Robert, Carl [Hrsg.]; Matz, Friedrich [Hrsg.]; Andreae, Bernard [Hrsg.]; Robert, Carl [Hrsg.]
Die antiken Sarkophagreliefs (3,1): Einzelmythen: Actaeon - Hercules — Berlin, 1897

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TAFEL II. III ERSTE CLASSE 9—11 ZWEITE CLASSE 12

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II. ZWEITE CLASSE.

12) S. Rom, Vatican, Galleria lapidaria. Fig. 12.
Fig. 12 a. Fig. 12 b. L. 2,13. H. am linken (Kopf-)Endc 0,53,
am rechten (Fuss-)Ende 0,51. T. 0,58. Rh. an der Vorder-
seite 0,07, an den Schmalseiten 0,01. Zeichnung von Eich-
ler 1891.

In der ersten Hälfte des siebzehnten Jahrhunderts für dal Pozzo
gezeichnet, Ende des achtzehnten von Zoega im Garten der Villa
Giustiniani gesehen und beschrieben. V. Pacetti Raa. Giusti-
niani ijpj (Doc. med. IV p. 440) erwähnt dort 10 sareofagi ornati di
alcuni bassirilievi con figurc putt't e baccanali ohne nähere Beschrei-
bung. Der 1834 erschienene Band der Beschreibung Roms kennt den
Sarkophag bereits an seinem jetzigen Standort. Er wird mit anderen
Stücken der Giustinianischcn Sammlung unter Pio VII bei der An-
legung des Museo Chiaramonti in den Vatican gekommen sein.

Alte Zeichnung: dal Pozzo Franks 70 (116), Federzeich-
nung mit Sepia, in der Zeichnung ergänzt Fig. 12'.

Abbildung: Annali delt Instituto XXXVI 1864 tav- d'agg.
D E nr. 1.

Littcratur: Zoega App. Fol. 201; Welcker a. a. O. p. 155
nr. 5; Beschreibung der Stadt Rom II 2, 1834, S- 32 Nl- J5 Engel
a. a. O. S. 629 Nr. 5 = Nr. 6; de Witte a. a. O. p. 402 nr. z;
Petersen a. a. O. p. 161 (E); Hirzel a. a. O. p. 6 8 f. ;/. 1 (E = M);
Massi Descrizione dei Muse/ Vaticani />. 22 nr. 7; Kalkmann
Archäologische Zeitung XLI 1883 S. 11 1 A. 18.

Die Vorderseite Fig. 12 wird durch einen Thorpfeiler
in zwei Hälften zerlegt, von denen die rechte die Ver-
wundung, die linke in zwei Scenen den Abschied und
den Auszug des Adonis zeigt.

Für die am linken Ende angebrachte Abschiedsscene
ist der Typus der Pflege von den Sarkophagen der ersten

Klasse (s. 3_7. 9) verwandt. Venus und Adonis sitzen vor

einem Vorhang auf einem Felssitz (vgl. 4. 5. 7). Die Göttin
berührt wie auf 5 die Wange des Geliebten, der, wie auf
3—6, den Arm um ihren Hals schlingt, dagegen die linke
I fand, der veränderten Situation entsprechend, ruhig aufs
Knie legt. Neben ihm liegt sein Hund, wie auf 3. Auch
der das linke Bein des Adonis berührende Amor (vgl. 4.
5. 7. 9) ist beibehalten. Von rechts naht Diana, den
Säumigen zum Aufbruch mahnend. Sie trägt einen die
linke Brust freilassenden Chiton, hält in der Linken den
Bogen und wird mit der erhobenen abgebrochenen Rech-
ten jedenfalls eine aufmunternde Gestus, nicht die Bewegung
des Schreckens gemacht haben, die ihr in der ergänzten
Zeichnung des dal Pozzo Fig. 12' gegeben ist. Hirzel, der
den Bogen übersah und das am Hinterkopf erhaltene Speer-
stück für einen Helmbusch hielt, meinte, die Figur trage
„#« clmo fatto con poca esatezza" und wollte sie deshalb
für Virtus erklären.

Ein vom Rücken gesehener, nach rechts fortschreiten-
der, aber den Kopf nach Adonis zurückwendender Jäger

in geschürzter Tunica, Mantel und Jagdstiefeln, in der
Linken einen Speer, von dem ein Stück über seiner linken
Schulter, ein anderes, wie bereits bemerkt, am Hinterkopf
der Diana erhalten ist, bildet, indem er mit der rechten
Hand eine auffordernde Geberde macht, den Uebergang zur
zweiten Scene. Hier finden wir Adonis nach rechts ge-
wendet, mit dem Speer in der Rechten, von dem man Reste
in seiner Hand und an seinem Oberarm, sowie einen Ansatz
an der Stirn des bärtigen Mannes bemerkt. Mit der Linken
führt er sein Pferd, das auf den Sarkophagen der zweiten Classe
öfter erscheint (13. 15. 19. 21), obgleich es bei der Jagd selbst
nur auf 13 dargestellt ist. In diesem einen Punkte findet sich
also bereits bei diesem Sarkophag der Einlluss der 1 lippo-
lytus-Darstellungen. Ich habe die Figur Adonis benannt,
weil sie in ihrer ganzen Erscheinung, selbst im Gesichts-
typus, die grösste Aehnlichkeit mit dem Adonis der ersten
Scene zeigt. Aus diesem Grunde ist es nicht möglich, mit
Hirzel in ihr einen Gefährten des Adonis zu erkennen und
beide Scenen zu einer einzigen zusammenzuziehen. Vgl.
auch ig. Neben Adonis schreitet, zu ihm aufblickend,
sein Hund. Hinter diesem erscheint ein bärtiger Gefährte
in der gewöhnlichen Jägertracht; zu dem Speer, den er in
der Rechten trägt, gehört der Ansatz am rechten Ende
des Vorhangs. Von den beiden Puntelli am Boden
1 rührt der eine vom rechten Bein des Hundes, der andere,
vom rechten Fuss des unbärtigen Gefährten her.

In der Verwundungsscene wird der Eber nur von
einem Hunde, und zwar von vorn angefallen. Adonis
ist in ähnlicher Stellung, wie auf 5. g, dargestellt; von
dem Speer, den er in der Rechten hielt, sind Reste an
seinem linken Bein und ein Ansatz an der rechten Wade
des ersten bärtigen Gefährten erhalten. Neu und recht
glücklich erfunden ist der jugendliche Gefährte, der den
Verwundeten am rechten Arm zurückzureissen sucht, in-
dem er gleichzeitig, das Haupt erhebend und den Arm
ausstreckend Hilfe herbeizurufen scheint. Die linke 1 [and,
deren Stelle durch einen Puntello bezeichnet wird, war, w ie
schon die Stellung des erhaltenen Oberarms zeigt, jedenfalls
nach oben gedreht, nicht nach unten wie auf der Zeichnung
des dal Pozzo; vgl. auf 5 den Jüngling im Hintergrund am
linken Ende der Mittelscene. Aehnliche Figuren, die jedoch
den gesunkenen Adonis nicht zurüekreissen, sondern stützen,
begegnen auf 14. 15. ig. Weiter links erscheint wieder der
den Stein zum Wurf hebende bärtige Jäger, in ähnlicher
Stellung, wie auf g (vgl. 3—5), doch scheint die geballte
Linke hier keinen Speer gehalten zu haben. Ihm folgt ein
zweiter bärtiger Jäger, der einen Hund an der Leine führt und
in der Rechten einen Speer trägt. Da er dieselben Gesichts-
züge hat, wie der bärtige Gefährte in der zweiten Scene,

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