Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen [Editor]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 47.1922

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Das römische Theater in Smyrna

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versuchsweise in der westlichen Hälfte des Planes Tafel I und im Quer-
schnitt Tafel III 1 ein solcher zweiter Gang, ein gedecktes Diazoma,
angedeutet.

Die Art der Mündung des Ganges in den Zuschauerraum ist nicht
sicher festzustellen; vermutlich wird aber die Mündungsöffnung nicht
viel höher gewesen sein als der Halbkreis, dessen Radius als Höhe voll-
kommen genügte, wie dies z. B. auch in Ephesos (Forschungen II 48
Fig. 96) der Fall ist. Eine größere Höhe der Mündung würde einen un-
nötigen Verzicht auf Sitzstufen bedeuten und zugleich den Eindruck
des Zuschauerraumes stören. Die Schicht unter der Wölbung, in der
wir stehende U-Klammern nachweisen konnten, trägt ein einfaches
Kämpfergesims.

Größeres Interesse erweckt das Gewölbe durch eine unseres Wissens
bisher nirgends beobachtete Besonderheit in seiner Konstruktion. Es
wurde auch sonst mehrfach beobachtet, z. B. bei dem Theater in Orange
(Durm, Baukunst der Römer 230 Fig. 236; Choiseul, Art de bätir chez
les Romains 135 fig. 82), dem Amphitheater in Syrakus (Durm 230
Fig. 237), der porta aurea des Diocletianpalastes in Spalato (Durm 311
Fig. 335 und 445 Fig. 505; Niemann, Palast des Diocletian 22 und
Taf. III), daß bei scheitrechten Bogen ‘Hackenquadern’ und ‘doppelt
abgezahnte Werkstücke’ wie beim Grabmal des Theodorich in Ravenna
(Durm 312 Fig. 336) verwendet wurden. Vereinzelt finden sich, z. B.
bei dem letztgenannten Denkmal, solche Steine auch bei Rundbogen
(Durin 312 Fig. 336). Man wollte dadurch die Steine gegen das Gleiten
schützen, wie man es auch sonst durch Eisenklammern oder -stifte,
teilweise auch durch die oben erwähnten ‘Steinnasen’ tat. Daß diese
Vorkehrungen sich hauptsächlich auf die Zeit der Errichtung des Baues
selbst beziehen, wo die Bogen noch nicht geschlossen waren, die einzelnen
Steine also noch keinen Halt hatten, hebt Choiseul (Art de-bätir chez
les Romains 126) ausdrücklich und wohl mit Recht hervor Q. Eine
genauere Untersuchung der Wölbung des Ganges im Theater zeigt, daß
alle Steine über dem Sims nicht nur an den beiden Uager-, sondern auch

9 Aucli die Araber verwenden derartige Künsteleien im Steinschnitt bei
Bogen; z. B. Franz-Pascha, Baukunst des Islam 2 39 Fig. 24 c und 40 Fig. 26
und 42. Oft ist allerdings diese künstliche Konstruktion nur eine scheinbare,
d. h. es werden kunstvoll verschnittene Platten der einfachen Kernkonstruktion
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