Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen [Editor]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 47.1922

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Wilhelm Dörpfeld

entstanden sei. Denn diese hohe Kunst, die Homer namentlich in Sparta
und bei den Phäaken schildert, stammt aus dem Orient, wie Homer,
ägyptische Inschriften und andere Zeugen übereinstimmend lehren. Doch
ist hier nicht der Ort, die Herkunft der mykenischen Kunst zu erörtern.

In diesen vier ‘Zügen’, die Schuchhardt anführt, kann ich demnach
auch nicht die Spur eines Beweises gegen die Gleichsetzung von Troja VI
mit der von den Achäern zerstörten homerischen Burg des Priamos er-
kennen, und verstehe daher nicht, was ihn veranlaßt hat, diese Gleich-
setzung, der er sich angeschlossen hatte, wieder aufzugeben und dafiir
eine kleine; etwa 1000 Jahre -ältere Lehmburg für das berühmte Troja
Homers zu erklären. Auch was mein Gegner zum Schlusse noch sagt
über die ‘unerhörte Kraft und Kühnheit’, die dazu gehörte, um diese
kleine Burg einzunehmen, während gegen die mehr als doppelt so große,
iiberaus stattliche und feste Steinburg Troja VI nach seiner Ansicht
nicht der mächtige König von Mykenai mit seinen vielen Bundesgenossen
hätte auszuziehen brauchen, ist kein Beweis, sondern nur eine leicht zu
widerlegende Behauptung.

Schließlich möchte ich nicht unterlassen, in diesem Zusammenhang
daran zu erinnern, daß meine vierzigjährige Ausgrabungstätigkeit an
homerischen Orten mich immer mehr davon überzeugt hat, daß die
homerischen Epen nicht uralte Sagen und Mythen schildern und auch
nicht erst im VIII. oder VII. Jahrhundert in Kleinasien entstanden sind,
sondern zu den zahllosen Liedern gehören, die nach der Einnahme Trojas,
aber noch vor der dorischen Wanderung an den achäischen Fürsten-
höfen des Mutterlandes gesungen worden sind.

Leukas-Ithaka, im Juli 1923. Wilhelm Dörpfeld.

Nachwort.

Und nun hat Dörpfeld doch recht! DieTontafeln von Boghasköi haben
nach den glänzenden Lesungen und Kombinationen von Dr. Emil Forrer
(Mitt. DOG. Nr. 63,1 ff.) dieSache entschieden. Wir lernen eine Reihe von
achäischen Großkönigen kennen, die bald mit dem Chattikönig befreundet
Teile seiner Länder wie Pamphylien zu Lehen haben und von da aus Cypern
schon im XIV. Jh. stark kolonisieren, bald kriegerische Vorstöße z. B.
gegen Karien unternehmen. Die ganze Wirksamkeit der mykenischen
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