Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen [Editor]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 48.1923

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ANDREAS RUMPF

1921 Taf. 12). Die Zeit des Praxias würde dadurch um 450
festgelegt, ein Ansatz, zu dem auch die Qefäßform stimmt. Ihr
liegt die attische Bauchamphora mit kantigen Henkeln, die unter
Exekias, Andokides und Euthymides ihre Blütezeit erlebte, zu-
grunde. In Attika verschwindet sie um 460 (Beazley, J. H. S.
XLII 1922, 70).

Es bleibt noch die Frage nach dem Entstehungsort unserer
Vasen zu beantworten. Von ausschlaggebender Bedeutung sind
hierfiir die Inschriften. Gerhards oben (S. 24) angefiihrte Ver-
mutung, sie seien etruskischen Ursprungs, bedarf keiner Wider-
legung mehr. Kirchhoff (Studien 3115) behandelte die Praxiasvase
allein, und verschloß sich dadurch die Möglichkeit richtiger
Erkenntnis. Die ionische Form des Lambda widersprach seinem
chalkidischen Alphabet, die Inschriften seinem eretrischen, zu-
zuteilen hinderte ihn die attische Form des Gamma, wie sie
Raoul-Rochette wiedergegeben hatte. Die dorische Lautgebung
des Künstlernamens veranlaßte ihn, das Gefäß zur Gruppe
der Arkesilasschale zu weisen. Ionische Namensform und
Alphabet bestimmten hingegen Corey (De amazonum antiquis-
simis figuris 53), die von ihm allein betrachtete verschol-
lene Andromachevase CIG. 7580 als chalkidisch zu vermuten.
Kretschmer, der(Vaseninschriften 226) beide Gefäße zusammen be-
handelte, mußte unter derVoraussetzung, daß Raoul-Rochettes Ver-
öffentlichung des Künstlernamens korrekt sei, den Entstehungs-
ort ungewiß lassen. Fiir die Ermittlung der Heimat des Alpha-
bets miissen nach dem oben gesagten die attischen Formen der
Signatur ausscheiden. Die Inschriften, wie wir sie in de Ridders
Faksimile, im Museum etrusque Taf. 33 Nr. 1499 und auf der
Berliner Vase lesen, sind im jüngeren euböischen Alphabet
(A. M. XLVI 1921, 174) abgefaßt. Auffällig ist auf allen drei
Vasen die Form des Aipha, bei dem der Querstrich durch einen
Punkt ersetzt ist. Fiir diese dem Delta des Duris gleichende
Abart hat Kretschmer, Gr. Vaseninschr. 94f., zahlreiche attische
Beispiele zusammengestellt. Doch besitzen wir auch ein chal-
kiaisches im Namen der Artemis auf einem unveröffentlichten
Bruchstiick eines Kraterdeckels in Syrakus. Auch der dritte
Buchstab in dem Wort neben dem Jiingling auf der Vorderseite
der Berliner Amphora ist deutlich ein solches Alpha. Jahns in
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