Armbruster, Karl
Geschlechtswandel im Französischen: Masculinum und Femininum — Heidelberg, 1888

Page: 109
DOI Page: Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/armbruster1888/0109
License: Public Domain Mark Use / Order
0.5
1 cm
facsimile
109

Diezens Etymologie ist also wohl die beste. Die beiden it.
Formen fiasco und fiasca würden sich aus dem lat. Singul.
und Plural, erklären. Entsprechend schwankt auch im Franz,
das Wort im Geschlecht:
Masc. Le feu print en son flasque (Paré, IX., 1er dis-
cours L.). Le flasque à la ceinture (Alerlin Coccaïe IL, 256
L.). Ein anderes flasque ist masc. und bedeutet Lafettenwand ;
doch wird es von technischen Schriftstellern nach Richelet oft
als Fern, gebraucht. Scheier lehnt das Wort an flanc an.
Flotte fern., span, flota, port, frota, it. flotta fern, und fiotto
masc. Etymon ist nach Diez fluctus. Doch erklären sich so
die weibl. Formen nicht. Es wird also angezeigter sein, Ver-
balsubstantiv von flotter—fluctuare anzunehmen, was auch für
die Bedeutung besser stimmen würde.
Givre masc., bürg, gêvre, prov. givre, gibre, cat. gebre der
Reif. Nach Diez II. c. ist es identisch mit » givre< Schlange.
Im Occit. bezeichnet givre nämlich auch die Eiszapfen, die
wegen ihrer Form »Schlangen« genannt worden wären. Diese
Deutung befriedigt nicht sehr, ausserdem steht ihr Geschlecht
und Form des Wortes entgegen. Im Prov. könnte der Reflex
von vipera nur guibra (nicht guivra) heissen. Die prov. Doppel-
formen givre neben gibre weisen auf ursprüngliches b im
Etymon hin. Wie Littré von gelicidium zu givre kommen
will, ist unklar. — Ich glaube, es ist von einem Adjektiv
*geliber auszugehen, gebildet mit dem Suffix her, das sich
in celeber, ruber, saluber, creber, glaber findet. (Ros) geliber
ergab etwa gelbre, geubre, geuvre. Beeinflusst durch das
ähnliche Wort guivre (wipera) bildete sich geuvre zu givre
um. Dass beide Wörter einen Einfluss auf einander ausübten,
beweist nfr. givre für altes guivre (wipera), das den Anlaut
nur von givre »Reif« empfangen haben kann. Occit. jalibre
»Glatteis« geht auf das Neutrum *geliberum (geliber flektiert
wie frugifer) zurück. Das a erklärt sich ans dem 1.
Glu fern. Leim, afr. auch masc., in Genf noch le glu. Prov.
glut, span, gluten, it. glutine fern. Das nfr. weibl. Wort kommt
nicht von gluten, inis neutr., sondern von der Nebenform glus,
glutis fein., die bei Ausonius vorkommt (s. Diez II. c.). It.
glutine setzt eine Deklination glus , *glutinis fern, voraus.
loading ...