Ars: časopis Ústavu Dejín Umenia Slovenskej Akadémie Vied — 1991

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Milan Michal Harminc: Evangelische Kirche in der Legionářská
Strasse, 1929—30. Foto T. Leixnerová


fortschrittlicher Anregungen aus der zeitgenössi-
scher Entwicklung nicht. Seinem komplexen schöp-
ferischen Zugang entspricht folgerichtig die Sach-
bezogenheit der Raumdisposition und des ange-
messenen architektonischen Ausdrucks. Das all-
mählige Ersetzen des Ornaments durch die gestalte-
rische Gültigkeit der Stoffqualität der architektoni-
schen Volumen bezeichnet diese spätere Phase sei-
nes Schaffens. Nach wie vor macht sich auch der
für Jurkovič bezeichnende Respekt gegenüber dem
umgebenden Milieu geltend (wie etwa im Sanatori-
um Dr. Koch aus dem Jahre 1928, das er gemein-
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sam mit den Architekten J. Merganc und V. Klimeš
projektierte).
Historisierende bzw. klassizisierende Elemente
sind in den Werken von Milan HARMINC
(1869—1964) oft festzustellen, der in den Bauge-
werken wie im Atelier von Prof. Schikedanz in
Budapest geschult wurde. In Bratislava ist sein
Wirken mit dem Gebäude der Tatrabank (aus dem
Jahre 1922) und dem Landwirtschafts-, dem jetzi-
gen Nationalmuseur (aus den Jahren 1924—27)
verbunden, wie auch mit dem Umbau des Hotels
Carlton-Savoy (aus den Jahren 1929—30). Von den
Bauten ausserhalb Bratislavas sei an das Sanato-
rium Dr. Szontágh in Nový Smokovec (in der Ho-
hen Tatra aus den Jahren 1915^—25) erinnert, des-
sen Raumdisposition sich nach den neuesten medi-
zinischen Erkenntnissen6 bei Wahrung traditionel-
ler architektonischer Ausdrucksmittel richtet.
Harmincs Schaffensmethode lässt sich als eklek-
tizistisch charakterisieren, bedingt durch die Fähig-
keit, verschiedenartige Elemente traditioneller Ar-
chitektur mit den progressiven Bestrebungen der
Epoche zu verbinden. Die immanente Spannug die-
ser Synthese wahrt er auch dort, wo er formal
ausgeprägter zu Anregungen der Moderne neigt
(etwa die evangelische Kirche in der Legionářská
Strasse aus den Jahren 1929—30).
Auf der spannungsreichen Beziehung zwischen
traditionellen und neuen Elementen beruhen auch
die Werke weiterer Architekten:
An erster Stelle erinnern wir an Artúr SZALAT-
NAI-SLATINSKÝ (1891—1962). Er studierte an
der Technischen Hochschule in Budapest. Seine
Werke sind durch die Ausgewogenheit einfacher
Architekturformen in Verbindung mit sparsamem
historisierendem Dekor, das sich dem Sinn der
Bauaufgabe unterordnet, gegennzeichnet (zum
Beispiel die Synagoge in der Heydukova Strasse aus
dem Jahre 1923). Einige seiner weiteren Werke
verraten eine starke Resonanz kubistischer Expres-
sivität (wie das Haus Kempný in der Radlinský
Strasse oder der nicht realisierte Entwurf für ein
Teehaus am Donauufer, beide um 1924). Zuneh-
mend deutlicher neigt er zu einer vom Dekor gerei-
nigten elementaren Form, deren architektonische
Wirkung auf der Reinheit der Grundform, der Aus-
gewogenheit der Proportionen und der Faktur des a
Materials beruht (zum Beispiel das Eckhaus in derS
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