Architektonische Rundschau: Skizzenblätter aus allen Gebieten der Baukunst — 27.1911

Seite: 104
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Seite 104.

ARCHITEKTONISCHE RUNDSCHAU

1911, 9.


Verkehrshäusclien am I'riedrichsring
in Dresden.

Architekt: Stadtbaurat Professor Hans Erlwein
in Dresden.

wunden sein. Aber eine Sonnenuhr, ein Brünnchen
mit Trinkbecken für die Singvögel und trauliche
Bänke werden auch solchem Nutzgarten zur Zierde
gereichen.
Fragen wir nun noch, wie die Baupolizeivor-
schriften geändert werden müßten, um solcher Vor-
gartengestaltung und damit einer schönheitsreichen
Entwicklung unserer Straßenbilder freieste Bahn zu
schaffen? Ein Satz gibt dafür die allein mögliche
allgemeine Richtschnur: wie statt der früheren all-
gemein gültigen Schablone für die Bebauung, für
die Anlage der Straßen, jetzt Wohn- und Verkehrs-
straßen usw. unterschieden werden, so unterscheide
man auch Vorgarten und Vorgarten und schaffe je
nach den Verhältnissen die erforderlichen Erleich-
terungen. Auch für die Vorgärten ist die starre
Straßenfluchtlinie ein schlimmes Hemmnis der künst-
lerischen Gestaltung. Muß der Bürgersteig wirklich
ewig gleichbreit sein? Gewinnt nicht alles, wenn
in den Wohnstraßen hier und da der Vorgarten zurück-
tritt, wenn freie Plätzchen vor einzelnen Häusern
entstehen, die Raum gewähren für freistehende Baum-
gruppen, unter deren Schatten Bänke zum Ausruhen
einladen, ein Brunnen plätschert oder ein Bildwerk
steht?
Und wie die Straßenflucht lasse man auch die
Bauflucht nur als eine nach vorn nicht zu über-
schreitende Grenze bestehen. Gruppierung vor- und
zurückstehender Häuser, aneinandergebaute Nachbar-
häuser lasse man mit breiteren Zwischenräumen
wechseln, dann werden die Straßen uns bald eine
Fülle von Schönheit zeigen, die wir in den in den
letzten Jahrzehnten entstandenen leider vergeblich
suchen. C. Z.

Verkehrshäuschen am Friedrichsring
in Dresden.
Architekt: Stadtbaurat Professor Hans Erlwein in Dresden.

(Zu Tafel 86/87 )

Das an einem verkehrsreichen Punkte der Dresdner Alt-
stadt, an der Kreuzung des Friedrichsringes und der
Prager Straße gegenüber dem Bismarckdenkmal von der Stadt
errichtete sogenannte Verkehrshäuschen enthält im Erdgeschoß
nach der Hauptverkehrsstraße, der Prager Straße zu, Verkaufs-
läden für Blumen und Zeitungen, ferner, durch Seiteneingänge

herrliche Früchte und Trauben aus dem spärlicher werdenden
Laub der Formbäume und Spaliere leuchteten?
Die bunten Glaskugeln und die tönernen Zwerge und Rehe,
die ein verrohter Geschmack später in solche bescheidene Herr-
lichkeit hineingesetzt hat, werden hoffentlich endgültig über¬


zugänglich, eine Telephonzelle, einen Abort für Frauen und einen Abort
für Männer; im Kellergeschoß liegen ein Pissoir und eine Kabelschaltstelle.
Durch seine gefällige Architektur wurde dieser kleine, durch eine
mächtige Akazie überragte Bau ein Schmuck des Platzes. Das kupfer-
gedeckte Dach, dessen Flächen in leichtgewölbten Linien zum Firste ansteigen,
springt auf der Frontseite vor und wird hiervon vier kräftigen Säulen getragen.
Der dadurch gebildete Unterstand bietet bei Regenwetter Schutz und
Gelegenheit, in Muße Blumen und Zeitschriften auszusuchen. Die freund-
liche Farbengebung des Gebäudes zeigt eine Steigerung der Wirkung
in der Weise, daß der Sockel in grauem Beton ausgeführt, die Wand-
flächen in lebhafterem gelblichen Farbenton gestrichen sind, die Fenster-
läden und Türen endlich in Goldbraun hervorstehen. Das weit ausladende
Gesims dagegen ist weiß gehalten, um mit dem dunklen Kupferdach zu
kontrastieren. Zu der farbenfreudigen Gesamtwirkung tun die Auslagen
der Verkehrsläden das Ihrige. Die auffallenden Erkerausbauten befrie-
digen den Wunsch der Ladeninhaber, möglichst viel Schaufensterfläche zu
besitzen.
Bei der inneren Ausstattung wurde den hygienischen Anforderungen
vollauf Rechnung getragen. Es ist für genügende Helligkeit und gute
Lüftung der Räume gesorgt. Die Aborte und das Pissoir erhielten Platten-
belag, die Erdgeschoßräume Linoleum mit Korkisolierung und die Vor-
halle Granitplattenbelag. Die inneren Wand- und Deckenflächen wurden
mit Kaseinfarbe, die Sockel sowie das Holzwerk mit Ölfarbe gestrichen.
Die Beleuchtung der Räume ist elektrisch. Die Klosette und das
Pissoir sind mit Wasserspülung versehen und ohne Grubenanlage direkt
in die Straßenschleuse eingeführt. Die Wände des Pissoirs, in dem
neun Adamant-Pissoirstände stehen, sind mit Wandplatten bekleidet.
In den Klosetträumen und im Pissoir sind Waschgelegenheiten vorge-
sehen. Die Türe des direkt nach außen führenden Fernsprecherraumes
erhielt einen automatischen Türschließer.

Sommerhaus des Präsidenten
v. Stieler in Bebenhausen.
Blick ins Wohnzimmer.

Architekten: Eisenlohr & Weigle,
Oberbauräte,
Mitarbeiter O. Pfennig in Stuttgart.

Die Decken über Keller- und Erdgeschoß wurden aus Eisen-
beton hergestellt. Aus demselben Material wurden auch die Säulen,
und zwar in einem Stück, gestampft. Um Beeinträchtigung des
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