Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen [Editor]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 49.1924

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DAS THEATER VON PRIENE UND DIE GRIECHISCHE BÜHNE 73

Stelle gelangen konnten, wo sie nach v. G. erschienen sein
sollen. Nach meiner Ansicht pflegten die Götter aber ein Stock-
werk tiefer, nämlich auf dem Dache des Proskenions aufzutreten
und daher war für sie weder ein Aufzug noch eine zweite Treppe
nötig. Für meinen Drehkrahn und zugleich auch als Zugang
zum wagerechten Dach des Episkenions wiirde eine obere Treppe
sehr praktisch gewesen sein.

Die Ansicht des Verfassers, daß Treppe und Schacht
schon zur ersten Bauperiode gehören, halte ich fiir ausge-
schlossen und glaube bestimmt beweisen zu können, daß beide
einschließlich aller Innenmauern der Skene ein späterer Zu-
satz sind. Man vergleiche dazu unsere Abb. 1.

Erstens zeigen alle drei Innenmauern an ihren Außenflächen
eine ganz andere Art der Steinbearbeitung als die Außenmauern
an ihren Innenseiten und dazu auch eine andere Art der Fun-
damentbildung. Auf diese charakteristischen Unterschiede hat
v. G. selbst aufmerksam gemacht (S. 36), aber ohne die nötigen
Schlüsse daraus zu ziehen. Während die Innenseiten der Außen-
mauern rauh geblieben und nur wenig geglättet sind, auch
vielfach keinen guten Fugenschluß aufweisen, haben die Innen-
wände eine viel sorgfältigere Bearbeitung; ihre Steine zeigen
an ihren Außenseiten sogar gekörnte Spiegel zwischen glatten
Rändern. Es scheint mir auf der Hand zu liegen, daß so ver-
schieden bearbeitete Wände desselben Zimmers nicht einer
gleichen Zeit angehören können. Die Innenmauern und mit
ihnen die Treppe müssen demnach ein späterer Zusatz sein.

Zweitens ist in dem erhaltenen Teile des senkrechten
Schachtes die nördliche Wand auffallend unregelmäßig und
schlecht bearbeitet, während die drei anderen Seiten, soweit sie
erhalten sind, eine gleichmäßig gute Arbeit zeigen (s. Tafel 28).
Ich vermag diesen Tatbestand, den der Verfasser sorgfältig zur
Darstellung bringt, nur durch die Annahme zu erklären, daß
der Schacht erst später in die äußere Mauer hineingebrochen
ist, unter Entfernung der inneren Schale dieser Mauer. Von
der äußeren Schale sind die beiden unteren Steinschichten eben-
falls entfernt und durch neue Steine ersetzt worden; der Stein
der dritten Schicht kann dagegen geblieben sein, hat aber eine
Einarbeitung von der Breite des Schachtes (0,77 m) erhalten; die
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