Matz, Friedrich [Hrsg.]; Andreae, Bernard [Hrsg.]; Robert, Carl [Hrsg.]
Die antiken Sarkophagreliefs (2): Mythologische Cyklen — Berlin, 1890

Seite: 186
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TROISCHER KREIS

bei der Hand. Im Schiff werden noch die Oberkörper
von zwei sehr klein gebildeten Ruderern sichtbar. Die
von mir Archäologische Zeitung XXXIII 1875 S. 138 ge-
äusserte Vermuthung, dass 176 die rechte Schmalseite von
178 sei, ist irrig.

Die Zugehörigkeit von 176 a zu 176 wird von Conze,
Heydemann und Dütschke, die übrigens auch 176 für eine
Schmalseite halten, behauptet. Dargestellt ist ein auf einem
Felsen sitzender Jüngling, der mit einer langen, auf der
rechten Schulter gehefteten Chlamys und einer phrygischen
Mütze bekleidet ist, und in der vorgestreckten Linken
eine Patera umbilicata hält, während er die Rechte auf sei-
nen Sitz stützt. Rechts steht ein mit kugelförmigem Auf-

satz versehener Dreifuss, um dessen nicht sichtbare Mittel-
stütze sich eine Schlange ringelt, die ihren Kopf nach der
Schale ausstreckt. Im Hintergrund ein Oelbaum und links
von dem Jüngling eine Säule mit einer Vase. Die Deu-
tung auf Apollo ist durch die phrygische Mütze aus-
geschlossen; eher würde man an einen der asiatischen
Lieblinge dieses Gottes denken dürfen, etwa an Branchus.
Eine Beziehung der Darstellung zu dem Iphigeniamythus
vermag ich nicht zu finden, und da sie überdiess unter
den Sarkophagdarstellungen ganz vereinzelt ist, darf viel-
leicht an der Zugehörigkeit von 176 a zu 176 ein Zweifel
geäussert und die Frage aufgeworfen werden, ob es nicht
vielmehr ein decoratives Wandrelief oder ein Votivrelief ist.

c) dritte gruppe

Tafel LIX

177) P. Berlin, Museum. Fig. 177. Unbedeutend
ergänzt. L. 2,34. H. 0,05. Relieferhebung 0,07. Zeich-
nung von Eichler 1877.

Gefunden 1828 zwischen Ostia und Castel Fusano nahe
beim Meere bei den von Cartoni und Tonelli unternommenen
Ausgrabungen. Von Tonelli wurde die Platte 1830 durch Bunsen's
Vcrmittelung für das Berliner Museum erworben.

Abbildungen: Archäologische Zeitung II 1844 Taf. 22.
Danach Overbeck Die Bildwerke zum thebischen und troischen
Heldenkreis 1857 Taf. 30 Nr. 3. — Illustrirter Katalog der an-
tiken Skulpturen des königlichen Museums zu Berlin 1890 Nr. 845.

Litteratur: Gerhard Bullettino delt Insthuto 182p p. 216;
Ders. ebenda 1830 p. 262; Tieck Verzeichniss der antiken Bild-
hauerwerke des Königlichen Museums zu Berlin 1834 ^. z^
Nr. 171; Welcker Rheinisches Museum IV 1836 S. 610 (= Die
Griechischen Tragödien III 1841 S. 1170) III Nr. 2; Gerhard
Berlin's antike Bildwerke 1836 S. 101 Nr. 171; Urlichs Jahr-
bücher des Vereins von Alterthumsfreunden in den Rheinlanden I
1842 S. 64 Nr. 3; O. Jahn Archäologische Zeitung II 1844 S. 367;
Preller Berichte über die Verhandlungen der königlich sächsischen
Gesellschaft der Wissenschaften zu Leipzig II 1850 S. 248; Over-
beck a. a. O. S. 729 Nr. 785 Helbig Annali delt Institute) XXXVII
1865 P- 3 37' Dilthey ebenda XLI 1869 p. 38 n. 1; Helbig
Untersuchungen über die campanische Wandmalerei 1873 S. 151;
Sogliano Giornale degli seavi di Pompci, nuova serie, III 1875
p. 151; Robert Archäologische Zeitung XXXIII 1875 S. 138 b;
Verzeichniss der antiken Skulpturen des Berliner Museums 1885
S, 159 Nr. 845 ; M. Jacobson De fabulis ad Ipbigeniam pertinentibus
(Diss. inaug. Regimont.') 1888 p. 41; Illustrirter Katalog der an-
tiken Skulpturen des königlichen Museums zu Berlin 1890 a. a. O.

Die drei Scenen, in die sich die Darstellung der
Vorderseite gliedert, schliessen sich in derselben Reihen-
folge aneinander an, wie bei der ersten und zweiten j

Gruppe, zuerst die Mittelscene, Abschied des Pylades
von Orestes, dann die linke Eckscene, Wiedererken-
nung der Geschwister, endlich die rechte Eckscene,
Iphigenia die Einwilligung des Thoas zu dem
Gang nach dem Meere erwirkend.

In der Mittelscene sitzt Orestes in tiefer Traurigkeit
auf einem Steinsitz. Als ein dem Tode Geweihter hat er
den Mantel über das Haupt gezogen, das er mit der er-
hobenen rechten Hand berührt; die Linke ruht im Schoss.
Vor ihm steht Pylades, in der Linken den Wanderstab,
den rechten Arm auf einen Pfeiler gestützt und die Stirn
an die rechte Hand gelehnt; die Chlamys ist als Unter-
lage unter die rechte Achsel emporgezogen und fällt dann
über den rechten Oberschenkel herab. Hinter Orestes
steht der bärtige Befehlshaber der scythischen Wache, in
römischer Rüstung, die aus Panzer, Chlamys und
Stiefeln besteht, mit der Linken einen Speer schulternd,
in der gesenkten Rechten ein in der Scheide steckendes
Schwert haltend. Rechts von ihm im Hintergrund steht in
Vorderansicht ein bärtiger scythischer Wächter, mit phry-
gischer Mütze und auf der rechten Schulter gehefteter
Chlamys, die erhobene Rechte auf einen Speer gestützt.
Dargestellt ist der Moment, wo Pylades nach heftigem
Widerstreben einwilligt, als Träger des Briefs der Iphigenia
in die Heimath zurückzukehren, während Orestes bleiben
und den Tod erdulden will, Euripides Iphig. Taur. V. 657
bis 724. Die Gruppe der beiden Freunde kehrt, nur nach
der anderen Seite gewandt, auf einem Onyxcameo aus der
Sammlung Blacas (abgeb. Winckelmann Monumenti antkhi
inediti II nr. 129; danach Overbeck a. a. O. Taf. 30 Nr. 5),
die Figur des Orestes allein, ebenfalls nach links gewandt,
auf etruskischen Urnen wieder (Brunn / rilievi dcllc Urne
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