Ars: časopis Ústavu Dejín Umenia Slovenskej Akadémie Vied — 2.1968

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Porträtierten darstellen wollte, ist auch das Bildnis
der Susanna Steinhübl ein Beweis dafür, dass der
Künstler von der konventionellen Art des adeligen
Portraits abweicht. Typologisch geht es hier schon
um das bürgerliche Portrait; es soll den Wünschen
der sich immer mehr entwickelnden bürgerlichen
Klasse in der Slowakei entsprochen werden, wobei
es nicht nur um eine getreue Erfassung des äusser-
lichen Aussehens der portraitierten Person geht,
sondern es soll auch ihre gesellschaftliche Stellung
zum Ausdruck gebracht werden. Auf einen ge-
meinsamen Nenner mit den bürgerlichen Portraits
bringt Rombauer sehr oft auch Personen aus dem
niedrigeren Landadel, der sich mit seinen materiel-
len Bedingungen und seiner Lebensweise nicht
sehr von denjenigen der jungen Bourgeoisie unter-
scheidet (Bildnis des Šarišer Grundbesitzers Ká-
das15). Nur in vereinzelten Fällen versucht Rom-
bauer gemäss der Stunder’schen Intentionen eine
solche Lösung des Portraits zu erreichen, die sich
der Geschmacksrichtung des englischen Prä-Ro-
mantismus nähert. Wir haben hier das „Bildnis
eines Mannes im Park“, 180416 im Sinne. (Es ist dies
wahrscheinlich ein Mitglied der Csäky’schen Fa-
milie, einer Familie aus dem höheren Adel des
Komitats; die portraitierte Person wird in einem
stylisierten Park-Teil des Csäky’schen Schlosses
in Hodkovce in der Zips abgebildet.)
Gleichzeitig versucht Rombauer auch den Typ
des Genre-Portraits zu entwickeln, eines Typs, der
aus dem Rahmen der üblichen Konvention fällt.
Dies gelingt ihm teilweise mit seinen Kinderpor-
traits, die weniger mit gesellschaftlichen Konven-
tionen belastet sind und eine mutigere Entwicklung
der schöpferischen Vorstellungen des Künstlers
ermöglichen. In kompositioneller Hinsicht am
ausgewogensten ist unter seinen Portraits dieses
Typs das Bildnis des „Jungen mit den Seifen-
blasen“ (1804)17; dieses Bild zeichnet sich durch
eine distinguierte genre-artige Untermalung, die
den Intentionen des Portraits förderlich ist, sowie
auch durch seinen dezenten, gelblich-grauen Ko-
lorit aus. Nebst dem Einfluss von J. J. Stundet
konnte Rombauer auch einige aus dem lokalen
heimatlichen Milieu stammende Stimuli aufneh-
men. Vor allem geht es hier um die Möglichkeit
der Suche nach gewissen Zusammenhängen mit dem
Werk des heute nur noch fragmentarisch bekann-
ten Werkes des Portraitisten und Malers-Deko-
rateurs Josef Lerch (er schuf seine Werke gegen

Ende des 18. und in den ersten zwei Jahrzenten
des 19. Jh.); älteren Quellen ist zu entnehmen,
dass er nicht weit von der anekdotischen, genre-
artigen Auffassung des Portraits stand.18 Nebst
diesen Künstlern wird Rombauers frühes Schaffen
auch von seinen Leutschauer Altersgenossen, des
Portraitisten Josef Czauczik (1780—1857)19 und
des Landschaftsmalers Johann Jakob Müller
(1780—1828), und auch von anderen Künstlern
geringerer Bedeutung beeinflusst, die alle im
allgemeinen in einem mehr oder weniger engen
Kontakt mit dem Wiener künstlerischen Milieu
aufgewachsen waren. In dieser Periode unter-
scheidet sich Rombauers Schaffen schon in einem
bedeutenden Masse von der verfeinerten formal
idealisierenden Wiener Darstellungsart, die in
ihrer lapidaren Ausdrucksweise der Position des
Charakterisationsportraits häufig bis zu einer
irritierenden Schärfe geht. Das Streben nach einer
kompromisslosen Ausdrucksweise der charakteris-

3. Johann Rombauer: Bildnis einer jungen Frau mit
rotem Turban, 1806, Oel.


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