Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen [Editor]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 48.1923

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ERNST PFUHL

Siphnier gehören vielmehr nach Dinsmoors ausgezeichneten
Untersuchungen zweifellos die jüngeren Koren, die Schrader
knidisch nennt 1. Daß die älteren knidisch sind, ist nicht so
sicher; es wäre ausgeschlossen, wenn Dinsmoor dieses Schatz-
haus mit Recht in die sechziger Jahre setzte; denn der ältere
Korentypus ist schwerlich vor den vierziger Jahren entstanden 2.

Schrader verkennt die erheblichen Unterschiede von der
Akropoliskore nicht; der delphische Kopf wirkt in seiner runden,
weichen und lebendigen Bildung ganz anders. Ähnlich sind
eigentlich nur äußerliche und typische Züge — die Haartracht,
die schrägen Augen, die angezogenen Mundwinkel — und die
auffällige Herrichtung der Augen für farbige Einlagen. Bedenk-
lich ist aber vor allem Schraders Begriff der ‘Übersetzung’.
Wenn man ihn selbst in sehr weitem Sinne faßt, fällt er doch
aus dem Rahmen dieser triebkräftigen Zeit, die unbeschadet
der zugrunde liegenden Typik im eigentlich Kiinstlerischen doch
höchstens freie Nachschöpfungen kennt. Die Kore von der
Burg erscheint mir durchaus eigen in ihrer eleganten, trockenen
Manier. Damit bin ich am Ende meiner Weisheit, d. h. bei
der unbenannten Größe angelangt. Wenn es mir nicht sehr
wahrscheinlich ist, daß der Meister ein Attiker war, so ist das
ein reines Gefühlsurteil; unmöglich ist diese äußerste Zuspitzung
des manieristischen Stiles auf attischem Boden nicht und in der
Vasenmalerei des Andokides findet sie eine recht nahe Ent-
sprechung 3. Wie dessen östliche Beziehungen zu erklären sind,
weiß auch niemand. Wäre er selbst ein zugewanderter Ionier,
so ist er doch ein attischer Vasenmaler; und eine ionische rot-
figurige Vasenmalerei gibt es nicht. Die attische Kunst war
ein brodelnder Schmelztiegel, in dem auch fremde Brocken
attisch wurden. Wir stehen hier vor Beispielen jener mannig-
fachen Durchdringung, die uns so oft verwehrt, den Hergang
im Einzelnen zu erkennen. Aus älterer Zeit mag man etwa
die trockene Eleganz der Vasen der sogenannten Northampton-

1 BCH. XXXVII 1913, 5 ff.

2 Langlotz, Z. Zeitbestimmung d. strengrotfig. Vasenmalerei u. d.
gleichzeit. Plastik 14 f.

3 Zuerst Hauser, Griech. Vasenmalerei III 76; v. Lücken, A. M. XLIV
1919 T. 3, 11.
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