Robert, Carl [Hrsg.]; Matz, Friedrich [Hrsg.]; Andreae, Bernard [Hrsg.]; Robert, Carl [Hrsg.]
Die antiken Sarkophagreliefs (3,1): Einzelmythen: Actaeon - Hercules — Berlin, 1897

Seite: 14
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ADONIS

so wird wohl dieselbe Person gemeint sein. Ueber der
Höhle sind drei Figuren angebracht; ein unbärtiger nach links
gewendeter junger Mann, dessen Arme nicht sichtbar
sind, ein Jüngling in Jägertracht, der sich mit der Linken
auf den Rand der Höhle stützt und mit der Rechten einer
theilnehmenden Gestus macht, also etwa dem allerdings nach
der anderen Seite gewendeten bärtigen Jäger auf 5 ent-
spricht, endlich ein dritter Jüngling in Jägertracht, der in
der Linken zwei Speere hält und mit der Rechten einen
Stein zum Wurf erhebt. Eine entsprechende Figur findet
sich auf 4 mehr links gerückt und demgemäss nach der
anderen Seite gewendet. Ganz singulär ist der vor einem
Baum an der rechten Ecke angebrachte, bärtige Mann,
der, mit der Chlamys bekleidet und mit einer Binde
im Haar, erschreckt zurückweicht; die Rechte ist mit der
Geberde des Entsetzens erhoben; ein schwacher Ansatz
am linken Oberschenkel scheint darauf zu deuten, dass er
in der Linken einen Speer hielt. Auf den Meleager-Sarko-
phagen (z. B. denen des Pal. Doria Matz und von Duhn
3238, des Capitol Monum. d. Inst. IX 4, dem in Woburn
Abbey Michaelis Ancicnt Marbles in Great Britain p, 727
nr. 81) pflegt an dieser Stelle fast regelmässig der ver-
wundete Ancaeus angebracht zu werden, der die Hand
auf seine Schenkelwunde legt. Es wäre denkbar, dass nach
diesem Vorbild die fragliche Figur, die mit dem Ancaeus
in der Stellung eine gewisse Aehnlichkeit zeigt, mit den
durch die Situation gebotenen Modifikationen hier eingesetzt
wäre. Zweifelhaft ist aber dann, ob der Sarkophagarbeiter
mit ihr eine bestimmte mythische Person darstellen wollte,
was an sich um so näher läge, als der Gestus des den
Adonis anfassenden jungen Jägers sehr wohl mit dieser
Eckfigur in Beziehung gebracht werden könnte. Allein eine
plausible Benennung wird sich kaum finden lassen. Der Vater
des Adonis, Kinyras oder Theias, den man, freilich mit Un-
recht, auf 20 hat erkennen wollen, müsste in der Theater-
tracht der Könige, wie der Oeneus auf den Meleager-Sarko-
phagen, dargestellt sein, und dass der Sarkophagarbeiter den
bei Apollodor III. 14,3,2 erwähnten älteren Bruder des Adonis,
Oxyporos, gekannt und sich als Theilnehmer an der Jagd
vorgestellt haben sollte, ist kaum denkbar. Eine ähnliche
Figur begegnet auf 15 über der Höhle.

An den beiden Schmalseiten Fig. 12 a. Fig. 12b sind
hockende Greife angebracht.

Arbeit des zweiten Jahrhunderts.

13) P. Rom, Villa Giustiniani, an der Westseite
eingemauert. Fig. 13. L. 2,10. H. 0,49. Rh. 0,07. Zeichnung
von Eichler 1886".

Die Antiken sind von dem Principe Vincenzo Giustiniani in
den Jahren 1628—1630 erworben worden. Die Abbildung in der
Galleria Giustiniani zeigt die früheren Ergänzungen; die jetzigen

rühren, soweit sie von dieser Abbildung abweichen, von einer im
Jahre 1860 erfolgten Restauration durch den Bildhauer Senape her.

Abbildung: Galleria Giustiniani 1631 II tav. 116.

Litteratur: V. Pacetti Raccolta Giustiniani a. 1793; descri-
zione di tuttc k sculture in den Documcnti inediti per servire alla
storia dei Musei d'Italia IV 1880 p. 439 (caecta di Meleagrd);
Zoega App. Fol. 291; Welcker a. a. O. p. 155 nr. 4; Engel
a. a. O. S. 628 Nr. 4; O. Jahn Annali de//' Instituto XVII 1845
p. 348 nr. 3; Ders. Archäologische Beiträge 1847 S. 45 A. 4 (a);
Petersen a. a. O. p. 161 (C); Hirzel a. a. O. p. 68 (C); Matz
und von Duhm Antike Bildwerke in Rom 188 1 IIS. 7 Nr. 2214;
Kalkmann Archäologische Zeitung XLI 18 8 1 S. 11 o A. 11.

Die Bildfläche ist nach Art der Hippolytus-Sarkophage
in zwei durch einen Thorbogen getrennte Scenen zerlegt.
Links der Abschied, rechts die Verwundung des Adonis.
Die Abschiedsscene ist mit Aufgabe des früheren Typus
nach dem Muster der Antragssccne auf den Hippolytus-
Sarkophagen gestaltet. Venus sitzt in stolzer Haltung auf
einem Thronsesse], dessen Armlehne von einer Sphinx ge-
stützt wird. Die linke erhobene Hand hielt das Scepter,
von dem noch ein Stück neben dem Ellenbogen erhalten ist.
Neben dem Thron sitzt eine Taube und steht in geduckter
Haltung ein Amor, dessen rechte Hand am Gewand der
Venus erhalten ist; es scheint, als ob er sich vor dem zur
Jagd gerüsteten Adonis verstecken wolle. Hinter dem Stuhl
steht, die Lehne mit der rechten Hand fassend, eine Dienerin
der Venus im einfachen Untergewand. Fast genau so ist die
Phaedragruppe auf dem Hippolytus-Sarkophag in Capua (Ger-
hard, Ant. Bildwerke, Taf. XXVI, vgl. die beistehende Ab-

hippolytus-sarkophag in capua, linke hälfte

bildung nach Zeichnung von Eichler) dargestellt. Adonis
wendet sich bereits zum Weggange. Er hat, wie auf den
meisten Sarkophagen dieser Classe, wieder nach dem Muster
des Hippolytus, langes Haar und ist mit einer gegürteten
Aermeltunica und einem Mantel bekleidet. Die linke Hand,
die natürlich nicht so aus dem Relief herausragen konnte, wie
in der Ergänzung, fasste wohl die Zügel des Pferdes, wie
auf 12; denn wenn sie einen Speer getragen hätte, müssten
sich von diesem Puntelli erhalten haben. Die herabhängende
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