Ars: časopis Ústavu Dejín Umenia Slovenskej Akadémie Vied — 4.1970

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fessantes Dorf — Važec; wenn ich 25 Jahre alt
wäre und mit shnen noch durch die Slowakei
wanderen würde, würde ich sagen, dass ich das
gefunden habe, was wir beide lange suchten —
ein zweites Detva!“31 Es gelang Augusta nicht
Pacovský für Važec zu gewinnen. Wenn auch die

4. Die stylistischen Eigenschaften des Schaffens.
Ende des 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts
können wir diagnostische Änderungen vor allem
im Charakter und der Organisation der Erzeugung
erkennen. Für unser Problem entstanden dadurch
wichtige Änderungen im Lebensstil und Milieu,
die jedoch fast ausschliesslich nur das städtische
Milieu betrafen. Zu diesen Änderungen kam es
infolge des ansteigenden Anteiles der Indu-
strieerzeugung an der Befriedigung mit den
Gegenständen des täglichen Bedarfs. Auf Grund
der Serienerzeugung der alltäglichen Gebrauchs-
güter und vieler Gebrauchs — und Luxusartikel,
Erzeugnisse, deren Summe das engere Lebens-
milieu des damaligen Städters bildeten. Praktisch
bedeutet dies eine Steigerung der Bedeutung der
angewandten Kunst und des Design, deren Vorhan-
densein immer mehr die Merkmale und die Ei-
genschaften des Lebensstils beeinflussen sollte.
Mit diesem gesetzmässigen Prozess der In-
dustrialisierung und Modernisierung ging Hand
in Hand auch der Aufbau der Gewerbeschulen,
die Veranstaltung von kunstgewerblichen Kursen,
der Ruf nach der Gründung von kunstgewerblichen
Museen und Ausstellungsräumen n. s. w.32 Zum
Ausdruck dieses neuen Prozesses im bildnerisch
ästhetischen Bereiche wurde die Verbreitung des
neuen Stils, der Sezession, deren Eigenschaften
zum gemeinsamen Nenner eines weiten Bereiches
des Bauwesens und der angewandten Kunst von
der Jahrhunderwende an fast bis zum ersten
Weltkrieg wurden. Die Genesis dieses Stils, der
dann teilweise auch das. Gebiet der schönen Künste
beeinflusste, ist ein interessantes Beispiel des
Wiederspruches in der Entwicklung und im
Charakter der damaligen Gesellschaft und Er-
zeugung: wenn das Bemühen um einen neuen
Stil nach den ursprünglichen Intentionen Ruskins
und später Morris’ eine neuzeitliche Renaissance
der Handarbeit, also des Handwerks, sein sollte,

malerische Produktion Augusta’s und Kern’s
in Važec, was ihre Entwicklung betrifft, interessant
war (hauptsächlich vom Standpunkt des Ein-
bruches des Pleinairs in die slowakische Malerei)
stehen die Ergebnisse von Važec doch im Schatten
des aktiveren Programms von Detva.

wurde er in Wirklichkeit dominant hauptsächlich
auf dem Gebiet des Design — in der Seriener-
zeugung von Gebrauchs— und Luxusartikeln,
Präfabrikaten und anderen Artikeln, beginnend
mit architektonischen Elementen und mit Luxus-
gegenständen für das Interieur endend. Zur
Verbreitung der Sezession trug dann auch die
Gebrauchsgrafik bei, vorwiegend die Buch- und
Werbegraphik, so dass die charakteristischen
Elemente des Ornaments und der Stil-Form-
gebung der Sezession tatsächlich zum täglichen
optischen Bestandteil des damaligen ,,modernen“
Lebensmilieus wurden.
Das Übergreifen der Sezession wurde zu Beginn
als Eindringen eines fremdartigen kosmopoliti-
schen Elementes empfunden, das einerseits im
Gegensatz zu dem adelig-bürgerlichen Milieu,
andererseits zur Umgebung des Dorfes stand. Man
versuchte jedoch bald, die Sezession den heimischen
Traditionen anzupassen und ihr nationale Ele-
mente einzufügen. So endstand die ungarische
Sezession, die als malerischer Stil empfunden
wurde. Es entstanden auch die tschechischen,
österreichischen und weitere Sezessionsstile. In
der Kultur der bildenden Kunst der Slowakei gab
es auch Versuche mit Sezessionselementen so zu
verfahren, dass der endgültige künstlerische Aus-
druck das Prisma einer nationalen Zugehörigkeit
erlangte. Dies ist in der Architektur bei Dušan
Jurkovič, in der Gebrauchsgraphik, die mit der
Tätigkeit der Gruppe slowakischer Maler Ungarns
verbunden war, so wie in einigen weiteren Fällen
zu sehen. Diese beweisen das für die damalige
Zeit charakteristische Absorbieren und Natio-
nalisieren der Stilelemente der Sezession durch
die einzelnen nationalen Kulturen.
Trotzdem wurde die Sezession bei uns zu keinem
dominanten Stil der bildenden Kunst ihrer Zeit.
Es widerstand ihr vor allem das Dorfmilieu, das

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