Argos, oder der Mann mit hundert Augen — 3.1793 [VD18 90283848]

Page: 276
DOI issue: DOI Page: Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/argos1793a/0290
License: Public Domain Mark Use / Order
0.5
1 cm
facsimile
E»as Modell fremder Vollkommenheit zum
Maasstab eigener Sitten nach immer neuen
Abstufungen sich unerreichbar vorhält, werde
ihnen eigen.
Ihre Lebensart sei Ernst ohne Roheit; fei-
ne Einfalt die allen Luxus übertrifft, die durch
ihre Reize, durch die edle Befriedigung, die
fre der Seele mittheilt, durch den Genuß na-
türlicher Freuden, den Hang' zur Schwelge-
rei gesuchter Bedürfnisse mehr stillt, als tro-
ckene Lehre und wilde Strenge. Der Enthu-
siasmus großer Gegenstände muß ihrs Her-
zen früh zur Beschäftigung und zur Neigung
edler Dinge leiten, daß sie aus Ueberdruß
und Leere zu den gewöhnlichen Hülftquellen
des Müßiggangs nie ihre Aussicht nehmen.
Der Stolz ihrer künftigen Bestimmung sei
ihr Schutzgott. Wenn ihr die Lebensart die«
fer Jünglinge, ihren Umgang, ihren Dienst,
selbst die Kleinigkeiten ihres Lebens, in ein
genaues Verhaltniß mit dem Schwung und
der Form, die man ihnen geben will, setzen
könnt, so werdet ihr Leute erziehen, die bei
der natürlichen Neigung der menschlichen
Seele für alles Romantische ihre Grundzüge
unter keiner Lage verlieren werden.
Keine gewöhnliche Menschen, scharfgezeich-
nete, eigengebildete Karaktere — Beispiels
für andere — Lehre süp bessere.
loading ...