Matz, Friedrich [Hrsg.]; Andreae, Bernard [Hrsg.]; Robert, Carl [Hrsg.]
Die antiken Sarkophagreliefs (2): Mythologische Cyklen — Berlin, 1890

Seite: 171
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ORESTES Tafel LIV. LV

unten in einen Pfeiler auslaufende Dianabild, dessen Kopf
abgebrochen ist. Die rechte Hand mit dem Redegestus
erhebend, wendet sie sich nach Orestes und Pylades
um, die mit rückwärts gefesselten Händen hinter ihr her
schreiten. Euripides Iph. T. V. 1204 osajud toi; tsvoiai Ttpond-ec.
Beide tragen, wie in der ersten Scene, die Chlamys, die
hier bei Pylades nur auf der linken Schulter aufliegt.
Den Zug schliesst der scythische Wächter in derselben
Tracht, wie in der ersten Scene, nur ohne Schild. Rechts
steht in Vorderansicht der zurückbleibende Thoas, mit
wallendem Haupt- und kurzgeschnittenem Barthaar, in der
Bühnentracht der Könige, langem Aermelchiton, Mantel
und Schuhen, in der Linken ein grosses Scepter.

Es folgt durch einen auf canellirtem Pfeiler ruhenden
Bogen getrennt die dritte Scene, der Kampf am Meere,
Euripides Iphigen. Taur. V. 1327—1410. Ganz rechts er-
blickt man auf Meereswellen das Hintertheil vom Schiff
des Orestes mit Steuerruder und angelegter Leiter.
Iph igenia in einen langen Mantel gehüllt, der auch den
Kopf vollständig bedeckt, mit beiden Händen das Idol
vor sich haltend, steht bereits im Schiff; rechts neben ihr
ein Gefährte des Orestes, der einen Chiton mit kurzen
Aermeln trägt. Die Schiffstreppe hinauf stürmt Orestes,
*n der erhobenen Rechten das gezückte Schwert. Am

Land deckt Pylades die Einschiffung, indem er das
Schwert gegen zwei bärtige Scythen erhebt. Beide
Freunde tragen eine im Rücken flatternde Chlamys. Von
den beiden Scythen ist der eine rückwärts zu Boden
gesunken, der andere deckt ihn mit erhobenem Schild.
Ihre Tracht ist dieselbe, wie bei dem Wächter in den vor-
hergehenden Scenen, nur trägt der Gefallene kürzere
Aermel. Beide halten in der Rechten das gezückte Schwert,
in der Linken den Schild, der bei dem Gefallenen von
ovaler, bei dem Stehenden von sechseckiger Form ist.
Die drei Figuren dieser Kampfscene kehren sehr ähnlich
auf der linken Schmalseite eines Sarkophags mit Schlacht-
darstellungen aus der Vita communis in dem Kloster
St. Trinita in La Cava wieder, s. Band I dieses Werks.

Als Eckmasken sind im Anschluss an die Darstellun-
gen des Deckels die Köpfe jugendlicher Scythen mit
phrygischcr Mütze und gedrehten Locken verwandt. In
den Giebeln der Schmalseiten Fig. 155a. Fig. 155b ist mit
Beziehung auf die Darstellungen am Sarkophagkasten das
Attribut der Furien, eine brennende Fackel, angebracht.

An beiden Schmalseiten bemerkt man die Klammer-
löcher; an der linken ist auch noch die Klammer selbst
erhalten.

Arbeit aus der ersten Hälfte des zweiten Jahrhunderts.

Tafel LV

156) S. auseinandergesägt. Rom, Pal. Giustiniani, Mittelscene, den Orestes und die Furie aus der rechten Eckscene,
die Vorderseite im Hof, die beiden aneinandergefügten vgl. Beschreibung der Stadt Rom II 1 S. 304; von Pulczky Bei-
Schmalseiten in dem nach Via Giustiniani führenden träge zu Raphael's Studium der Antike S. 27. Auch der Wiener
Seitenportal eingemauert. Fig. 156. Fig. 156 a. Fig. 156 b. Cameo (abgcb. Eckhel Choix de pierres grav'ees du Cabinet de tEm-
L. der Vorderseite 2,25, der Schmalseiten 0,64. H der Pereur ä Vieme Pl> 2°> Arneth Monumente des K. K. Münz- und
Vorderseite 0,6-5, der Schmalseiten 0,62. Zeichnung von Antiken-Cabinettes 1849 Taf. 19 Nr. 11) scheint nach diesem
Eichler 1876-. Sarkophag gefälscht zu sein.

Der schon von Raphael benutzte Sarkophag stand im sechs- Abbildungen: Galleria Giustiniana 1631 II tav. 130 Vor-

zchnten Jahrhundert vor der Kirche San Stefano del Cacco; derseite. tav. 132 beide Schmalseiten rechts noch vollständig,

G- Fabricius Roma 1550p. 177: seruilium suppliciorum (simulaebrd), s' diese ?^ieen Fig. i56'a. Fig. 156'b. — Bartoli Admiranda

quibus alii capite plectuntur, aliis brachium saxo impositum al'to Romanarum antiquitatum 1693 tav- 52 die Vorderseite. Danach

saxo frangitur, in S. Maria in ara coeli (s. 158) et ante aedem Montfaucon VAntiquit'e expliqu'ee et represent'ee en figures IV Suppl.

S- Stepbani de Cacabo, in regione Pineae. In den Besitz der :724 P1' l5> ~ Einzelne Gruppen und Figuren Barbault Les plus

giustiniani muss er zwischen 1628 und 1630 gekommen sein. beaux Monuments de Rome ancienne 1761 pl. 14. pl. 18. pl. 48;

N°ch 1Ö93 scheint er vollständig erhalten gewesen zu sein. Duks. Monumens antiques 1783^/. 56 fig. 3. — Die beiden Schmal-

Vcmluthlich wurde er erst im achtzehnten Jahrhundert, jedesfalls seiten in ihrcr jetzigen Zusammenstellung Michaelis Das Corsinische

Vor Winckelmann's Zeit, zersägt und zur Decoration des Hofes
Ur>d des Eingangs verwandt.

Silbergefäss 1859 Taf. 2 Nr. 2.

Litteratur: Fabricius a. a. O.; Cassiano dal Pozzo Diario

Alte Zeichnungen: Pighianus Fol. 252 Nr. 204 die Vor- 1639 in der Bibl. Nazionale zu Neapel Cod. Ms.V.E. 10 heraus-

derseite, wohl Copie nach einer verlorenen Coburgensis-Zeichnung; gegeben von Th. Schreiber Unedirte römische Fundberichte (Be-

P°zzo Windsor II Fol. 21 (o. N.) Vorder- und Schmalseiten. richte über die Verhandlungen der königlich sächsischen Gesellschaft

phael hat in den Loggien mehrere Figuren dieses Sarkophags der Wissenschaften zu Leipzig 1885) S. 111 unter Nr. 545 Bellori

Verwandt, die kauernde Furie aus der linken Eckscene, den Py- bei Bartoli a. a. O.; Montfaucon a. a. O. p. 30; Winckelmann

ade« und Aegisth und den Sklaven mit dem Schemel aus der j Werke, Dresd. Ausg., III S. XXX. IV S. 149. VI, 1 S. 205; Ders.
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