Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen [Editor]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 44.1919

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Gottfried v. Lücken

Giebels sehr nahe (Taf. V 35) *). Beidemal findet man die großen glotzenden
Augen, die breit angelegte Nase und den gleichen Bart. Sehr nahe Bezie-
hungen bestehen auch zwischen dem Einführungsgiebel und der Frangois-
vase. Hier wie dort setzt man, ohne sich Bedenken über die Größen-
verhältnisse zu machen, einen Tempel zwischen die viel zu großen Figuren,
und ebenso wie man bei einigen Gestalten der Frangoisvase damit be-
gonnen hat, die Falten wiederzugeben, finden wir dies bei der Gefäß-
trägerin und dem bärtigen Mann unseres Giebels.
Die Verwandtschaft zwischen den beiden oben S. 72 erwähnten früh-
attischen Amphoren und den 'melischen' Vasen ist so groß, daß man
nicht daran zweifeln kann, daß die beiden attischen Stücke von der
ionischen Kunst beeinflußt sind. Während aber die melischen Vasen von
einer stark ausgeprägten Vorliebe für straff zusammengehaltene Kom-
positionen zeugen und oft streng symmetrisch komponiert sind (Arch.
Anz. 1898, 175), findet man auf den frühattischen Vasen nichts der-
gleichen. Hier fühlt man sich frei von jedem tektonischen Gesetz und
läßt der Erzählungslust frei die Zügel schießen. Ganz zwanglos sind
auf der Vase in New York die Figuren nebeneinander gesetzt. Die
gleiche Komposition kehrt am Hydragiebel der Akropolis wieder: auf
der einen Seite Herakles mit dem Ungeheuer kämpfend, auf der anderen
lolaos den Wagen besteigend und sich umsehend ^); nur zwang bei
dem Relief die Giebelschräge dazu, die Köpfe der Pferde zu neigen, was
dadurch motiviert ist, daß sie an dem Krebs schnuppern. Auf der Vase
wie auf dem Relief versteht man es nicht, stärker betonte Akzente in die
Komposition zu bringen, und das Ganze wirkt dadurch etwas eintönig.
Demgegenüber bedeutet der Einführungsgiebel einen Fortschritt,
ln der Mitte ist der sitzende bärtige Zeus im Profil, die Hera neben ihm
von vorn gegeben. Das ist ein stark sprechender Gegensatz, der die
ganze Komposition belebt, ln der gleichen Art setzen die Künstler der
Frangoisvase mehrmals ein Profil neben eine Vorderansicht 3). Aber

b Links nach Furtwängier-Reichhoid Taf. 1/2, rechts nach Wiegand, Ar-
chaische Porosarchitektur Abb. 89.
b Vgi. auch Purgoid, κοχ. 1884, 147, Taf. 7.
b Vgi. auch Sophiios, Wiener VoriegebL 1889 Taf. 2, 3; ähniich freie
Komposition finden wir auf den protokorinthischen Vasen und den argivisch-
korinthischen Bronzereiiefs.
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