Matz, Friedrich [Hrsg.]; Andreae, Bernard [Hrsg.]; Robert, Carl [Hrsg.]
Die antiken Sarkophagreliefs (2): Mythologische Cyklen — Berlin, 1890

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TROISCHER KREIS

Litteratur: Winckelmann Werke IV S. 1065 Heyne Das ver-
meinte Grabmal Homers S. 27; Levezow Familie des Lycomedes
S. 13; Zoega App. Fol. 240 (vgl. Welcker's Zeitschrift zur Ge-
schichte und Auslegung der alten Kunst S. 424 Nr. 3); Raoul
Rochette a. a. O. p. 69— 71; Inghirami a. a. O. Up. 125; Be-
schreibung Roms III 3, 1842, S. 624; O. Jahn Archäologische Bei-
träge S. 353 A. 6 (D); Overbeck Bildwerke zum thebischen und
troischen Heldenkreis S. 289 Nr. 6; Matz und v. Duhn Antike
Bildwerke in Rom II S. 450 Nr. 3345.

Achilles mit langem wallendem Haar und im Frauen-
chiton, der ihm von der rechten Schulter herabgleitet und
aus dessen Schlitz das rechte Bein nackt hervortritt, springt
empor, mit dem linken Fuss auf eine Erhöhung tretend; am
linken Arm schwingt er den Schild, die rechte Hand hielt
die Lanze, von der ein kleiner Rest, unter dem Fuss des
fliegenden Amor, erhalten ist. Vor ihm steht am Boden ein
korinthischer Helm mit Busch; daneben liegt, auffallend klein
gebildet, ein umgestürzter Wollkorb. Deidamia im Chiton
und bogenförmig flatternden Mantel wirft sich ihm zu Füssen,
die Linke gesenkt, die Rechte bittend erhoben, vgl. 27.
Auf sie zu flattert ein Amor, der wohl ursprünglich mit
der Linken auf sie hinwies; ein zweiter Amor steht zwi-
schen ihr und Achilles, mit der Linken ihr Knie berüh-
rend (?), die Rechte nach Achilles ausstreckend, dem er
auch das Gesicht zuwendet; offenbar wollen beide Amoren
das Flehen der Deidamia unterstützen. Neben der rechten
Schulter des Achilles wird im Hintergrund der Kopf einer
älteren (?), in einen Mantel gehüllten Frau sichtbar, welche
die rechte Hand an die Hüfte des Achilles legt. Ver-
muthlich ist es die Amme. Von links und rechts eilen

im Chiton mit Ueberschlag und bogenförmig flatternden
Mantel wenden gleichfalls den Kopf der Mitte zu; die eine
fasst mit der erhobenen Rechten den Mantel und hält in
der gesenkten Linken ein Saiteninstru-
ment, die andere hebt die Rechte mit
der Geberde des Erstaunens und fasst
mit der gesenkten Linken den Mantel.
In der rechten Seitengruppe zunächst
Ulixes ohne Pileus und mit wilderem
Haar- und Bartwuchs, als sonst, in
Exomis, Mantel, der um den linken

aus einem pomp. bild

Arm geschlungen ihm im Rücken flat-
tert, und Stiefeln; er hält in der Linken die Lanze und
macht nach rechts zurückeilend mit der Rechten eine Be-
wegung gegen seine Genossen, wie auf 29, um seine Be-
friedigung über das Gelingen der List auszudrücken; dann
der Bläser im Helm, Panzer und Paludamcntum, die Linke
an den Hinterkopf legend; endlich Diomedes in etwas
vorgebeugter Haltung, am linken Arm den Schild, mit der
Rechten das Schwert aus der Scheide ziehend (in atto di
cavare la spada dal fodero Zoega). Am Boden liegt ein
Panzer.

Haar- und Barttracht der Männer ist die der Anto-
ninenzeit.

34) P. Woburn Abbey (Bedfordshire) Fig. 34.
Sehr hohes Relief. L. 1,89. H. 0,90. Zeichnung von Eich-
ler 1873.

Im 16. Jahrh. in Rom auf der Treppe von S. Maria in

Araceli eingemauert. Pirro Ligorio De luogbi Helle sepulture Helle
zwei Mädchen im Chiton mit gegürtetem Ueberschlag und famegli nmme gt degli hmmhü l550__155h Co(l Neap.

bogenförmig flatterndem Mantel auf Achilles zu , die links XIII B IO (herausgegeb. v. H. Dessau Römische Reliefs beschr.

mit der Rechten seinen Arm berührend, wie um ihn zurück- v, P. Ligorio, in den Sitzungsberichten der königlich preussischen

Akademie der Wissenschaften zu Berlin 1883 S. 1089) Nr. 16:

Nelle sponHe He graHi che montano alla ebiesa Hi Santa Maria in

Araceli posta sul Capitoglio.....Di Acbille et Hi Ulysse etc.; vgl.

zuhalten, die rechts den linken Arm vorgestreckt, mit der
Rechten den Mantel fassend, den Kopf nach den Achaeern
hin zurückgewendet, vor denen sie sich zu flüchten scheint,

vgl. die ähnliche Figur auf 28. An diese fünf die Mittel- Aldroandi Le statue Hi Roma 1558/». 276: Ne la scala Hella ebiesa Hi

gruppe bildenden Figuren schliessen sich links drei weitere, Araceli si ueggono attaccate per le mura Helle sue sponHe, Ha otto tauole

nach der Ecke hin fliehende Töchter des Lycomedes, marmoreecon uarie,ebellescolture anticbes¥o<zzoWim>soRXVWVol. 75

rechts die drei Achaeer an. Von den Mädchen trägt die »Araceli." Später kam das Relief, um die linke Eckfigur verkürzt

mittlere, die dem Beschauer den Rücken zukehrt, einfachen und im Ganzcn nicht Libel a?mt> in die Villa Aldobrandini

. , .. „. . j • n-- 1 (di Bclvcdere) nach Frascati. Der Zeitpunkt dieser Ueberführune

hochgegurteten Chiton und einen kleinen vom Rucken v „

herabgleitenden Mantel; den Kopf der Mitte zuwendend,

wird dadurch annähernd bestimmt, dass die für Pozzo angefertigte

Zeichnung Windsor III Fol. 11 (spätestens aus dem fahre 1656)
erhebt sie erschreckt beide Arme; vgl. die ähnliche higur , . , , ,

° u die Platte bereits ohne die linke Eckfigur und mit den gegenwar-

auf dem pompejanischen Mosaik (abgeb. bei Raoul Rochette
Cboix de peintures pl. 22) und dem 1877 gefundenen pom-
pejanischen Bild (Mau Bullcttino dcW histituto 1879^. 51 nr-

tigen Ergänzungen zeigt. Unter den von Casimiro da Roma Me-
morie Hella ebiesa Hi Araceli 17^6 p. 28 auf der Treppe erwähnten
Reliefs findet es sich in der That nicht mehr. Im Jahre 1815

Sogliano Le pitture murali p. 190 nr. 572; abgeb. Genethhacon erwarb es John Russell Herzog von Bedford für seinen Landsitz

Gottingense 1888 tab. I, vgl. Graeven a. a. O. p. 113; danach die -m ^0bUrn Abbey. It was not without mueb Hifficulty that tbe Huke

erwähnte Figur in nachstehender Abbildung), die im Ueb- 0y~ BeHforH obtaineH permission from tbe Papal Government to remove

rigen einen von dem Sarkophag ganz abweichenden Typus this anH some otber ancient sculpture to England Hunt in den

der Darstellung repräsentiren; die beiden anderen Mädchen j Engravings.
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