Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen [Hrsg.]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 48.1923

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BEMERKUNGEN ZUR ARCHAISCHEN KUNST.

I. Die Terrakottareliefs aus dem Heiligtum des
diktäischen Zeus in Palaikastro.

Die Stätte des diktäischen Zeustempels ist uralter Kultur-
boden 1. Der Hügel, in dessen Abhang die Tempelterrasse ein-
geschnitten ist, war von Anfang bis Ende der minoischen
Kultur besiedelt; dicht gedrängt laufen die Hausmauern der ver-
schiedenen Epochen durch- und übereinander. Bei der Anlage
der Tempelterrasse sind diese minoischen Schichten angeschnitten
worden; daher folgt hier die griechische Schicht unmittelbar
auf die erste spätminoische, während anderwärts auch die zweite
und dritte erhalten sind. Steine eines minoischen Hauses
scheinen in der griechischen Bezirkmauer verbaut zu sein. Auch
neuerdings sind die Schichten noch gestört worden, denn die
Stätte hat den Bauern von Palaikastro als Steinbruch gedient;
der Tempel des Zeus ist dadurch gänzlich vernichtet worden.

Unter den Fundstücken ragen drei hervor: die berühmte
Inschrift mit dem Hymnus auf Zeus, die Tonsima des Tempels
mit der Reliefdarstellung von Kriegern zu Wagen und zu Fuß,
endlich ein merkwürdiges Reliefbruchstück, ebenfalls aus Ton:
ein gebogenes Bein von etwa dreiviertel Lebensgröße, an dessen
Schienbein noch ein großes Stück leeren Reliefgrundes sitzt
(Abb. 1). Von diesem Bruchstück sagt Bosanquet im Aus-
grabungsberichte, daß es wahrscheinlich aus dem Giebel des
Tempels stamme, und auch Karo hat diese Zuweisung neuer-
dings ohne Einschränkung angenommen, obwohl er die mino-
ische Hosentracht hervorhebt 2. Daß diese wirklich vorliegt,
wird man nach den Angaben zweier Kenner wie Karo und
Kurt Müller, der diese Tracht behandelt hat 3, gern glauben;

1 BSA. XI 298ff. T. 10, 15f., vgl. 9; die Simareliefs besser Savignoni,
Röm. Mitt. XXI 1906, 64ff. T. 2, Antiqu. cret. I T. 43, wertvoll ergänzt
durch Sieveking u nd Jacobsthal, Arch. Anz. 1921, 349f.

2 In seinem vorbildlichen Artikel Kreta, RE. XI 1798 § 38.

3 Arch. Jahrb. XXX 1915, 262f., 318f-, 335f.
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