Matz, Friedrich [Hrsg.]; Andreae, Bernard [Hrsg.]; Robert, Carl [Hrsg.]
Die antiken Sarkophagreliefs (2): Mythologische Cyklen — Berlin, 1890

Seite: 183
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ORESTES Tafel LVII. LVIII

häuptig, wie 167, und scheint, wie 169, in der erhobenen
Rechten eine Lanze zu schwingen. Der die SchifFstreppe
hinaufeilende Orestes trägt liier denselben Rundschild,
wie Pylades, und wendet das Gesicht dem Beschauer zu.
Iphigenia, in derselben Haltung, wie auf 167, und, wie
dort, verschleiert und ohne das Idol, wird von einem
bärtigen, mit der Exomis bekleideten Genossen des
Orestes, der ihre Linke mit beiden Händen gefasst hält,
weniger gewaltsam als auf 167, ins Schiff geführt.

Am rechten Ende neben der vertikalen Randleiste
ist noch ein kleiner, aber unverkennbarer Rest der Eck-
maske erhalten.

Arbeit aus der Mitte des zweiten Jahrhunderts.

171) F. Venedig, Pal. Grimani a S. Maria For-
mosa im Hofe, in das Postament der Augustusstatue ein-
gelassen. Fig. 171. L. 0,41. H. 0,69. Relieferhebung 0,08.
„Schlecht erhalten, mehrfach ergänzt, links und oben ab-
gesägt" Dütschke. Zeichnung von Eichler 1878.

Der Hauptbestandteil der Sammlung Grimani ist theils im

Anfang des sechszehnten Jahrhunderts von Domenico Grimani in
Rom, theils in der Mitte und der zweiten Hälfte desselben Jahr-
hunderts von Marino und Giovanni Grimani in Aquiieia erworben
worden, Valentinelli Marml scolpiti del Museo archeologico della
Marciana di Venezia p. VII—XL Für dieses Fragment ist seinem
Stil nach die Provenienz aus Aquiieia wahrscheinlicher.

Litteratur: W. F. Rinck Kunst-Blatt 1828 Nr. 43 S. 170;
Heydemann Mittheilungen aus den Antikensammlungcn in Ober-
und Mittelitalien (Drittes Hallisches Winckelmannsprogramm) 1879
S. 18 Nr. 4; Dütschke Antike Bildwerke in Oberitalien V 18 8 z
S. 145 Nr. 375.

Wahrscheinlich von der Vorderseite eines griechisch-
römischen Sarkophags, wie 24. 25. 26. 47. 62. 72. 164. Das
Bruchstück gehört zu der den Gang zum Meer oder
die Abholung des Bildes darstellenden Scene, vgl. die
Mittelscene am Deckel von 155, die linke Eckscene von
167. 168. 170 und die Schmalseite 157 b. Erhalten sind die
Figuren des Pylades und des scythischen Wächters,
der hier ohne Waffen sowie ohne phrygische Mütze und
Anaxyriden, nur mit Aermelchiton, Mantel und Sandalen
bekleidet erscheint.

b) zweite gruppe

Tafel LVIII

172) P. Weimar, Schloss im Goethesaal. Fig. 172.
Die wenigen sicheren Ergänzungen rühren von Rathgeber
in Gotha her. L. 2,08. H. 0,63. Zeichnung von Eichler 1885.

Früher Venedig in Palazzo Grimani a S. Maria For-
mosa neben 177 über der Thür des Saales mit der berühmten
von Giovanni da Udine (gest. 1564) gemalten Decke eingemauert.
Vermuthlich von Domenico Grimani in Rom erworben. 1831
gelangte die Platte zusammen mit 177 in den Besitz des venezia-
nischen Kunsthändlers Antonio Sanquirico, von dem der regie-
rende Grossherzog Karl Alexander von Sachsen-Weimar als Erb-
grossherzog auf seiner italienischen Reise 1834—:^3 5 beide
Sarkophagplatten erwarb.

Abbildungen: Millin L'Oresteide ou Description de deux bas-
reliefs du Palais Grimani a Venise 1817 pl. 4. Danach Overbeck
Bildwerke zum thebischen und troischen Heldenkreis, Atlas, 1857
Tai. 30 Nr. z. — A. Sanqiiirico Monumenti del Museo Grimani
pubblicati nel( anno iSji tav. 26. — Preller Berichte über die
Verhandlungen der königlich sächsischen Gesellschaft der Wissen-
schaften zu Leipzig II 1850 Taf. 7 B.

Litteratur: Zoega App. Antichita del palazzo Grimani Spago
(Agosto 178t/) nr. 17 (vgl. Welcker Die Griechischen Tragödien
Hl 1841 S. 1170); Moschini Guida per la citta di Venezia 18 15 I
P- ^08; Millin a. a. O. p. 16; Göttinger gelehrte Anzeigen 1817
^k HI S. 1907; Thiersch, Schorn, Gerhard und Klenze Reisen
ln Italien seit 182z, 1826, S. 257; F. W. Rinck Kunst-Blatt
•828 Nr. 43 S. 169; K. O. Müller Handbuch der Archäologie der

Kunst 1830 S. 578 (3. Aufl. von Welcker 1848 S. 719) % 416, 2;
Sanquirico a. a. O.; Raoul Rochette Monumens in'edits 1827 bis
1833 P- 2°°; Rathgeber Orestes a. a. O. S. 1 23; Welcker Rhei-
nisches Museum IV 1836 S. 607 (== Die Griechischen Tragödien
III 18 41 S. 117 o) Nr. II; Grifi Atti della Pontificia Accademia
Romana di archeologia X 1842 p. 323 «. 4; Urlichs Jahrbücher
des Vereins von Alterthumsfreunden in den Rheinlanden I 1842
S. 64 Nr. z; Preller a. a. O. S. 241. S. Z48; Overbeck a. a. O.
S. 731 Nr. 81; Helbig Annali dell' Instituto XXXVII 1865 p. 340;
Ders. Untersuchungen über die campanische Wandmalerei 1873
S. 149; Sogliano Giornalc degli seavi di Pompei, nuova serie, III
1875 P- 151; Robert Archäologische Zeitung XXXIII 1875
S. 138 c; M. Jacobson De fabulis ad Iphigeniam pertinentibus
(Diss. inaug. Regimont.) 1888 p. 41.

Die Darstellung zerfällt wieder in drei Scenen, die in
derselben Weise, wie bei der ersten Gruppe, aufeinander
folgen, zuerst die Mittelscene, Vorführung des Orestes
und Pylades, dann die linke Eckscene, Wiedererken-
nung der Geschwister, endlich die rechte Eckscene,
Kampf am Ufer und Flucht aufs Schiff.

In der Mittelscene erblickt man auf hoher säulenartiger
Basis die in Vorderansicht gestellte Statue der Diana, die
hier als Jägerin gebildet ist; sie trägt den kurzen ärmel-
losen Chiton mit gegürtetem Ueberschlag und hohe Jagd-
stiefel; in der vorgestreckten Linken hielt sie den Bogen,
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