Architektonische Rundschau: Skizzenblätter aus allen Gebieten der Baukunst — 23.1907

Page: 96
DOI issue: DOI article: DOI Page: Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/architektonische_rundschau1907/0108
License: Free access  - all rights reserved Use / Order
0.5
1 cm
facsimile
1907

ARCHITEKTONISCHE RUNDSCHAU

Heft 11

Der Gedanke, Gemälde in Goldrahmen ein wenig in die Wand
zu versenken, erscheint glücklich, weniger der, kostbar einge-
legte und polierte Möbel vor Wandfelder in gröbstem Rauh-
putz zu stellen!
Die von Architekt Sattler-München gestalteten Räume
für die Hildebrand-Gruppe sollen einen dieser Richtung ent-
sprechenden archaistischen Charakter zeigen (der eine Raum,
graugrün gestrichen, täuscht Bekleidung mit Metallplatten vor
und zeigt eine derbe weiße Kassettendecke; der andre hat einen
Fries von Gemälden und braune Holzbalkendecke), machen
jedoch einen wenig erfreulichen, rohen Eindruck. Kein Erfolg
der Münchner Kunst!
Einige Räume suchen durch frappierende Farben zu ver-
blüffen. Geradezu mißlungen erscheint mir ein Raum von
Professor Hierl-Deronco-München, der lediglich auf ein
darin aufgehängtes Bild abgestimmt ist. Kardinalrote Wand-


Kunsthalle in Mannheim.
Brunnen im Ausstellungsraum 16.

Architekt: Professor Hermann
Billing in Karlsruhe.

bespannung und goldene Decke wären ein ganz schönes Motiv,
aber dann dürfte die Technik der Ausführung nicht so schlecht,
die Zeichnung z. B. des Gesimses nicht so mangelhaft sein.
Wir könnten ja darüber hinweggehen, aber es sei hier einmal
festgelegt, daß man mit zwei gut zusammengehenden Farben
auf der Palette allein noch lange keine guten Räume schafft.
Der Raum von Architekt Tillessen-Mannheim, einen Vor-
raum in einem fürstlichen Hause darstellend, zeigt kostbares
Material, elegante Zeichnung und fein abgewogene, auf Gold
und Grün abgestimmte Farbenwirkung. Das große Goldmosaik
(von den Offenburger Glasmosaikwerken) ist in letzter Stunde
als Ersatz für ein nicht ausgeführtes dekoratives Gemälde
Professor Ferdinand Kellers eingefügt worden.
Schließlich wäre unter der Menge noch hervorzuheben der
Raum der Wiener Werkstätten (Entwurf von Professor Joseph
Hofmann).
Mag man noch so wenig Freude an dem bekannten
»Quadrat«-Motiv haben, durchaus vornehm und elegant wirkt
der auf Weiß, mit ganz wenig Schwarz und Gold abgestimmte
Raum doch; die vorwiegend dunklen, zum Teil eingelegten
Möbel, das kostbare Silberzeug, die Art der Bilderrahmung,
alles ist höchst geschmackvoll und technisch vorzüglich.
V V
V

Kunsthalle in Mannheim. Architekt: Professor Hermann
Detail aus dem großen Saal. Billing in Karlsruhe.


Alles zusammen genommen, die wechselnden Eindrücke,
die wir auf der Wanderung durch die Ausstellung erhalten,
als Ganzes betrachtet, ist der Erfolg ein höchst bedeutender.
Die Stadt Mannheim hat sich glänzend eingeführt in die
Reihen der Kunst- und Ausstellungsstädte, und sicher wird
sie unter ihnen von nun an in stets steigendem Maß genannt
werden.


Kunsthalle in Mannheim.
Ausstellungsraum 13.

Architekt: Professor Hermann
Billing in Karlsruhe.

96
loading ...