Ars: časopis Ústavu Dejín Umenia Slovenskej Akadémie Vied — 1991

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Alois Balán, Jiří Grossmann: Gebäude Umělecká beseda sloven-
ská, 1925. Repro T. Leixnerová

Heydukova Strasse aus den Jahren 1922—23 und
andere) oder das Anatomische Institut der Univer-
sität (in der Sasinkova Strasse aus den Jahren
1924—25), das der Architekturtheoretiker Š.
Šlachta als „Beispiel eines allmähligen Übergangs
von der rondokubistischen Architektur zum funk-
tionalen Plastizismus bis robusten Konstruktivis-
mus“ charakterisiert.7 Die Folgen dieses Wandels
belegen Šilingers weitere Bauten in Bratislava —
zum Beispiel das Internat Lafranconi (aus dem
Jahre 1927), wo er den gestalterischen Effekt ver-
schiedener Baumaterialen (bzw. deren Oberfläch-
enstrukturen) ausnutzt. Nach wie vor macht sich
bei ihm ein starkes plastisches Empfinden für Bau-
volumen und die Spannung zwischen positiver und
negativer architektonischer Form geltend, wie auch
für bedeutungsakzentuierende architektonische
Elemente (zum Beispiel Portale) — so zu sehen am
Gewerbehaus (Živnodom aus dem Jahre 1928).
Kotěras Schüler (nach vorhergehendem Stu-
dium bei Josip Plečnik) war auch Jindřich MER-
GANC (1889—1974), dessen Schaffen am Anfang

einen verhältnismässig vielfältigen Charakter hat-
te: er kokettierte mit der volkstümlichen Ornam-
enttradition (Projekt von „žudro“ — einer über-
wölbten Vorhalle für die Villa J. Votrubas aus dem
Jahre 1921), mit modischen dekorativen Elementen
des Rondokubismus (Miethaus aus dem Jahre
1922) und mit der expressiven Ausdrucksweise, die
der Architektur Deutschlands nahestand (Miet-
haus in der Klemensova Strasse aus dem Jahre
1923) . Unter der dekorativen oder expressivisti-
schen Oberfläche ist jedoch die Präsenz der sachli-
chen und konstruktiven Haltung zu spüren, die
man dem Gebäude des ehemaligen Rentenamtes
(heute Slowakische Akademie der Wissenschaften
in der Štefánik Strasse aus den Jahren 1925—27)
nicht absprechen kann, und die durch modernisti-
sche Transformation eines traditionellen Portikus-
motivs belegt wird. Die umfassende Anwendung
dieser Haltung veranschaulicht das schon erwähnte
Sanatoriumsgebäude Dr. Koch (aus dem Jahre
1928, mit D. Jurkovič und V. Klimeš gemeinsam
projektiert).

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