Robert, Carl [Hrsg.]; Matz, Friedrich [Hrsg.]; Andreae, Bernard [Hrsg.]; Robert, Carl [Hrsg.]
Die antiken Sarkophagreliefs (3,1): Einzelmythen: Actaeon - Hercules — Berlin, 1897

Seite: 7
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SARKOPHAG RINUCCINI, RECHTE HÄLFTE

B. ADONIS.

Der Berühmtheit des Mythos und seiner durchsichtigen
Symbolik entsprechend sind Darstellungen des Adonis auf
römischen Sarkophagen verhältnissmässig häutig. Die erhal-
tenen, die sämmtlich seinen Tod durch den Eber dar-
stellen, lassen sich in zwei Classen eintheilen. Für die
erste ältere Classe 3—11 kann es im allgemeinen als
charakteristisch gelten, dass die Verwundung des Adonis
die Mitte, der Auszug die rechte, die Pflege des Ver-
wundeten die linke Ecke einnimmt, so dass die Scenen von
rechts nach links aufeinander folgen. Einmal 5 ist die
rechte Eckscene wieder in zwei kleinere Scenen zerlegt.
Diese Classe gehört zusammen mit den Sarkophagen von
illustrirendem Charakter, wie denen mit Darstellungen aus
den Medea-, Orestes-, Oedipus-Mythen, und manche Be-
sonderheiten, wie der Hilfe suchende Landmann, recht-
fertigen die Annahme, dass hier eine poetische Behand-
lung benutzt ist, die sich freilich in der Litteratur bis
jetzt nicht hat nachweisen lassen. Für die zweite Classe
13—ig ist es charakteristisch, dass sie die Abschiedsscene
an die linke Ecke setzt und ihr den für die Hippolytus-
Sarkophage geschaffenen Typus zu Grunde legt (vgl. Kalk-
mann, Archäologische Zeitung XLI, 1883, S. 110), und weiter,
dass in der sonst mit der ersten Classe übereinstimmenden
Verwundungsscene Venus und mehrere Amoren gegenw ärtig
•sind. Die Darstellung enthält bald, wie die der Hippolytus-
Sarkophage, nur zwei Scenen, Abschied und Verwundung,
I3> bald, wie die der ersten Classe, deren drei, Abschied,
Verwundung, Pflege 14. 16. 17, oder Abschied, Auszug und
Verwundung ig, aber stets in der Reihenfolge von links
nach rechts. Für die Pflege wird derselbe Typus verwandt
wie bei der ersten Classe. Eine Mittelstellung zwischen
beiden Classen nimmt der singuläre Sarkophag 12 ein, der
zwar den Auszug an die linke Ecke setzt und ihn in zwei
Scenen zerlegt, aber für die erste von diesen den Typus

der Pflege in leichter Umbildung verw endet und die Ver-
w undungsscene noch nach dem alten Schema ohne die Venus
zeigt, während die dritte Scene ganz fortgeblieben ist. Wir
haben ihn deshalb an die Spitze der zweiten Classe gestellt.
Umgekehrt setzt der seinem ganzen Charakter nach unbedingt
zur zweiten Classe gehörige Mantuaner Sarkophag 20 mit
Weglassung der Auszugsscene die Pflege an die linke
Ecke, geht also in dieser Hinsicht mit den Sarkophagen
der ersten Classe zusammen. Einmal 15 ist der Abschied
in zwei Scenen zerlegt und vor die Verwundungscene
noch eine kleine Nebenscene, das Verbinden der Wunde,
als Gegenstück zur Pflege eingeschoben. Endlich ist auf 21,
wo Venus und Adonis in der Scene der Pflege Porträt-
züge tragen, diese begreiflicher Weise in die Mitte gesetzt,
während der Auszug die linke, die Verwundung die rechte
Eckscene bildet. Ein grosser Reichthum von Figuren und
ein stärkeres Betonen des landschaftlichen Elements zeich-
net diese zweite Classe aus. Charakteristische mythische
Motive bietet sie nicht; denn der auf 15. 21 erscheinende
Arzt kann als solches doch kaum gelten. Die Künstler
brauchten, um diese Darstellungen zu schaffen, nur den
Rohstoff" des Mythus, keine poetischen Behandlungen des-
selben zu kennen.

Auf ältere Vorbilder geht sicher die Darstellung der
Pflege des verwundeten Adonis zurück, bekanntlich auch
ein beliebter Stoff" der pompejanischen Wandmaler (Helbig
Wandgemälde 329—345, Sogliano Pitture muralt 141—143),
die dabei dasselbe Original, wie die Sarkophagarbeiter, in
freier Weise wiederzugeben scheinen; vermuthlich liegt hier
ein Tafelbild guter Zeit zu Grunde. Ein Gleiches möchte
man für die Darstellung der Verwundung vermuthen, ohne
dass sich jedoch ein stricter Nachweis dafür erbringen
liesse. Dieser letztere Typus ist in einem vereinzelten Falle
auch auf einem Sarkophag der Vita communis, der sich
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