Ars: časopis Ústavu Dejín Umenia Slovenskej Akadémie Vied — 3.1969

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Ein Porträt Matthias Bél's von Ján Kupecký

Im Beitrag werden vorerst die Umstände der Auffindung
des neulich sichergestellten Porträts des Matthias Bei
(1684—1749) beschrieben, des slowakischen Wissen-
schaftlers, Mitgliedes mehrerer ausländischer Gelehr-
tengesellschaften und des Preßburgers evangelischen
Pfarrers in einer Person. In der Folge wird das erstemal
die Ikonographie dieser Persönlichkeit skizziert.
Als authentisch konnten bisher zwei Porträte M. Bels
betrachtet werden. Das erste entstand als Frontispiz des
Hauptwerkes Béls ,,Notitiae Hungariae novae historico-
geographica" (Wien 1736). Es wurde nach dem lebenden
Modell von den bekannten Wiener Kupferstechern
Andreas (1700—1740) und Joseph (1683—1740) Schnau-
zer ausgeführt. Das zweite glaubwürdige Porträt Béls
ist jenes von Ján Kupecký (1667—1740), dessen Original
unbekannt ist- — es blieb verschollen —, dessen Kopie
jedoch vorhanden ist, die mit Hilfe der Mezzotinto-
Technik von Johann Jacob Haid (1704—1767) aus-
geführt wurde. Nach einer Andeutung (Dr. Eduard
Šafařik: Joannes Kupezky, Prag 1928, 203) führte
Haid ausser diesem noch ein ähnliches Bild aus. Da der
Autor des resümierten Beitrages nicht einmal die Re-
produktion dieses zweiten Bildes kennt, bezieht er es in
den Kreis seiner Erwägungen nicht ein.
Während der Lebenszeit Béls entstand sein drittes
resp. viertes Porträt, dessen Autor der Kupferstecher
Moritz Bodenehr (1665—1748) gewesen war, ein bekannter
Routinier auf dem Gebiet der graphischen Kunst. Sein
Porträt ist jedoch nicht glaubwürdig, was auch dadurch
bestätigt wird, dass spätere bildende Künstler dieses
Blatt als Vorlage ihrer verhältnismässig häufigen graphi-
schen oder gemalten Darstellung M. Béls nicht ver-
wendeten.
Zu diesen ältesten Dokumenten der Ikonographie
Matthias Béls gesellt sich das Ölgemälde, welches im
Museum in Rimavská Sobota identißziert wurde, wo es
bisher als ,.Unbekannter Schriftsteller von einem unbe-
kannten Maler" evidiert wurde. Im Beitrag wird die
Technik des Gemäldes, sowie die Tatsache der starken
Übermalung anlässlich der letzten wahrscheinlich am
Ende des XIX. Jahrh. durchgeführten Restauration des
Gemäldes beschrieben. Das Gemälde gelengte in die
Museumssammlung im Jahre 1903 als ein näher nicht
identifiziertes Depositum der evang. Kirche A. K. von
Malohont.
Bei der Analyse des Inhalts wird festgestellt, dass
dieses Ölgemälde im ganzen mit dem Bild Kupecky's
übereinstimmt, wie wir es aus Haid's graphischer Dar-
stellung kennen, es gibt hier jedoch immerhin einige
Unterschiede. Der erste Unterschied kommt in der

Ähnlichkeit zum Vorschein. Auf der Leinwand aus
Rimavská Sobota sieht Bél schmäler und namentlich
jünger aus, als auf Haids Blatt. Am augenscheinlichsten
zeigt sich der Unterschied in der Kleidung des Porträtier-
ten. Bei Haid ist Bél mit einer gekreuzten Halsbinde
dargestellt. Das Gemälde aus Rimavská Sobota veran-
schaulicht uns jedoch Bél ohne Halsbinde, sondern im
weissen Hemd, mit einem hohen, eng anliegenden, der
damaligen Mode entsprechenden Kragen, der pedantisch
mittels zweier Knöpfchen geschlossen ist. Ein Unter-
schied besteht auch in der Darstellung des Dolman;
bei Haid ist dessen Verschluss ziemlich unklar ange-
deutet, während er auf dem neu entdeckten Gemälde
einen Verschluss durch Metallknöpfe aufweist.
Die Beziehung zwischen der Darstellung M. Béls von
Haid und dem Gemälde aus Rimavská Sobota analy-
sierend beantwortet der Autor des Beitrages negativ die
Frage, ob das Bild aus Rimavská Sobota trotz des
festgestellten Unterschiedes denn doch nicht eine Kopie
von Haid's Mezzotinto sein könnte. Das Bild aus Ri-
mavská Sobota weist nämlich eine viel intensivere
Einfühlung in das gegebene Porträt auf, als Haid's
Graphik. Die Persönlichkeit Bél's ist darauf viel lebendiger
und konkreter dargestellt, als bei Haid, dessen Auffassung
sich mehr dem Abstrakten zuneigt. Der festgestellte
Grad des Einfühlens in die porträtierte Persönlichkeit
kann aus einer graphischen Darstellung nicht gewonnen
werden — das setzt eine Vergegenwärtigung des Por-
trätierten zumindest durch die Vermittlung eines starken
Kunstwerkes voraus. Der Autor macht dabei auch auf
einige äusserliche Merkmale aufmerksam, welche die
Kenntnis des Originals vonseiten des Urhebers der
Kopie aus Rimavská Sobota bestätigen. Das Format
des Bildes hat ein Ausmass von 92x74 cm, das bevor-
zugte Ausmass der Gemälde Kupecky's.
Das Porträt Matthias Bél's lässt sich in das gesamte
künstlerische Werk Kupecky's auch chronologisch richtig
einreihen, ob schon von Kupecky's Lebenslauf aus-
gegangen wird, oder ob man das Alter des porträtierten
Modells in Betracht zieht. Bél's Porträt gehört zu einem
der Werke aus der Zeit der Endphase von Kupecky's
Wiener Aufenthalt.
Es ist klar, dass das Bild aus Rimavská Sobota
nicht aus dem Pinsel Kupecky's stammt, ja nicht einmal
eine Schöpfung seiner Malerwerkstatt ist Es fehlen zu
dieser Annahme einerseits die nötigen qualitativen
Hinweise, einerseits handelt es sich auch um eine tech-
nisch verschiedene Manier des Malens, welche auf der
Leinwand aus Rimavská Sobota überdies eher zu dem
im vorhinein ins Auge gefassten Endergebnis hinzielt, als

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