Robert, Carl [Hrsg.]; Matz, Friedrich [Hrsg.]; Andreae, Bernard [Hrsg.]; Robert, Carl [Hrsg.]
Die antiken Sarkophagreliefs (3,1): Einzelmythen: Actaeon - Hercules — Berlin, 1897

Seite: 55
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VORBILD.

EINTHEILUNG DER SARKOPHAGE.

ERSTE UND ZWEITE CLASSE.

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rechts nach links beschränkt sich im Wesentlichen auf die
Figuren der Vorlage. Endymion, meist durch das Pedüm
(39. 41. 46. 49) und den Schäferhund (39. 40. 41. 47), ein-
mal auch durch die Syrinx (46) als Hirte gekennzeichnet,
schläft im Schoss des meist nur mit dem Mantel (40.
41. 43. 46—48), einmal (39) auch mit dem Chiton be-
kleideten Somnus, der mit Adlerhttichen (39. 40. 41. 46. 47)
oder Schmetterlingsflügeln ausgestattet ist (48). Die Flügel-
losigkeit auf 43 scheint ein Versehen des Zeichners zu sein.
Auf 39 blickt Somnus still auf den Ruhenden, auf 40. 43.47.48
schützt er durch Emporziehen des Mantels den Schlafen-
den vor dem Licht der Fackel, mit der ein Amor ihn
beleuchten will, auf 41. 46 sucht er dem den Mantel weg-
ziehenden Amor zu wehren. Singulär ist der Somnus auf
49, der, wie auf den Sarkophagen der dritten Classe, mit
einem Mohnzweig in der Linken an den Schlafenden von
vorn herantretend den Schlafsaft über ihn ausgiesst; doch ist
er bärtig geblieben, während er bei der dritten Classe stets
jugendlich erscheint; auch ist er, wie auf 39, völlig bekleidet,
hier sogar mit dem Theaterchiton. Luna, stets mit der
Mondsichel über der Stirn und bogenförmig flatterndem
Mantel, steigt entweder noch vom Wagen ab (39. 41. 47.
49) oder hat ihn eben verlassen (40. 42. 44. 46. 48). Auf 42
hemmt sie, wie in den Anblick des Geliebten verloren,
ihre Schritte; auf 47- 49 zeigc sie sehnsüchtige Hast. In
kleiner Figur wiederholt, auf ihrem Sternbild, dem Krebs,
sitzend, erscheint sie auf 41; dieses schon dem Original
angehörige Motiv findet sich auch noch bei der zweiten
Classe auf 61. 64. 65. Die Pferde stehen meist in ruhiger
Haltung da, nur auf 42 sind sie etwas lebhafter; 39. 49
scharrt das eine mit dem Vorderhuf die Erde. Die sie
hütende Aura steht daher auch stets vollkommen ruhig
dabei, meist in Vorderansicht, nur auf 42 in Rückenansicht;
auch ist sie dort unbeflügelt. Sehr mannichfach ist die
Verwendung der die Luna umgebenden Amoren. Meistens
steht einer auf dem Rücken des vorderen Pferdes, die Zügel
fassend (39. 40. 42. 48. 49) oder sich an der Mähne fest-
haltend (47), auf 39. 42 sieht er sich nach Luna um, ebenso
auf 48, wo er, die Hand geheimnissvoll an den Mund legend,
niedergekniet ist. Auch im Wagen steht fast immer ein
Amor; auf 39 ist er beschäftigt, die Fackel der Luna an-
zulehnen, meist aber stützt er den Arm auf den Wagen-
rand, der Luna nachblickend (40. 48) oder still sinnend
(42) oder mit einem Gestus nachdenklicher Verwun-
derung (47). zum festen Bestand gehört ferner der den
Endymion beleuchtende Amor, bald schreitend (39) und
die Luna am Gewand oder der Hand haltend (40. 41. 44.
46. 48), bald schwebend (47. 49). Ein schwebend den En-
dymion enthüllender Amor erscheint auf 41. 46; ein vor
Luna herfliegender auf 47. Auf 41. 46. 47 fasst ein Amor den
Mantel der Luna, ein ihm entsprechender zweiter ist auf 46
hinzugefügt. Auf 42 stützt ein Amor die absteigende Göttin.

Von Nebenfiguren erscheint zunächst nur ein in der
Höhe ruhender Flussgott (3g. 40) oder eine Quellnymphe
(47. 48) än der Stelle, die auf 41 und dem S. 54 abge-
bildeten Relief die kleine Luna einnimmt; auf 42 ist am
rechten Ende der Berggott Latmus angebracht. Bald aber
wird die Darstellung an einem ihrer beiden Enden durch
die Figur eines Hirten erweitert, der ursprünglich seinen
Platz auf den Schmalseiten gehabt zu haben scheint, s. 3g a.
391- 392- 42 a. 48 a. 48 b, dazu 63. 63 a. So ist am linken Ende
von 46 ein stehender Hirt mit seiner Heerde, am rechten
von 47. 48 ein schlafender angebracht. Auf 49, dem spä-
testen Exemplar dieser Classe, das zeitlich wohl schon mit
älteren Exemplaren der zweiten und dritten zusammen-
gehört, findet sich am rechten Ende der für diese typische,
seinen Hund liebkosende Hirte.

An den Ecken erscheinen regelmässig schlummernd auf
die umgekehrte Fackel gestützte Araoren. Nur bei
40 scheinen sie, wohl seiner Kleinheit wegen, von Anfang
an weggelassen und nicht etwa erst durch den Ueber-
arbeiter entfernt worden zu sein. Auf demselben Stück
sind an Stelle der, wie es scheint, sonst üblichen Hirten
Greifenpaare angebracht; auf 46 je ein Greif (s. den Text).

Die Deckel zeigen bei 40 Seeungeheuer, bei 49, dem
jüngsten Stück, schwebende Victorien mit der Inschrift-
tafel, bei 47 Jahreszeiten, die sich bei der dritten Classe
auch in der Hauptdarstellung einen Platz erobern. Als
Eckmasken sind in den beiden letzten Fällen Satyrköpfe
verwandt.

Die zweite Classe (50—71) mit der Richtung von
links nach rechts scheidet sich wieder in drei Gruppen.
Die erste (50—54) enthält, wie die erste Classe, nur eine
Scene. Die zweite (55—58, dazu 6g) und dritte (59—71)
enthalten deren zwei, indem hier am linken, dort am rechten
Ende die weiterfahrende Luna hinzugefügt ist. Offenbar
handelt es sich um einen vorübergehenden Versuch, die
mehrscenigen illustrirenden Sarkophage nachzuahmen, welche
in der ersten Hälfte des zweiten Jahrhunderts so beliebt
waren. Dabei ist der Vorgang ein ähnlicher wie bei dem
Hirten der ersten Classe. Man versetzt die Darstellung
der Schmalseiten auf die Vorderseite; denn gewiss öfter,
als in dem einen bisher allein nachweisbaren Fall (50 + 54)
wird bei der ersten Gruppe die eine Schmalseite die weg-
fahrende Luna, die andere vermuthlich als Pendant den
nahenden Sol enthalten haben.

Endymion liegt bei dieser Classe nicht im Schosse
des Somnus, sondern auf dem Felsboden; öfters ist über
ihm die Höhle (50. 51. 65) oder ein Felsabhang (61. 62. 64.)
angedeutet. Auf dem ganz singulären Exemplar 55 nimmt
er in sitzender Stellung die Mitte der Vorderseite ein.
Das rechte Bein ist stets über das linke geschlagen. Statt
des grossen Mantels trägt er auf 53. 65 eine schmale Chlamys.
Das Pedum hat er bei dieser Classe nie, dagegen einmal
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