Architektonische Rundschau: Skizzenblätter aus allen Gebieten der Baukunst — 11.1895

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Die Mauerflächen der oberen Geschosse sind aus Kunststein,
welcher aus Steinstaub gefertigt ist, hergestellt.
Die Stuckarbeiten stammen von Rappa & Giobbe, die zwei
grossen Portalfiguren von Bildhauer Krieger, die Malereien im
Restaurationsraum von den Kunstmalern Heinrich und Leopold
Schönchen.
Tafel 97. Villa in der Hohenzollernstrasse in Stuttgart;
erbaut von Eisenlohr & Weigle, Architekten daselbst.
An aussichtsreicher Stelle erbaut, enthält dieses Haus zwei
Familienwohnungen, deren Ausstattung allen modernen An-
forderungen an ein behagliches Wohnen entspricht. Alle Fassaden
sind in hellem Stuttgarter Sandstein ausgeführt, die Dächer mit
braunglasierten Falzziegeln gedeckt.
Tafel 98. Das Reichstagshaus; erbaut vom Geheimen
Baurat Professor Dr. Paul Wallot.
16. Pfeilerdetail der Nordeinfahrthalle.
Tafel 99. Kreishaus in Wesel; entworfen von Müller &
Gr ah, Architekten in Köln.
Dieser Entwurf verdankt seine Entstehung einem öffentlichen
Wettbewerb und wurde zur Ausführung bestimmt.

Das Erdgeschoss enthält die für das Landratsamt nötigen
Geschäftsräume mit Botenwohnung, das Zwischengeschoss eine
Kutscherwohnung zu dem in einem Anbau befindlichen Pferdestall.
Im Obergeschoss befindet sich die Wohnung des Landrats, an
die sich der Sitzungssaal des Kreisausschusses anreiht. Die
Architektur des Hauses lehnt sich an die alten Vorbilder am
Niederrhein an.
Tafel 100. Fürstenzimmer in Velthurns; aufgenommen von
Architekt H. Kirchmayr in München. (Siehe auch Tafel 15.)
Tafel 101. Villa Engler in St. Gallen; erbaut von Architekt
K. A. Hiller daselbst. (Siehe auch Tafel 72.)
Tafel 102. Wohnhaus an der Lynbaangracht zu Amsterdam;
umgebaut von Architekt Boerma daselbst.
Dieses Haus dient im Erdgeschoss als Wagenremise, im
ersten Stock zu Wohnzwecken. Durch den neu aufgesetzten
Giebel, welcher in der Weise des bestehenden Hauses mit
verschiedenfarbigen Backsteinen in Verbindung mit blauem
belgischen Kalkstein und hellem Sandstein aufgeführt wurde, hat
die Fassade ein äusserst reizvolles und charakteristisches Ansehen
gewonnen.


Grundrisse des Kreisliauses in Wesel; entworfen von Müller & Grah, Architekten in Köln.

Litteratur.
Villa dei Collazzi zu Giogoli. Architektur von Michelangelo Buonarroti
und Santi di Tito. Aufnahme von Ing. Giulio Bellotti, Professor
der Baukunst am Kgl. techn. Institut zu Florenz. Prämiiert auf der
I. ital. Ausstellung für Architektur in Turin 1890.
Dieses 8 Kilometer von Florenz gelegene, wenig bekannte Landhaus
gehört nach Plandisposition und Formensprache der neuesten florentinischen
Hochrenaissance an. Es ist daher gewiss mit Dank zu begrüssen, dass
der Fierausgeber die genaue Aufnahme dieses in raschem Verfall begriffenen
Bauwerks unternommen hat. Klarheit des Grundrisses und einfache Vor-
nehmhe:t der Architektur zeichnen die Villa in hohem Grade aus. Alle
Architekturglieder des Aeusseren und Inneren sind aus feinkörnigem Sand-
stein hergestellt, die Mauerflächen verputzt. Die Aufnahme erstreckt sich
neben Grundrissen und Ansichten auf alle bemerkenswerten Details; letztere
mit eingeschriebenen Massen.
Das Werk bildet eine wertvolle Ergänzung der verschiedenen Auf-
nahmen toskanischer Renaissance-Architektur.
Braunschweigs Baudenkmäler. Serie I. 3. Auflage. Herausgegeben
vom Verein von Freunden der Photographie. M. 10.— Braunschweig,
Gemeinsamer Verlag von Benno Goeritz und Bock & Co.
Auf 40 Blättern, mit durchweg sehr guten Lichtdrucken, finden sich
hier die ungewöhnlich zahlreichen Baudenkmäler Braunschweigs vereinigt.
Durch zwei weitere Lieferungen soll das Werk zum Abschluss gebracht
werden. Das Ganze wird dann ein geschätztes Studienmaterial für Archi-
tekten und ein wertvolles Hilfsmittel für den Vortrag der Bau- und Kunst-
geschichte bilden.

An kleineren Schriften sind der Redaktion vorgelegt und können
bestens empfohlen werden :
P. Stühlen’s Ingenieur-Kalender für Maschinen- und Hüttentechniker.
1895. Mit verschiedenen Beilagen. Unter Mitwirkung von R. M. Da eien,
Civilingenieur, Düsseldorf, G.Heim, Maschineninspektor, Wasseralfingen,
J. Hermannz, Oberingenieur, Esslingen, herausgegeben von Fried-
rich Bode, Civilingenieur, Dresden-Blasewitz. s
Eine Geschichte von Thoren von J. Alex. Freiherr v. Helfert.
Wien und Leipzig. Wilhelm Braumüller’s Verlag. 1894.
Diese Broschüre behandelt die an vielen Orten sich in ähnlicher Weise
wiederholende Leidensgeschichte eines historischen Denkmals, des Linzer-
thores in Salzburg, den Kampf einer kunstverständigen Minderheit gegen
einen neuerungssüchtigen Magistrat für die Erhaltung eines malerischen
Stadtthores und die Niederlage desselben.
Die Ausmalung der Stiftskirche zu Königslutter. Braunschweig 1894.
Verlag von Benno Goeritz. Beschreibung ohne Illustration.
Unsere heutige Baukunst. Antrittsvorlesung, gehalten am 9. Februar
1895 von Dr. Heinrich Brock haus, ausserordentl. Professor an
der Universität Leipzig. Leipzig. F. A. Brockhaus. 1895.
Ueber die Kanalisation kleinerer Städte und Reinigung der Abwässer.
Von Gustav König, Ingenieur in Herford. Mit 27 in den Text
gedruckten Abbildungen. Halle a. S. Verlag von Wilhelm Knapp.
1894.

Für die Redaktion verantwortlich Baurat Carl Weigle in Stuttgart.
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