Architektonische Rundschau: Skizzenblätter aus allen Gebieten der Baukunst — 16.1900

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Architektonifche Rundfchau
SKIZZENBLÄTTER
AUS ALLEN GEBIETEN DER BAUKUNST
HERAUSGEGEBEN
VON
Ludwig Eifenlohr und Carl Weigle
ARCHITEKTEN IN STUTTGART.
16. Jahrgang 1900.
5. Heft.
Monatlich eine Lieferung zum Preise von 1.50.

IN HALT.

Tafel 33. Villa Deichmann in Köln; entworfen von Baurat
Otto March in Charlottenburg.
Die für Köln geplante Ausführung soll im Aeusseren in
grauem Sandstein mit teilweise geputzten Mauerflächen erfolgen.
Das Dach soll mit
Freiwaldauer Dach¬
ziegeln aus der Sturm¬
sehen Fabrik einge¬
deckt werden.
Die innere Ein¬
teilung der Räume,
die auch der Pflege
einer reicheren Ge¬
selligkeit dienen sollen,
ist für die Bedürfnisse
des Besitzers, der Jung¬
geselle ist, entworfen.
Tafel 34.
Wohnhaus in Minnea¬
polis; erbaut von Ar¬
chitekt Harry W.
Jones daselbst.
Mit Genehmigung
des Herausgebers aus
„The American Ar-
chitect and Building
News“, Boston.
Tafel 35.
Oesterreichischer Pa¬
villon auf der Pariser
Weltausstellung 1900;
entworfen von Baurat
L. Baumann in Wien.
Vor allem sei be¬
züglich der Lage des
österreichischen Re¬
präsentationsgebäudes
bemerkt, dass ihm am
Seineufer eineT errasse
vorgelegt ist, unter
der sämtliche Kost-
hallen, sowie dieTrace der zweigeleisigen Untergrundbahn unter-
gebracht werden. Diese Erholungshallen sind durch Baum-
anlagen und Kaskaden belebt und werden, besonders an heissen
Sommertagen, mit ihrem Ausblick auf die Seine und deren Leben,
einen angenehmen, mit frischer Luft versorgten Aufenthalt ge-
währen.
Auf dieser Terrasse befinden sich die Pavillons der einzelnen
Staaten, wovon jeder in einem für das betreffende Land charak-
teristischen Stil („style notoire“) ausgeführt sein soll.
Für vorliegenden Pavillon wurde der Stil des Wiener Barock
gewählt und der Chefarchitekt Baurat L. Baumann mit der Aus-

führung betraut. Bestimmend für die Anordnung der Fassade
und des Grundrisses war der Umstand, dass die Baustelle linker-
seits von einem grösseren Platz mit Treppenanlagen für die
Untergrundbahn begrenzt ist, dagegen rechts in einer Entfernung
von nur 10 m an den
Pavillon der Türkei
grenzt. Dies bedingte,
die vordere und linke
Ansicht kräftiger und
die beiden anderen
flacher zu halten und
an der linken Ecke,
welche eine freiere
Entwicklung zulässt,
einen wirkungsvollen
Kuppelbau anzulegen.
Bei der Fassadenent-
wicklung sind fast
durchweg Motive des
Barockkünstlers Fi-
scher von Erlach inter-
essant und geschickt
zusammengestellt.
Auch ist das Innere
des Pavillons sehr
zweckmässig angeord-
net. Vom Vestibül,
wo zwei Trophäen
Aufstellung finden, ge-
langt man in die grosse,
zwei Stock hohe
prächtige Mittelhalle,
aus der eine Freitreppe
in den ersten Stock
führt, die mit zier-
lichen Treppengelän-
dern und Gewölben
nach den Motiven des
Schlosses Mirabell in
Salzburg, sowie mit
kräftigen Atlanten ge-
schmückt ist. — Vom Vestibül aus rechts kommt man in das
Innere des Kuppelbaues, einen Empfangssaal für den allerhöchsten
Hof. Daran anschliessend ist der Lesesaal und zugleich Aus-
stellung der Presse; der grosse Mittelsaal im rückwärtigen Trakte
wird die Ausstellung der Kurorte und Mineralquellen (mit künst-
lerisch aquarellierten Ansichten) enthalten. Die anschliessenden
Räume sind für die Ausstellung der Stadt Wien beabsichtigt.
Von der mit ionischen Säulen geschmückten Galerie des ersten
Stockes gelangt man in die Ausstellungsräume für österreichische
Kunst. Daran schliesst sich die Post- und Telegraphenausstel-
lung, sowie das Empfangszimmer des österreichischen General-


Oesterreichischer Pavillon auf der Pariser Weltausstellung 1900; entworfen von Baurat
L. Baumann in Wien.
— Perspektivische Ansicht. —
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