Robert, Carl [Hrsg.]; Matz, Friedrich [Hrsg.]; Andreae, Bernard [Hrsg.]; Robert, Carl [Hrsg.]
Die antiken Sarkophagreliefs (3,1): Einzelmythen: Actaeon - Hercules — Berlin, 1897

Seite: 81
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TAFEL XVI. XVII ZWEITE CLASSE DRITTE GRUPPE 64. 6

erhalten ist.') Hinter der Höhle wird bis zur Hüfte Soranus
sichtbar, in ähnlicher Haltung und Gewandung, wie auf 64,
daher der Ergänzer ihm wohl mit Recht einen unbärtigen
Kopf gegeben hat. Sehr verunglückt ist hingegen die Er-
gänzung der Hände, von denen die linke ohne Zweifel den
Mohnstengel hielt, dessen oberes Ende auf dem linken
Schmetterlingsflügel erhalten ist, während die rechte, die
mit einem Beutel ergänzt ist, gewiss das Horn über den
Schläfer ausgoss. Ohne Grund halten Zoega und Fröhner
die Figur für weiblich, letzterer für die Höre des Sonnen-
aufgangs Anatole.

Von dem, wie auf 61. 62. 64, links neben Somnus
angebrachten Berggott sind nur die Zehen des linken
Fusses erhalten, genug, um festzustellen, dass er dieselbe
Stellung wie auf 62. 64 hatte. Der Ergänzer von 1615 hat
aus ihm eine weibliche Flügelfigur gemacht, vielleicht ver-
führt durch einen einst vorhandenen Flügelrest des neben
Luna schwebenden Amor (vgl. 61. 62. 64), von dessen
rechtem Aermchen der Bruch am Mantel der Göttin herrührt.
Links entsprach ihm, wie auf 61. 64, ein zweiter Amor,
dessen Flügel und rechtes Aermchen zu einem unmöglichen
Gewandzipfel umgearbeitet sind, während man die Beine
noch deutlich in dem Bruch links vom rechten Arm der
Luna erkennt. An Stelle des auf Endymion zufliegenden
Amor ist ein schreitender getreten (vgl. Ji\ 72*.), der das
linke Händchen an die rechte Schulter des Endymion legt,
während das rechte wohl einen ähnlichen Gestus machte,
wie in der Ergänzung. Von dem Amor, der die Luna
geleitet, ist genug erhalten, um festzustellen, dass er in
Bewegung und Armhaltung der entsprechenden Figur auf
62. 64 sehr ähnlich gewesen sein muss. Luna, deren
Kopf mit dem Halbmond hätte ergänzt werden müssen,
bog gewiss ursprünglich nicht den rechten Arm, sondern
senkte ihn wie auf 61. 62. 64. Der im Wagen stehende
Amor wendet sich hier zu der Göttin, wohl um sie,
wie auf 42, zu stützen. Ueber dem Gespann war, jetzt
durch die Ergänzung sehr entstellt, die kleine Luna auf
dem Krebs angebracht. Von diesem ist nur noch ein Bein
erhalten. Die Göttin sass in ähnlicher Haltung, wie 64,
nur nach der anderen Seite gewandt, auf ihrem Sternbild.
Der ächte nach links gewandte Kopf ist im Tophamianus
erhalten. Die rechte Brust ist entblösst; von dem bogen-
förmig gewölbten Mantel rühren die beiden Puntelli, links
neben dem (ergänzten) Kopf, her. Unter ihrem rechten
Arm erkennt man trotz der Ueberarbeitung noch den
Flügel des das Gespann zügelnden Amor, von dessen
beiden Füsschen auf dem Rücken des vorderen Pferdes

1 „un avanzo corroso d'una cosa che non so appurare se sia albero 0 erma
ovvero putto colla torcia inversa" Zoega. Sicherlich das erste, da auf
Endymionsarkophagen Hermen an dieser Stelle überhaupt nicht, und
Amoren mit umgekehrter Fackel wenigstens bei dieser Sarkophag-Gruppe
nicht vorkommen.

noch jetzt Spuren bemerkbar sind. Im Tophamianus ist
von ihm auch der in Vorderansicht stehende Oberkörper
bis zur Brust erhalten, und zwar an der Stelle, wo jetzt
das Ergänzungsstück mit den Beinen der Luna sitzt. Die
Rosse bäumen sich, wie 51. 58, hoch auf. Die sie bändi-
gende Aura erscheint in derselben Stellung, wie auf 51,
jedoch mit gesenkten Flügeln. Die Ergänzung des Kopfes
ist durch die im Reliefgrund erhaltene linke Wange und
das Ende des Schopfes gesichert. Die Function der Arme
ist vertauscht; die Linke hält die Peitsche, während die
ursprünglich wohl weniger gehobene Rechte das Leitseil
gefasst haben wird. Wie auf 51 hilft ihr ein schweben-
der Amor, der die Linke beruhigend an den Kopf des
hinteren Pferdes legt. Den Bruch über seinem rechten
Flügel vermag ich nicht zu erklären; der Gedanke an eine
Fackel scheint durch die Handhaltung ausgeschlossen. Ein
zweiter, zur Hilfe herbeifliegender, Amor schein; hinter
Aura angebracht gewesen zu sein. Wenigstens kann ich
die beiden Puntelli über ihrem Flügel und die zu einem
unmöglichen Gewandzipfel (wie bei der absteigenden Luna)
umgearbeitete Masse nur als Rest eines solchen verstehen.
Ueber dem Kopf der Aura wird die Krone eines Lorbeer-
baums sichtbar. Unter dem Gespann liegt Tellus mit ent-
blösstem Oberkörper, die Linke erhebend. Der Kopf und,
was auf der Abbildung nicht angegeben ist, das Füllhorn
sind in Paris ergänzt worden; doch hat noch Zoega einen
antiken Rest des letzteren constatiren können. Neben
Tellus lagert ihr Rind.

Die wegfahrende Luna der zweiten Scene blickt sich,
wie auf 58.61.62, nach Endymion um. Die rechte Hand machte
natürlich nicht die empfindsame Bewegung nach der Brust,
die ihr der Ergänzer von 1615 gegeben hat, sondern fasste,
wie auf 61. 62. 64, gleichfalls die Zügel. Von der Fackel,
die der vorausfliegende Hesperus in beiden Händen hielt
(vgl. 62. 64), ist am oberen Rand der Bruch der Flamme er-
halten, während der Stab zu einem quer über die Brust laufen-
den Band umgearbeitet worden ist. Aura, die, wie auf 64,
das Gespann auch in dieser zweiten Scene geleitet, scheint
in der Linken ausser dem Leitseil die Peitsche zu halten.
Der rechte Arm war gewiss gesenkt, weil sonst über dem
Hund ein unerträglich leerer Raum entsteht. Unter dem
Gespann liegt Oceanus mit entblösstem Oberkörper, in
der Linken ein Schilfrohr; die Rechte stützt er auf eine
zum Theil antike Urne. Am linken Ende schliesst der
sitzende Hirte, wie auf 50. 51. 58, die Darstellung ab. Er
spielt, wie dort und wie auf 49, mit seinem vor ihm kauern-
den Hund, dessen Kopf mehr nach links vorgeneigt zu er-
gänzen war, wie der die Stelle der Schnauze bezeichnende
Puntello lehrt; er wird also das Thier, wie auf 4g. 51, gestrei-
chelt haben. Das Pedum stützt er, wie auf 58, mit dem oberen
Ende auf sein linkes Knie. Ueber ihm lagert auf einem
Felsen seine Heerde, drei Widder und ein Ziegenbock.
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