Ars: časopis Ústavu Dejín Umenia Slovenskej Akadémie Vied — 4.1970

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und illusionistisch — historische Malerei war,
und die Weltanschauung der herrschenden Klassen
des halbfeudalen Ungarns ausdrückte.
Eine weitere Kolonie und Terrainschule, die
jedoch bei weitem keinen so grossen Einfluss
auf die Kunst unseres Landes hatte, war die von
Szolnok. Die typische Umgebung dieser Stadt
wurde schon seit der Hälfte des vorigen Jahr-
hunderts von Künstlern gern besucht, aber zur
Gründung einer richtigen Kolonie kam es erst
zu Beginn unseres Jahrhunderts.5 Die Existenz
dieser beiden Kolonien zusammen mit der Po-
pularisierung weiterer, hauptsächlich deren in
Worpswede und Dachau in Deutschland, wurde
zum Anlass der Gründung einer Malerkolonie in
Detva in der Mittelslowakei.
Das was für die nichtslowakischen Künstler
im ehemaligen Oberungarn Budapest bedeutete,
war für die slowakischen Künstler Prag, der Sitz
einer Akademie der bildenden Künste und einer
Kunstgewerbeschule. Die Akademie wurde 1896
verstaatlicht und reorganisiert, womit bedeutende
materielle Vorteile und die Möglichkeit einer
Modernisierung der Schule zusammenhingen. An-
dererseits brachte es einen verstärkten Einfluss
des amtlichen österreischen Elementes an der
Schule mit sich und dies teilweise auf Kosten der
tschechischen nationalen Orientierung.6 Wie dem
auch sei, die Prager Akademie war zweifellos eine
wichtige nationale Institution, in deren Päda-
gogenkollegium die Zeitgenossen des National-
theaters die Wortführer waren. Sie wurden zu
Beginn des Jahrhunderts durch die Vertreter
der ersten Generation der tschechischen Moderne
ergänzt und teilweise abgelöst (Preisler, Sva-
binský).
Ausserhalb der Akademie formten die künstle-
rische und kulturpolitische Einstellung der zu-
künftigen Künstler aus der Slowakei einige Prager
Institutionen, in erster Reihe die Československá
jednota (Tschechoslowakische Einheit) als Orga-
nisation, die slowakische Studenten unterstützte,
und der Verein Detvan als Vereinigung slowakischer
Studenten und Hochschüler in Prag.
Mehrere private Prager Malerschulen waren ohne
Belang für die Fachausbildung bildender Künstler
aus der Slowakei, mit Ausnahme der privaten
Malerschule Alois Kalvoda’s, in der Martin
Benka seine Ausbildung genoss, und des Ateliers

K. Zahorsky’s7. Das Prager Kunstmilieu, das
die studierenden Künstler formte, bildeten haupt-
sächlich Ausstellungen im Rudolfinum und in der
Umělecká Beseda sowie im Mánes, in Topičs Salon
und weiteren Ausstellungsälen, deren Anzahl schon
seit dem Beginn des Jahrhunderts Prag zu einem
verhältnismässig durchschlagskräftigen Brenn-
punkt der bildenden Kunst machten.
Von den mitteleuropäischen Städten war jedoch
auch zu Beginn des 20. Jahrhunderts der meist-
besuchteste Mittelpunkt des Kunstunterrichtes
und der Kultur München. Die Münchner Akademie
der bildenden Künste, die ihre Popularität in der
Zeit der Blüte der historischen Malerei, die haupt-
sächlich von Karl von Piloty repräsentiert
wurde, erreichte, passte sich schrittweise den neuen
Strömungen an, so dass sich ihr pädagogisches
Profil wenigstens teilweise modernisierte. Neben
der älteren Generation von Hochschulprofessoren
kamen gerade um das Jahr 1900 jüngere Pädagogen
zu Worte, die die Ideen des zeitgenössischen
Impressionismus vertraten, der jedoch im Grunde
im Rahmen der Münchner Porträt- und Gen-
remalerei verzaubert war. Die Münchner Akademie
besuchten einige unserer bedeutendsten Künstler
der Generation um die Jahrhundertwende. Es
ist interessant, dass das Münchner Künstler-
milieu eher die Entwicklung ihres national-
kulturellen Bewusstseins förderte und nicht hemm-
te. Dies wurde durch die allgemein liberale At-
mosphäre dieser Stadt ermöglicht, aber auch
dadurch, dass sich in ihr eine verhältnismässig
zahlreiche Gruppe slawischer Künstler bildete,
meist Tschechen, Russen und Kroaten, die dort
die Möglichkeit fanden, ihren künstlerischen und
nationalen Interessen nachzugehen.
Neben der Akademie existierte in München,
eine Reihe von Privatschulen, von denen für unser
künstlerisches Leben der bildenden Kunst die
schon erwähnte Schule Simon Hollösy’s (schon
seit 1886), die Schule des Slovenen Anton Ažbé,
die graphische Schule Heiman’s und Brock-
hoff’s, die Schule Wladimir Magidey’s und
weitere Schulen eine gewisse Bedeutung hatten.
München war ein anziehendes künstlerisches
Zentrum, nicht nur wegen seines verzweigten
Systems von Kunstschulen, sondern auch wegen
seiner wertvollen Sammlungen alter und neuzeit-
licher Kunst in der Pinakothek und Glyptothek,
sowie wegen seiner zahlreichen Ausstellungen aus

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