Architektonische Rundschau: Skizzenblätter aus allen Gebieten der Baukunst — 10.1894

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Architektonifche Rundfchau
SKIZZENBLÄTTER
AUS ALLEN GEBIETEN DER BAUKUNST
HERAUSGEGEBEN
VON
Ludwig- Eisenlohr und Carl Weigle
ARCHITEKTEN IN STUTTGART.
r 10. Jahrgang 1894.
10. Heft.
Monatlich eine Lieferung zum Preise von Mark 1. J>0.

Inhalt.

Tafel 77. Villa Kienlin in der Mörikestrasse in Stuttgart;
erbaut von Eisenlohr & Weigle, Architekten daselbst,
i. Ansicht nach der Mörikestrasse.
Auf einer der gesuchtesten, aussichtsreichsten Baustellen
Stuttgarts, an der Ecke zweier Strassen sollte das Gebäude für
den Gebrauch einer Familie errichtet und derart situiert werden,
dass der Garten möglichst ungeteilt verblieb und für ein Stall-
gebäude mit angemessenem Hofraum Platz geschaffen würde.
Die Hauptzimmer mussten der Aussicht wegen auf
die Thal- beziehungsweise Rückseite des Hauses
gelegt werden. Die Ge-
sellschafts- und Wohn¬
räume nebst der Küche
mussten im Erdgeschoss,
die Schlaf- und Gast-
zimmer im i. Stock, die
Dienerschaftsräume im
Mansardengeschoss un-
tergebrachtwerden. Die
terrassenförmige Gestal-
tung des Gartens ergab
ausserdem im Unterge¬
schoss einen Gartensaal
und ein Billardzimmer.
Alle Fassaden sind
in Heilbronner Sand-
steinquadern und mit
entsprechend angeord-
neter Bildhauerarbeit
ausgeführt. Das Dach
ist mit Schiefer gedeckt.
Die durchaus vornehme
innere Einrichtung ist
unter ausschliesslicher
Anwendung echter Ma¬
terialien mit allen Hilfs¬
mitteln moderner Tech-
nik hergestellt worden.
Tafel 78. Zimmer
mit Wandmalerei; ent-
worfen und ausgeführt
von Kunstmaler Josef
R ö s 1 in München.
Dieser eigenartig
ausgemalte Innenraum
war zuerst auf der letzt¬
jährigen Jahres - Aus-
stellung im Glaspalast zu München ausgestellt und diente dort
als Kabinett für Kleinplastik. Die Grundfarbe der Holztäfelung
ist ein helles Graugrün. Die Ornamentik des ringsum laufenden
Frieses, in allerlei Tiergestalten den Kampf ums Dasein dar-
stellend, ist Gold auf grauem Grund, die Füllungen der Pilaster

an der Fensternische Gold auf rotem Grund. Die Füllungen
o
der Täfelung enthalten farbig gemalte Stillleben, umgeben von
Ornamenten in Gold auf grauem Grund. Die Ornamentik der
oberen Wandflächen ist ebenfalls in leichten Goldtönen auf hellem
Fond gehalten. Das Zimmer hat 4 m im Geviert und ist 3,60 m hoch.
Tafel 79. Kon-
kurrenzprojekt zum Neu-
bau eines Wasserturms
an der Yorkstrasse in
Halle a. S.; von Kn och
& Kallmeyer, Archi-
tekten daselbst. Zweiter
Preis.
Dieser Wasserturm
bietet als verhältnis-
mässig einfaches archi-
tektonisches Gewand
eines Intzeschen Bas-
sins Interesse. Er musste
mit Schiefer gedeckt
und mit besten Ver-
blendern verkleidet wer-
den. Aeussere Dekora-
tionen mussten aus Sand-
stein sein.
Die eiserne Dach-
konstruktion ist am Bas-
sin selbst befestigt. Die
Ummauerung des Bassins
wird durch ein an ihm
befestigtes, aus 40 senk-
recht stehenden jT Eisen
bestehendes eisernes Ge-
rippe unterstützt, so dass
sie nur 1 Stein stark zu
sein braucht. Diese T
Eisen stehen wieder mit,
sich auf den Turm
stützenden J_ Eisen in
Verbindung, deren Zwi-
schenräume durch '/2
Stein starke Kappen aus-
gewölbt sind. Der Bau-
aufwand ohne die Kosten
des Platzes und der
Eisenkonstruktion be-
trägt ca. 60000 Mark.
Tafel 80 u. 81. Wohn-und Geschäftshaus Münzstrasse 21
und Ecke Verlängerte Kaiser Wilhelmstrasse in Berlin; erbaut
von Werner & Zaar, Architekten daselbst. 1. Teil der
Fassade in der Verlängerten Kaiser Wilhelmstrasse.
Das Gebäude ist wegen des an der Fassade liegenden Zier-



Villa Kienlin in der Mörikestrasse in Stuttgart; erbaut von Eisenlohr & Weigle,
Architekten daselbst.
Grundriss des Erdgeschosses.
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