Architektonische Rundschau: Skizzenblätter aus allen Gebieten der Baukunst — 27.1911

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1911, 5.

ARCHITEKTONISCHE RUNDSCHAU

Seite 57.

Wohnhaus des Verlegers Schambach in Blasewitz
bei Dresden, Hochuferstraße.
Architekt: Prof. Erich Kleinhempel, Dresden.
Zu Tafel 45.

Das Haus enthält im Erdgeschoß Diele, Empfangs-, Herren- unc
Speisezimmer, Küche und Anrichte, im Obergeschoß Oberdiele, Eltern
Schlafzimmer, zwei Kinderschlafzimmer, Toilettezimmer, Bad, Fremden-
zimmer und zwei Bedientenzimmer, im Dachgeschoß Geschäftsräume, in

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Keller die Hausmannswohnung usw. Das Äußere ist in farbigem Putz
ausgeführt. Die Fensterläden sind dunkelgrün gestrichen, die Dachrinnen
und Abfallrohre sowie die Abdeckung des Eingangs und der Dachfenster
aus Kupfer. Der Garten ist streng architektonisch und frei von dichter
Bepflanzung gehalten, da ringsum sich bereits dicht verwachsene Gärten
anschließen.

Verwaltungsgebäude der Städtischen Gaswerke an
der Waisenbrücke in Berlin.
Architekt: Stadtbaurat Dr.-Ing. Ludwig Hoffmann in Berlin.
Zu Tafel 42 und 43.
Das neue Verwaltungsgebäude ist auf dem inmitten von Alt-Berlin ge-
legenen, an der Stirnseite von der Neuen Friedrichstraße, seitlich von der
Stralauer Straße und der neuen Uferstraße umschlossenen Grundstück des
alten Waisenhauses und seiner Kirche, einfacher, charaktervoller Bauten des
18. Jahrhunderts, errichtet. Deshalb ist auch bei dem Neubau, für den reich-
liche Mittel zur Verfügung standen, an die Stimmung der alten Berliner
Architekturen angeknüpft. In dem neuen Geschäftshause ist die umfangreiche,
bisher getrennt untergebrachte Verwaltung der Städtischen Gaswerke, die
bereits 1905 218379000 cbm Gas (107 cbm auf den Kopf der Bevölkerung)
lieferten, zweckmäßig vereinigt: im Erdgeschoß die Beleuchtungsinspektion,
die Revieroberinspektion, die 3. Revierinspektion, Hausmeisterwohnung,
Wachtraum und Wirtschaftsräume; im 1. Obergeschoß die Verwaltungs-
direktion, Bureauleitung, Hauptexpedition, Hauptregistratur, Hauptbuch-
halterei und Werkeinziehungsabteilung; im 2. Obergeschoß die Betriebs-
direktion, die Technischen Bureaux, Röhrensystem, Kanzlei und Verdingungs-
zimmer; im 3. Ob ergeschoß die Spezialregistratur, Spezialexpedition,
Formularverwaltung und Hauptfernsprechanlage; im 4. Obergeschoß (aus-
gebauten Dachgeschoß) die Spezialbuchhalterei und die Einrichtungsabteilung.

Verwaltungsgebäude der Stadt. Gaswerke Architekt: Stadtbaurat Dr.-Ing. L. Hoffmann
in Berlin. Detail. in Berlin.



Gartensaal,

Weinbergsgrundstück „Sorgenfrei“ in der Oberlößnitz bei Dresden.

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Die Baukosten betrugen nach dem Voranschlag rund M. 1720000.—. An
der Ausführung waren Magistratsbaurat Matzdorf und die Architekten
Hennings & Frobehn beteiligt. Die Bildhauerarbeiten sind von Professor
Josef Rauch ausgeführt.

Reiseskizzen.
Hierzu Tafel 50.
Der zu Studienzwecken reisende Architekt wird auf seinen
Fahrten durch alte Städte und Dörfer in vielen Fällen den
Wunsch hegen, neben der Aufnahme architektonischer und
technischer Einzelheiten auch die ihn interessierenden Bauwerke
und Architekturen in ihrer charakteristischen Umgebung und
Stimmung möglichst naturgetreu festzuhalten; er wird aber sein
Vorhaben meistens aufgeben müssen oder nur unvollkommen
zur Ausführung bringen können, weil die Herstellung einer
aquarellmäßig durchgeführten farbigen Skizze zu umständlich
und zeitraubend sein würde. Die beiden Bilder auf Tafel 50
zeigen, wie jene rein aquarellmäßige und leicht anspruchsvoll
wirkende Ausführung farbiger Aufnahmen durch eine sich auf ein-
fachere Darstellungsmittel beschränkende und daher schneller
zum Ziel führende Methode ersetzt werden kann. Die Haupt-
rolle spielt dabei die Anwendung verschieden getönten, der je-
weiligen Grundstimmung des Vorwurfs angepaßten Papiers, aus
dem die Skizze unter Zuhilfenahme weniger Farben und unter
nachträglichem Aufsetzen einiger Lichter mit dem Blei- oder
Kreidestift herausgearbeitet wird. Je nach der Bedeutung des Vor-
wurfs kann man sich auf skizzenhafte Wiedergabe beschränken,
nur den architektonischen Mittelpunkt des Bildes herausheben
und das landschaftliche und sonstige Beiwerk nur so weit be-
rücksichtigen, als zur Wiedergabe der besonderen Eigenart des
Gegenstandes erforderlich ist, oder eine eingehendere Durch-
arbeitung vornehmen, nur darf auch hier der skizzenhafte Cha-
rakter der Studie nicht verloren gehen.
Diese Darstellungsart erfordert nicht nur verhältnismäßig
geringen Zeitaufwand, sie läßt sich auch, wie der Unterzeichnete
in mehrjähriger Lehrtätigkeit an der Technischen Hochschule in
Berlin erfahren hat, von dem mit der Aquarell- und Bleistift-
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