Ars: časopis Ústavu Dejín Umenia Slovenskej Akadémie Vied — 5.1971

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Die slowakische Kunst
der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts

LADISLAV SAUČIN

Die slowakische Kunstgeschichte richtet immer
wieder ihr Augenmerk auf den Zeitabschnitt des
19. Jahrhunderts, da dieser eine Schlüsselstellung
zum Verständnis der Kunstentwicklung der Slo-
wakei einnimmt. Es gibt zwar für den Interes-
senten des genannten Zeitabschnittes einige über-
sichtliche Bearbeitungen,1 doch die bisherige For-
schung, besonders was den Zeitabschnitt der
zweiten Hälfte des Jahrhunderts betrifft, hat genü-
gend Probleme ungelöst oder offen zurückgelassen.
Schwerwiegend ist in dieser Hinsicht unter anderem
die Problematik der sich so kompliziert entwik-

kelnden Nationalitäten-Frage im alten Ungarn, in
deren Rahmen die Slowakei eines ihrer Glieder
war. Das Gesamtbild der slowakischen Kunst
wird stets durch neue Belege gefördert, die zu
ihrer Differenzierung beitragen.
Die vorliegende Studie ist im Grunde genommen
eine gekürzte Zusammenfassung einer grösseren,
bisher unveröffentlichten Arbeit. Sie hat sich zum
Ziel gesetzt, in thesenhafter Form über die ange-
schnittene Problematik den Leser zu informieren
und gleichzeitig ihm grundlegende Informationen
über die Materie zu geben.

Die Zeitspanne von 1850—1870
Das Scheitern der Revolution von 1848 —1849
hatte ungünstige Auswirkungen auf die Slowakei
und ihre Integration. Die plebejische Slowakei —
die sich erfolglos und taktisch unrichtig an der
Konfrontation mit dem aufständischen madja-
rischen Teil des alten Ungarns, geführt von einer
adelig-bürgerlichen Koalition, beteiligt hat — war
politisch desorientiert und es schien, als wäre sie
verurteilt, bei veralterten Lebensformen und Emp-
findungen auszuharren, welche im Rahmen alter
Traditionen einem feudalen Lokalpatriotismus be-
grenzt waren.
Das slowakische Lebensniveau wurde durch das
vorwiegend Dörfliche und Kleinstädtische gesenkt.
Zur slowakischen Nationalität bekannte sich be-
wusst nur eine geringe Anzahl geschulter Künstler,
deren Kunstausdruck jedoch im überwiegenden
Masse im Zeichen eines lokalen Provinzialismus
stand.

Die Matica slovenská, gegründet im Jahre 1863,
wurde zur obersten slowakischen Kultur-Institu-
tion. Sie sollte als gesamtnationale Institution die
damalige slowakische konfessionelle Zersplitterung
wie auch die regionalen und klassenbedingten
Verhältnisse überwinden und dadurch zu einem,
engeren Bündnis zwischen der Kunst und der
slowakischen Kultur- und nationalpolitischen Be-
wegung führen. Die Matica slovenská konnte jedoch
während ihres kurzen und behinderten Wirkens
nur wenige Beziehungen zur Kunst schaffen. Das
Kunstleben blieb daher auch weiterhin unkomplex.
Die Slowakei hatte keine einzige Lehrstelle für
Kunsterziehung, es fehlte jede Kunst-Publizistik,
auch mangelte es an begüterten und sachkundigen
Sammlern der heimatlichen Kunst. Kunstausstel-
lungen, die viel zur Kunsterziehung des Publikums
und auch der Kunstschaffenden hätten beitragen
können, wurden nur selten veranstatlet (in Brati-

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