Ars: časopis Ústavu Dejín Umenia Slovenskej Akadémie Vied — 1977-1981(1977)

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gesehene Reaktion der Gestalten eine stabilisie-
rende Kraft beherrschte“.30
Mit der Lösung der Gipfelgruppe der Pressbur-
ger Springbrunnen lockert sich das Prinzip des
Manierismus. Lippay wendet sich mit seinem
Entwurf von der pyramidalen Komposition ab,
wie auch von den spiralenförmigen Windungen
der Figuren; die Gruppe Tobias mit den Fischen
löste er in eine gerade, leicht gelockerte Attitüde
mit herangezogenen Händen, in denen Tobias die
Fischspeier hält. Die Gestalten sind schwerer, ohne
Bewegung und Feinheit, die ihnen die gewundene
Attitüde verleiht.
Die Einzelteile der Komposition bilden in bezug
zueinander keine Spannung, die das Hochbarock
charakterisiert, und deswegen bezeichnen wir sie
als Frühbarock. Die frühbarocken Merkmale gel-
ten auch für die Hl. Georgstatue: eine zudem noch
symptomatische Proportionslosigkeit, Schwerfäl-
ligkeit, Ausdruckslosigkeit des Antlitzes und die
Art der Steinmetzausführung.
Der ganze Garten des erzbischöflichen Som-
mersitzes charakterisiert eine stilistische Unein-
heitlichkeit. Der Garten ist im Renaissancestil,
seine einzelnen Elemente sind manieristisch und
der überwiegende Teil der bildhauerischen Ver-
zierung ist im Frühbarockstil.
Die Stiluneinheitlichkeit zeigt sich jedoch
direkt in der bildhauerischen Ausschmückung.
Formal, wie fern man nach den erhaltengeblie-
benen Dingen in der Kombination mit den graphi-

schen Werken beurteilen kann, charakterisiert das
Schaffen das Überschneiden älterer manieristi-
scher (Speier, Steinmetzdetails) mit den neueren
Barockströmungen (Georg, Pegasus, Figuren am
Springbrunnen).
Wir vermuten, dass die Stiluneinheitlichteit die
Beteiligung mehrer Autoren an der Gesamtheit
des Gartens verursachten. Der Autor der inhalt-
lichen Konzeption des Gartens war wahrschein-
lich Erzbischof Lippay selbst, der in Italien weilte,
womit sich der italienische Charakter des Gartens
erklären lässt. Der Autor der bildhauerischen
Entwürfe war der Neffe des Erzbischofs Georg
Lippay junior. Er war Modellierer, sein Zyklus,
die vier Jahreszeiten, sind erhaltengeblieben; es
ist wahrscheinlich, dass er auch die Modelle des
Gartens des erzbischöflichen Sommerpalais schuf.
Da der Charakter der Werke auf die süddeutsche
und österreichische Kunst hinweist nehmen wir
an, dass er seine Ausbildung in diesem Gebiet
bekam. Die schwankende Qualität der Werke lasst
sich dadurch erklären, dass für die Ausschmück-
ung des Gartens notwendig war eine grosse Menge
von Statuen zu meisseln, was nicht in den Kräften
eines Einzelnen lag. An der Arbeit beteiligte sich
eine Ganze, nach Lippays Entwürfen arbeitende
Steinmetzwerkstatt. Die Statuengruppe des Hl.
Georgs wurde wahrscheinlich aufgrund Lippays
Entwurfes von einem bisher noch nicht festge-
stellten Pressburger Steinmetz geschaffen.

Anmerkungen
1 Georg Lippay (Entwurf) und ein slowakischer Stein-
metz (Realisierung): Die Statuengruppe des Hl. Georg. 60-er
Jahre des 17. Jahrhunderts (spätenstens 1658), Sandstein.
Ursprüngliche Placierung: Springbrunnen im erzbischöfli-
chen Garten (Pressburger Garten). Heutige Placierung: Hof
des Alten Rathauses, Bratislava. Restauriert im Jahr 1957.
Die Fotografie des nicht restaurierten Werks brachte M.
Aggházy im Werk: A barokk szobrászat Magyarországon
(Budapest 1959), das auch die grundlegende Bibliographie
zu dieser Statuengruppe enthält.
2 LIPPAY, J. : Posoni kert. Wien 1664 (auch Trnava
1664).
3 Das Buch war nicht zugänglich, darum zittiere ich aus
der Abhandlung PIGLER, A. : Bratislavská primaciálna
záhrada. Slovenský denník, 8, 1925, Nr. 253.

4 PIGLER, A., Slovenský denník, 8, 1925, Nr. 254.
5 BEL, M. : Notifia Flungariae novae historica geogra-
phica. Vienna 1753.
6 BEL, M„ z. W. 606.
7 PIGLER, A., Slovenský denník, 8, 1925, Nr. 253.
8THIEME, U. — BECKER, F.: Allgemeines Lexikon
der bildenden Künstler. B. 37. Leipzig 1907—1950. Kenn-
wort Lippay.
9 MARIÁNIOVÁ, M. : Baroková plastika v Bratislavě.
Bratislava, 5, 18 und 74.
10 Müvészeti lexikon. Budapest 1962. Kennwort Lippay.
11 GÜNTHEROVÂ-MAYEROVÂ, A. — STEINHÜBEL,
G.: Prehfad vývoja sadovníctva na Slovensku. Vlastivědný
časopis, 14, 1965, s. 105.
12 RAPAICS, R. : Magyar kertek. Budapest 1940.
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