Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen [Editor]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 45.1920

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Orient und Hellas in archaischer Zeit

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riesige Weihgeschenk im Heraion ist gewiß zum Vorbild für viele be-
scheidenere geworden, die in Samos wie im Westen — Athen, Ptoion,
Delphi, Olympia — die Heiligtümer zierten x).

Die Schätze aus dem Heiligtum von Toprak-Kaleh am Vansee, die
niemals die gebührende Würdigung gefunden haben, obwohl sie größten-
teils seit Jahren in Berlin und London ausgestellt utid — wenn auch
ganz ungenügend — veröffentlicht sind, bilden ein ziemlich homogenes
Ganzes von weder griechischem noch rein assyrischem oder gar phöniki-
schetn Stii. Auch der in einem vorzüglichen Stück vertretene Greifen-
typus (Lehtnann-Haupt, a. a. 0. 97) scheidet sich durchaus von dem
unserer Kessel. Anderseits haben die hybriden Blüten ionisch-asiatischer
Mischkutist, die wir in deti pontischen Kolonien kennen zu lernen be-
ginnen * 2), mit dem strengen, rein griechischen Stil unserer Greifenpro-
tomen nichts zu tun. Ich würde gerne glauben, daß dieser Kesselschmuck
die Erfindung eines santischen Meisters war 3), während die Attaschen
mit den Flügelwesen sehr wohl aus Sinope stammen mögen.

Abgesehen von der Datierung, welche die großen etruskischeti
Fiirstengrüfte ergeben, verhelfen uns die Attaschen rein griechischen Stils
zu einer näheren Zeitbestimmung dieser ganzen Klasse von Monumenten.
Sie tragen die eigenartige Frisur, die man unschön Etagenperücke be-
nannt hat, eine für das.VII. Jahrhundert sicher bezeugte, weder früher

yovraai iorjovuruerovg. Vgl. Furtwängler, Münch. Sitz.-Ber. 1897 II 115 = Kl.
Schr. II 431; L. Curtius, AM. XXXI 1906, 178.

x) Auf griechischem Boden begegnen wir diesen für den praktischen Ge-
brauch ja auch wenig geeigneten Greifenkesseln nur in Heiligtümern. Die in ita-
lischen Gräbern gefundenen Exemplare sind wohl kaum aus griechischen Ternpel-
schätzen erworben, da wir aus zahlreichen Beispielen wissen, wie sorgsam man
selbst altes, zerbrochenes Tempelgut im Temenos zu bergen pflegte; vielmehr
werden die griechischen Toreuten solche Kultgeräte auch für etruskische Kunden
hergestellt haben, bei denen sie dann als Prunkstücke im Hause dienten.

2) Ausgrabungen Makridy Beys in der Nekropole von Sinope. Reiche
Funde von Samsun, fast durchweg hellenistisch, unpubliziert. Archaische
architektonische Terrakotten aus Akalan unweit von Samsun, Makridy, Mitt.
Vorderasiat. Ges. 1907, Heft 4. Koch, RM. XXX 1915, 16 ff.

3) Der phönikische Kessel mit Schlangenprotomen aus der Tomba Ber-
nardini (Montelius II Taf. 367, 8; Curtis Taf. 12—18 (ähnliche auf den
‘Dümmlerschen’ Vasen, Gerhard, AV. II 127 und RM. II 1887, 174 Nr. VII)
kann sehr wohl durch griechische Werke beeinflußt sein. Keinesfalls darf
man aus diesem isolierten Stück Abhängigkeit der griechischen ableiten.
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