großer Liebe beobachtet; auf einer Amphora
des Louvre (Pottier, Vases antiques du Louvre 1 Tat. 51 E 645) finden
wir sogar das gleiche Stabmotiv am Halssaum der Frau wie bei der
GorgoJ) Kleinigkeiten der Tracht werden mit Liebe beobachtet, ln
ähnlicher Weise wie bei den Sandalen der Gorgo finden wir sorgfältige
Wiedergabe der Schnürung auch auf korinthischen Pinakes (Ant. Denkm.
11 30, 12). Überhaupt zeigen sich die Pinakes, die zum Teil ihrem
Stil nach jünger sind als die entwickelten korinthischen Vasen, in manchem
0 Vgi. Wiegand, Archaische Porosarchitektur Abb. 98; Graef, Vasen
von der Akropoiis Taf. 26.
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