Architektonische Rundschau: Skizzenblätter aus allen Gebieten der Baukunst — 11.1895

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Architektonifche Rundfchau
SKIZZENBLÄTTER
AUS ALLEN GEBIETEN DER BAUKUNST
HERAUSGEGEBEN
VON
Ludwig Eisenlohr und Carl Weigle
ARCHITEKTEN IN STUTTGART.
11. Jahrgang 1895. *-»-
9. Heft.
Monatlich eine Lieferung zum Preise von Mark 1. 50.

IN HALT.

Tafel 65. Volkskaffeehaus in Berlin, Neue Schönhauser-
strasse 13; erbaut von Professor A. Messel daselbst.
Das Gebäude wurde im Auftrage der gemeinnützigen »Volks-
kaffee- und Speisehallen-Gesellschaft« in den Jahren 1890—91
erbaut. Im Erdgeschoss befindet sich die Volkskaffee- und Speise-
halle; die oberen Geschosse enthalten vermietbare Wohnungen.
Die Halle ist thunlichst als ein¬
heitlicher Raum hergestellt wor¬
den, indem die Männer- und
Frauenabteilung nur durch eine
halbhohe Wand getrennt wurden.
Die Küche liegt ungefähr
in der Mitte und in gleicher
Höhe mit der Halle, damit die
Speisen und Getränke unmittel¬
bar auf den für beide Abteilungen
gemeinschaftlichen Anrichtetisch
gestellt werden können, von wo
aus die Gäste sich selbst, ohne
Vermittelung von Kellnern, be¬
dienen.
Zum Kochen wird Dampf
verwendet, der im Winter zu¬
gleich die Heizung speist. Die
Küche und Nebenräume haben
Oberlicht. Dieselben sind nied¬
riger als der angrenzende Gast¬
raum, wodurch derselbe hohes
Seitenlicht erhält.
Das Erdgeschoss besteht in
der Fassade aus Teichstein; in
den oberen Geschossen sind die
Architekturteile aus Cottaer Sand¬
stein, während die Flächen weiss
geputzt und zum Teil farbig be¬
malt sind. Die Baukosten beliefen
sich auf 175800 Mark, das sind
347 Mark per Quadratmeter oder
22,60 Mark per Kubikmeter.
Tafel 66. Villa Schuster
in Millstadt am See; entworfen
von Architekt Karl Haybäck
in Wien, ausgeführt von Stadtbaumeister Heinrich Glaser
in Wien.
Die Villa zeichnet sich ganz besonders durch ihre herrliche
Lage aus. Ihre direkt in den See vorgebauten Terrassen ge-
währen eine prachtvolle Rundsicht auf das Hochgebirge. Der
Bau selbst ist auf das gediegenste durchgeführt. Das Souterrain,
in welchem sich die Kellerräume befinden, wird von einer breiten
Fahrstrasse durchschnitten; die Terrassen sind im Souterrain

unterwölbt und bilden angenehme, kühle Ruheplätzchen mit Aus-
sicht nach dem See. Ueber offene Marmortreppen gelangt man
in den Garten, zu den Veranden im Parterre und zu den Wirt-
schaftsräumen. Das Vestibül ist in reicher Holzarchitektur
ausgeführt, eine geschnitzte Holztreppe vermittelt den Zugang
für die im ersten Stock gelegenen Schlafräume, während sich
im Parterre die Repräsentations-
räume, wie Speise-, Rauch-
zimmer, Salons etc., befinden.
Der rückwärtige Trakt enthält
die Dienerräume und die Küche.
Die Nebentreppe setzt sich bis
in den Turm hinauf fort, von
dem aus man eine grossartige
Fernsicht geniesst. Die sichtbare
Holzkonstruktion des Turmes ist
dunkel gebeizt. Die Säulen, von
welchen die Veranden getragen
werden, sind aus poliertem Trien-
tiner Marmor. Die Kosten be-
liefen sich auf 70000 Mark.
Tafel 67 — 68. Das Reichs-
tagshaus; erbaut vom Geheimen
Baurat Prof. Dr. Paul Wal lot.
14. Schreib- und Lesesaal.
Tafel 69. Mariä-Empfäng-
nis-Kirche zu Düsseldorf; ent-
worfen von Prof. A. Frentzen
in Aachen.
Der aus einem engeren
Wettbewerb hervorgegangene
Entwurf entspricht einem Raum-
bedürfnisse von 1100 Sitzplätzen
zu 0,5 Quadratmeter und 2000
Stehplätzen zu 0,3 Quadratmeter.
Tafel 70. Geschäftshaus
der Aachener Bank für Handel
und Gewerbe in Aachen; erbaut
von Architekt JohannesHeeren
daselbst.
Das Gebäude liegt an zwei
Strassen, und zwar mit der Haupt-
front nach der sehr breiten Theaterstrasse hin, während die
Seitenfront nach der nur 8 m breiten Schützenstrasse zu ge-
legen ist.
Der Auftrag ging dahin, keinen vollständigen Neubau aus-
zuführen, sondern wegen einer schnelleren Fertigstellung die
kräftig gebauten Hauptmauern des alten Gebäudes bestehen zu
lassen, wenigstens so weit, als es sich mit den modernen Ein-
richtungen und Ansprüchen eines Bankgebäudes vereinigen liess.


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Grundrisse zum Volkskaffeehaus in Berlin, Neue Schönhauserstr. 13;
erbaut von Professor A. Messel daselbst.
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