Robert, Carl [Hrsg.]; Matz, Friedrich [Hrsg.]; Andreae, Bernard [Hrsg.]; Robert, Carl [Hrsg.]
Die antiken Sarkophagreliefs (3,1): Einzelmythen: Actaeon - Hercules — Berlin, 1897

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APOLLO

verbunden, die linke Hälfte ergänzt, das Ganze überschmiert und
mit den recht geschickt gearbeiteten Eckmasken versehen.

Alte Zeichnung: Tophamianus Eton(i7oo—1730) Bm III 3
(1. Hälfte), Bm III 12 (r. Hälfte); vgl. Lanciani Bullettino della
Commissione archeologica minimale di Roma XXII 1894 p. 164 fr.

Abbildungen: Die rechte Hälfte bis zum Iupiter Winckelmann
Monumenti anficht tnediti 176 J I nr. 16. Danach Barbault Monu-
mens antiques 1783 pl. 60. — Das Ganze Nibby Monumenti scelti
della Villa Borghese 183z tav. 20. — Raoul Rochette Monumens
inedits d'antiquite figuree 1833 pl. 74 nr. 1. — Archäologische
Zeitung XXVII 1869 Taf- 16 Nr. 1. Nr. 2. Danach die linke Ecke
Roscher Mythologisches Lexikon II S. 2119. — Der Iupiter und
die Letoiden Overbeck Griechische Kunstmythologie 1871, Atlas
Taf. III 18.

Litteratur: Montelatici a. a. O.; Winckelmann a. a. O p. 1 5
(Hebe); Ders. Kunstgeschichte V 2, § 11 (Werke IV 121); Baron
de Riesch Observations faites pendant un voyage en Italie II 1781
p. 113; Barbault a. a. O. p. 11; Zoega App. Fol. 245; Nibby a. a. O.
p. 76; Raoul Rochette a. a. O. p. 401 ff. (symbolische Darstellung

streckt. Das rechte ist nach Topham und Zoega ergänzt.
Der sie tragende Mann hat wildes Haupt- und Barthaar,
legt die Rechte an den Kopf, wodurch die Ergänzung des
Armes gesichert ist, und kniet mit dem linken Bein auf
einem Felsstück, als ob er aufsteigend sich emporrichten
wolle; „sembra che esca da una voragine" bemerkt Zoega.
Man wird in ihm, da die Personificirung des Seismos dem
Alterthum fremd und Goethe vorbehalten geblieben ist,
einen Meeresriesen sehen müssen, wohl den aus der Ibas
A 407 bekannten Aegaeon, der hier als Repräsentant
des aegaeischen Meeres gedacht ist. Weiter links sitzt
auf einem Felsen ein nackter bärtiger Mann, sich mit der
Rechten auf den Sitz stützend, den linken Arm, der vom
Ellenbogen abwärts modern ist, erhebend; den Kopf wendet
er nach links zurück. Ich glaubte früher in dieser Figur
einen Lokalgott, die Personification des Berges Kynthos,
sehen zu dürfen; aber obgleich ich es auch jetzt noch für
möglich halten muss, dass sich ein Sarkophagarbeiter nicht

von Geburt und Tod); Beschreibung der Stadt Rom III 3, 1842
S. 244 (symbolische Darstellung vom Tod eines Mädchens); Heyde-
mann Archäologische Zeitung XXVII 1860 S. 21 f. (Eros und
Psyche); O. Jahn ebd. S. 52 f.; Collignon Essai sur les monuments
grecs et romains relatifs au mythe de Psyche p. 419 nr. 164; Overbeck
Griechische Kunstmythologie I 1871 S. 172 g. S. 577. II 1873—78
S. 131g. III 1 889 S. 368 ff.; Robert Hermes XXII 1887 S. 46off.;
Ders. Jahrbuch des Kaiserlich Deutschen Archäologischen Instituts V
1890 S. 220 A. 6; Helbig Führer durch die öffentlichen Sammlungen
klassischer Alterthümer in Rom 1891 II S. 149 Nr. 914; Sauer
in Roschers Mythologischem Lexikon II S. 1975; Steuding ebd. II
S. 2091. S. 2118; A. Venturi // Museo e la Galleria Borghese 1893
p. 27 nr. 96; Wernicke in Pauly-Wissowas Real-Encyclopädie II
S. 108 (Apollon).

Die Darstellung zerfällt in drei Scenen. In der linken
Lato na nackt bis auf einen grossen sich schleierartig um
ihren Körper wölbenden Mantel, den sie mit beiden Händen
fasst. Der rechte Arm ist nach Zoega modern, jedoch
sicher richtig ergänzt. Latona ist auf der Wanderung
begriffen, um einen Ort zu suchen, wo sie gebären kann;
sie wendet, die Schritte mässigend, den Kopf nach der
Insel Delos um, die klein, aber keineswegs als Kind gebildet
von einem kräftigen Mann auf der Schulter emporgehoben
wird und beide Händchen einladend nach der Göttin aus-

bedacht haben würde, neben der eben entstehenden Insel
ihren Berg, selbst in grösseren Dimensionen als die Insel,
darzustellen, so macht mich doch die Kopfwendung be-
denklich. Diese scheint darauf hinzudeuten, dass ursprüng-
lich links statt des jetzt die Darstellung abschliessenden
modernen Felsens etwas dargestellt war, worauf sich die
Aufmerksamkeit des sitzenden Mannes richtet. Nun hat
uns das Mosaik von Portus Magnus (abgeb. Archäologisches
Jahrbuch V 1890 Taf. 5 S. 218 f. S. 225 f.; M.-R. de la
Blanchere Musee Oran 1893 pl. 5 p. 41 ff.) in Ueber-
einstimmung mit der 140 Fabel des Hygin belehrt, welch
grosse Rolle in einer gewissen Version des Apollo-Mythos,
wahrscheinlich der delphischen, Poseidon spielte. Er schützt
Leto vor dem delphischen Drachen, der die Frucht ihres Leibes
zu verschlingen droht, und bietet ihr in der Insel Delos-
Ortygia eine Stelle, wo sie gebären kann. Angesichts dieser
Thatsache möchte ich die Frage aufwerfen, ob nicht der
sitzende Mann Neptun ist, ob er nicht in der jetzt ganz
bedeutungslos erhobenen Linken ursprünglich den Dreizack
hielt und ob nicht weiter links der die Latona verfolgende
delphische Drache die Scene abschloss. Natürlich können
dann auch die Bäume, unter denen Neptun sitzt, nicht
wie ich früher annahm, die berühmte Olive und den be-
rühmten Lorbeer von Delos vorstellen. Zoega erklärt den
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