Ars: časopis Ústavu Dejín Umenia Slovenskej Akadémie Vied — 3.1969

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Auf dem Gebiete der Plastik waren die bedeu-
tendsten Vertreter des ,,Intergralul" M. H. Maxy,
Victor Brauner, Mattis Teutsch, Militza Petrascu
und ein Maler, der diese Gruppe ergänzte, Oorneliu
Mihailescu. Die Zeitschrift veröffentlichte auch
regelmässig Reproduktionen der Werke von Brän-
cusi und seine Aphorismen. Ein weites Netz der
schon zur Zeit des ,,Contimporanul" angeknüpften
Beziehungen, die in der Folge bedeutend erweitert
wurden, gewährleistete den Kontakt mit der
Avantgarde der Länder in Mittel- und Westeuropa.
Die Namen von Tzara, Benjamin Fondáne (ein
bedeutender Lyriker, Essayist und Ästhetiker,
ebenfalls von Rumänien nach Paris übersiedelt,
ein Freund von Bräncusi der sein Porträt gezeich-
net hat), Michel Seuphor, Georges Ribemont-
Dessaignes, René Crevel, Robert und Sonia Delau-
nay, Enrico Prampolini erscheinen zu wieder-
holten Malen in den Spalten der Zeitschrift, die
neben ihrer Bukarester Redaktion auch eine in
Paris und eine in Pavia, Italien, hatte. Im Jahre
1927 veröffentlichte ,,Integral" den dieser Zeit-
schrift von Marinetti übermittelten Gruss.
Die dekorative Kunst wurde vorwiegend von
M. H. Maxy gefördert. In Bukarest gab es damals
keine Schule der dekorativen Kunst oder des
Kunstgewerbes. Im Jahre 1923 gründete Andrei
Vespremie, ein Dekorationkünstler, eine Privat-
schule dieser Art. Die Anzeigen über ihre Eröffnung
brachte die Zeitschrift ,,Punct". Sie sprachen von
einem Atelier konstruktivistischer Kunst mit
abteilnungen für: Architektur, Innendekoration
und Möbeleinrichtung. Die Lehrkräfte waren
Marcel Iancu für Architektur und Innendekoration
und Victor Brauner für Malerei. Zwei Jahre
später wurde dieses Atelier von M. H. Maxy und
seinen Mitarbeitern Victor Brauner und Corneliu
Mihailescu übernommen, um im Jahre 1927 —
wenigsten in der Absicht — eine ,,Akademie der
dekorativen Kunst" zu werden, die eine ständige
Kunstgalerie hatte. Das künftige Unterrichtsprog-
ramm war nach folgenden Fächern eingeteilt:
Metall- und Lederarbeiten, Kunstbuchbinderei,
Teppiche, Batikdruck, gemalte Stoffe, Graphik
(Litographie, Aquaforte, Linostiche, Ornamentik
und Kunstdruck), Reklame und Plakate, Buch-
illustrationen, Zeichnen und Malerei, Dekoration-
arbeiten, religiöse Kunst (Kultgegenstände), Innen-
dekoration (Wohneinrichtung und Möbel), Kunst-
geschichte und Stile. Ausser den bereits erwähnten

Lehrkräften wirkten hier als solche auch Corneliu
Medrea (Bildhauerkunst) und Andrei Vespremie
(Keramik und Elfenbeinarbeiten). Alldas war aber
eher ein anzustrebendes Ideal als Wirklichkeit.
Da die Kursanten fehlten, konnte nur ein Teil
der angekündigten Fächer zum Unterricht ge-
langen.
Es wäre aber eine Unwahrheit zu behaupten,
dass all diese Versuche, die ersten dieser Art in
Rumänien, nur und einzig eine blasse Nachahmung
der Lehren und schöpferischen Prinzipien des
Bauhauses bedeutet haben. Weder die Verhältnisse
jener Zeit, noch die gegebenen Bedingungen der
Umwelt, konnten so etwas gestatten. Das Publi-
kum und die einheimische Interessenten hatten
nicht die erforderliche Vorbereitung, um diese
Initiative zu unterstützen. Aber ebenso unwahr
wäre die Behauptung, dass diese Versuche nichts
mit der Tatsache zu tun hatten, dass Künstler
wie Marcel Iancu und M. H. Maxy die mit voller
Aufmerksamkeit das Wirken der Kunstinstitute
in Weimar und Dessau verfolgten, und dass Maxy
mit diesem keine unmittelbare Verbindung gehabt
hätte. Der Kunstgeist des Bauhauses war in der
Auffassung spürbar, die die Kunst als einen
Ausdruck moderner Zivilisation mit dem All-
tagsleben, vor allem aber mit der Wohnkultur,
diesem Daseinsrahmen des Menschen, verband.
Das Ende der dreissiger und der Beginn der
vierziger Jahre bedeutete in der Entwicklung
der künstlerischen Avantgarde-Strömung in Ru-
mänien einen Umschwung der — obwohl nicht
bei allen Mitgliedern und nicht in gleichem Masse
— sich durch die Verringerung des Konstrukti-
vismus-Einflusses bemerkbar machte.
Diese Änderung trat durch einen weniger
strengen, weniger geistigen Formausdruck in
Erscheinung. Die neue Ausdrucksform war eher
dazu angetan, den Inhalt des menschlichen Daseins
in einer eindringlich-anschaulichen Weise zu ver-
mitteln.
Dazu trug vor allen die soziale Wirklichkeit
jener Zeit bei, die immer grössere Faschisierung
des politischen Lebens, die die Avangarde-Künst-
ler dazu zwang, bewusst eine eindeutige Stellung
einzunehmen. Unter den Verhältnissen des dama-
ligen politischen Regimes in Rumänien, da die
Linke, mit den Kommunisten an der Spitze, der
Verfolgung ausgesetzt war, und anderseits ange-
sichts der Tatsache, dass die Avantgarde schon

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