Architektonische Rundschau: Skizzenblätter aus allen Gebieten der Baukunst — 27.1911

Seite: 13
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1911, 2.

ARCHITEKTONISCHE RUNDSCHAU

Seite 13.

Die Marienburg. Aufnahme von Regierungs- und Baurat Kickton in Berlin.


Vom 11. Tage für Denkmalpflege in Danzig 1910.

A bermals hat der Denkmalpflegetag eine stattliche Anzahl
/% von Teilnehmern aus allen deutschen und stamm-
/—> verwandten Landen (Österreich, die Schweiz und die
A. Niederlande waren wiederum zahlreich vertreten) zu
arbeits- und gewinnreichen Stunden vereint, diesmal im fernen
Osten des Reichs, in Danzig, auf vielumstrittener, kultur- und
kunstgeschichtlich hochbedeutsamer Stätte.
Der Empfang im Artushof mit dem stimmungsvollen
Festspiel und der übersichtliche Lichtbildervortrag des Stadt-
bauinspektors Dähne über Danzig und seine Bauten
führten vortrefflich ein in die Geschichte und Eigenart der
alten Ordens- und Hansestadt und den Reichtum ihres Besitzes
an Bau- und Kunstdenkmälern aller Art. Eingehende Führungen
zu den Sehenswürdigkeiten der Stadt durch den Ortsausschuß
und Ausflüge nach Kloster Oliva unter Führung von Professor
Weber und nach der Marienburg, wo Provinzialkonservator
Schmid anschauliche Erläuterungen über die Geschichte und
die Wiederherstellung dieses einzigartigen Baudenkmals, wie über
das Leben und die hohen kulturellen Verdienste der deutschen
Ordensritter gab, entrollten den Teilnehmern ein wundervolles,
unvergeßliches Bild.
Reiche literarische Festgaben, vor allem der 1. Band von
„Danzigs Kunst und Kultur im 16. und 17. Jahrhundert“ von
Kgl. Baurat Georg Cuny, der die Baugeschichte und Danzigs
Künstler behandelt unter besonderer Berücksichtigung der beiden
Andreas Schlüter,1) das 14. Heft der „Abhandlungen zur Landes-
kunde der Provinz Westpreußen“, in dem Provinzialkonservator
Schmid die Denkmalpflege in Westpreußen von 1804 bis 1910
schildert,2) Geh.Baurat C. Steinbrechts „Amtlicher Führer durch
1) Verlag von H. Keller, Frankfurt a. M. 1910.
2) Kommissionsverlag von A. W. Kafemann, Danzig 1910. Preis M. 3.

das Schloß Marienburg“,1) eine Doppelnummer der „Denkmal-
pflege“ mit einer Reihe von trefflichen Aufsätzen aus der Feder
verschiedener Danziger Fachleute und der von Geheimrat
Conwentz verfaßte, ebenfalls reich mit Abbildungen ausgestattete
Bericht über „Das Westpreußische Provinzialmuseum in Danzig
von 1880 bis 1905“ boten den Teilnehmern in Wort und Bild
umfassende wissenschaftliche und künstlerische Ergänzungen des
in allzu rascher Folge und überreicher Fülle Gesehenen.
Aus der Reihe der Vorträge können wir hier leider nur
einige herausgreifen, die für den Architekten von besonderer
Bedeutung sind. Bezüglich der anderen, Prof, von Langes
Vortrag über die „Wiederherstellung mittelalterlicher Skulptur-
denkmale“, der lebhafte Entwicklung der gegensätzlichen An-
schauungen hervorrief, Prof. Dr. Dragendorffs Ausführungen
über „Methodik der Ausgrabungen“ und die vielseitigen lehr-
reichen Betrachtungen des Generalkonservators Dr. Hager-
München über den „Einfluß der Vegetation auf die Baudenk-
mäler“ und des Konservators Prof. Dr. Gradmann-Stuttgart
und Landesbaurats Prof. Go ecke-Berlin über „Denkmalschutz
und gärtnerische Anlagen“ müssen wir auf den demnächst im
Buchhandel erscheinenden stenographischen Bericht verweisen.2)
Bedeutungsvoll für die Verbreitung der Denkmalpflege-
gedanken in weiteren Kreisen ist das auf der Danziger Tagung
9 Verlag von J. Springer, Berlin 1908. Preis 80 Pf.
2) Es sei auch hier darauf hingewiesen, daß der geschäftsführende
Ausschuß des Tages für Denkmalpflege eine Zusammenfassung der (meist
vergriffenen) früheren Berichte erscheinen läßt unter dem Titel: Denk-
malpflege, Auszug aus den stenographischen Berichten des Tages für
Denkmalpflege. Der 1. Band (500 Seiten, Preis M. 9.—) ist schon erschienen
und enthält die planmäßig zusammengefaßten Referate und Verhandlungen
über Vorbildungs- und Stilfragen, Gesetzgebung, staatliche und kommunale
Denkmalpflege. Der 2. Band soll die praktischen Fragen behandeln.
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