Matz, Friedrich [Hrsg.]; Andreae, Bernard [Hrsg.]; Robert, Carl [Hrsg.]
Die antiken Sarkophagreliefs (2): Mythologische Cyklen — Berlin, 1890

Seite: 203
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I A S O N Tafel LXI

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lieh Früchte (vgl. die rechte Eckscene) hinabwirft. Wäh-
rend die Schlange den Kopf nach diesem Opfer hinabreckt,
ergreift Iason das Vliess. Medea trägt einen gegürteten
ärmellosen Chiton und einen Mantel, der sich wie auf
188 bogenförmig über ihrem Haupt wölbt. Im Haar hat
sie einen Kranz, wie es scheint, von Fichtenzweigen.

Die rechts folgende letzte Scene, die Vermählung
des Iason mit Creusa, deutet in kühner Zusammen-
fassung den tragischen Ausgang des Mythus an. An der
rechten Ecke steht Iason; die Zeichnung lässt noch er-
kennen, dass die Figur zum Theil auf die rechte Schmal-
seite übergriff. Er trägt, wie in der rechten Eckscene
von 189, Panzer und Stiefel; der Mantel ist über den
linken Unterarm geworfen; das Haar schmückt eine ge-
drehte Binde. In der Linken hält er das in der Scheide
steckende Schwert; in der Rechten eine Patera umbilicata,
aus der er in die Flamme eines viereckigen bekränzten Altars
libirt. Vor ihm steht, zu ihm aufblickend, ein kleiner
Camillus in tiefgegürtetem Aermelchiton, auf beiden
Händen das Cumerum,1) einen flachen geflochtenen Teller
mit Früchten, haltend, unter denen man eine Granate und
einen Pinienapfel erkennt. Dem Iason gegenüber steht
Creusa, mit der Linken das Flammeum unter dem Kinn
zusammenhaltend, zwischen beiden Iuno pronuba mit
Diadem und im Chiton, aber ohne Schleier. Von links
naht eiligen Schritts Medea, bekleidet mit tief gegürtetem
ärmellosem Chiton und einem wallenden Mantel, den sie
mit der gesenkten Rechten fasst; im Haar trägt sie eine
Binde. In der linken Hand hält sie das in der Scheide
steckende Schwert. Sie sinnt bereits auf die Ermordung
der Kinder, die hinter ihr herlaufen, während sie den
Kopf nach ihnen zurückwendet.

Wahrscheinlich Arbeit der Antoninenzeit, vgl. 33. 34. 43.

igi) F. verschollen (?), im sechszehnten Jahrhun-
dert in Rom.

Zu Aldroandi's Zeit im Hause des Giacomo Colotio hinter
S. Maria in via, über der Küchenthür eingemauert.

Litteratur: Aldroandi Le statue di Roma 1558 p. 285;
O. Jahn Archäologische Zeitung XXIV 1866 S. 236; Heydemann
Iason in Kolchis (Elftes Hallisches Winckclmannsprogramm) 1886
S. 7 G; L. von Urlichs Ein Medea-Sarkophag (Einundzwanzigstes
Programm des von wagner'schcn Kunstinstituts) 1888 S. 6 g.

3, In casa di M. Giacomo Colotio, dietro a S. Maria in

Ula......In una tauoletta marmorea murata su la porta

della eucina sono iscolpiti duo Tori legati in uno albero, &
domi a forza da un che tiene i loro capi a forza su in altocc.
Aldroandi a. a. O. Mit Recht erkennen Jahn, Heydemann
und Urlichs in dieser Beschreibung eine Replik der linken
Eckscene von 188. 189. 190. Vielleicht aber ist dies von

*) Festus p. so: Cumerum vas nuptialc a similitudine cumerarum,
luae fiunt palmeae vel sparteae ad usum populärem, sie appellatum.

Aldroandi gesehene Bruchstück kein anderes als das bei
de Cavaleriis Antiquarum statuarum libri IV III 1594
tav. 2 (danach Marchucci Antiquarum statuarum urbis Romae
icones 1623 I tav. 41) mit der Bezeichnung Hercules abgebil-
dete Relief, das sich damals In Musaeo Garimberti befand
und jetzt in das Postament einer Pallasstatue in Palazzo
Colon na eingelassen ist; s. Inventarium bonor. haeredit. cl.
mem. D. Philippi Magni Conestabilis Columnac a. 1714 in den
Documenti inediti per servire alla storia dei Musei dTtalia IV
1880 p. 391; Winckelmann Monumenti antichi inediti 1767 II
p. 122; Lambeck De Mercurii statua vulgo Iasonis habita 1861
p. 20 nr. 3; O. Jahn a. a. O. S. 234 E; Heydemann Berichte
über die Verhandlungen der königlich sächsischen Gesell-
schaft der Wissenschaften zu
Leipzig XXX 1878 2 Abth.
S. 122 Nr. 2; Ders. Iason in
Kolchis S. 6 D; Matz und ^
von Duhn Antike Bildwerke
in Rom 1881 II S. 364 Nr. 3160;
L. von Urlichs Ein Medea-
Sarkophag 1888 S. 6 e. Die

beistehendeTextabbildung nach ^^tJ^f^j/ 1 \jl^
einer Skizze von Eichler lässt

i o i (?) in pal. colonna

weder über den modernen

Ursprung des Stücks noch darüber, dass 190 die Vorlage
gewesen ist, einen Zweifel.

192) Schm. S. S. Rom, V. Ludovisi (17. 40), über
den beiden Eckfenstern des zweiten Zimmers eingemauert.
Fig ig2. Fig. 192a. 192 L. 0,6b. H. 0,60. Relieferhebung
0,015. 192 a L. 0,54. H. 0,60. Relieferhebung 0,015. Zeich-
nung von Eichler 1877.

Vielleicht sind diese beiden Reliefs dieselben, die früher in
die Piedestalle der beiden colossalen Sitzbilder des Apollon ein-
gelassen waren (Schreiber Die antiken Bildwerke der Villa Ludovisi
in Rom 1880 S. 86 Nr. 65. S. 137 Nr. 116); Inventario delle
Massaritie, quadrt, statue, ed altro, che sono alla Vigna dell' Ecc.'""
S. Pnpe di Venosa a Porta Pinciana rivisto questo di 28. Genn".
1633 aus dem Arch. Boncompagni-Ludovisi (Arm. IX Prot. 325 nr. 1)
publicirt von Th. Schreiber a. a. O. S. 28: Palazzo grande.
Prima loggia da basso. nr. 299. Due statue d'Apollo compagne . .
. . . sopra piedistalli di marmo historiati di basso rilievo. Die Rich-
tigkeit dieser Annahme vorausgesetzt, darf man weiter vermuthen,
dass sie, wie diese Statuen, zu der im Jahre 1622 von dem Car-
dinal Ludovico Ludovisi erworbenen Sammlung Ccsi gehören und
mit den Due pezzi di Bassi rilieui grandi des bei dem Verkauf
angefertigten Inventars (publicirt von Schreiber a. a. O. S. 27)
identisch sind. 192 wurde von Zoega 1799 alla libreria di Villa
Ludovisi d. h. in dem früher als Bibliothek dienenden Casino
gesehen, also vermuthlich schon an seinem gegenwärtigen Platz.

Abbildung von 192 a: Archäologische Zeitung XXIX 1871
Taf. 53a Fig. 2 (nach einer Zeichnung von Riepenhausen).

Litteratur: Zoega App. Fol. 94 Nr. 3. Fol. 94 b; Ders.
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