Robert, Carl [Hrsg.]; Matz, Friedrich [Hrsg.]; Andreae, Bernard [Hrsg.]; Robert, Carl [Hrsg.]
Die antiken Sarkophagreliefs (3,1): Einzelmythen: Actaeon - Hercules — Berlin, 1897

Seite: 110
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I IO

ENDYMION

schenkeis ist durch die erhaltenen Füsschen gesichert. Aura
ist weggeblieben, weil sonst die rechte Scene zu viel Raum
beansprucht hätte.

Nach der Barttracht des Mars aus der Mitte des dritten
Jahrhunderts.

89) F. Berlin, Museum. Fig. 8g. L. 1,07. H. 0,72.
Rh. 0,06. Zeichnung von Eichler 1882.

Früher in Rom bei dem Kunsthändler Martinetti, seit 1878
in Berlin.

Abbildung: Beschreibung der antiken Skulpturen des Berliner
Museums 1891 S. 334.

Litteratur: Dilthey Bulletino dell' Institute XLI 1869 S. 65;
Conze Archäologische Zeitung XXXVII 1879 S. 103; Robert Bild
und Lied 1881 S. 50; Winnefeld Hypnos 1886 S. 18 A. 1; Be-
schreibung der antiken Skulpturen des Berliner Museums 1891
S. 334 Nr. 846; Steuding in Roschers Mythologischem Lexikon
II S. 2 117.

Fragment eines griechisch-römischen Sarkophags mit
Eichblatt-Kyma am oberen Rande.

Der langlockige, mit der Chlamys bekleidete Endy-
mion sitzt aufrecht da. In der Linken hält er einen Speer,
von dem Reste auf seinem linken Arm und im Grunde
links von dem Schlafgott erhalten sind. Offenbar ist er
eben erwacht und blickt, die rechte Hand erhebend, er-
staunt auf die Göttin, die von links auf ihn zugeschritten
sein muss. Vgl. das pompejanische Gemälde aus Casa di
Sirico (Zahn III 79; Helbig Wandgemälde Nr. 957).
Hinter Endymion steht der bärtige Somnus, eine maje-
stätische Gestalt mit Fledermausflügeln am Rücken und
kleinen Adlerflügeln am Kopf, bekleidet mit Aermeltunica
und Mantel. Er scheint nach der nahenden Luna hinzu-
sehen; die verlorene Rechte wird wohl eine Geberde des
Staunens gemacht haben. In der linken Hand hält er einen
grossen Mohnzweig, dessen Büschel eine rechts folgende,
bis auf den rechten Unterarm verlorene Figur angefasst
hat. Vielleicht soll durch dieses Anfassen die Macht des
Schlafes gebrochen werden. Diese fehlende Figur mit
Sicherheit zu benennen, ist nicht möglich. Die Verglei-
chung mit 79 legt den Gedanken an Sol nahe; jedesfalls
deutet die kräftige Hand auf einen Mann. Ueber Endy-
mion sitzt in kleiner Bildung auf einem Felsen der Berg-
gott Latmus, die Rechte auf den Sitz gestützt, in der
Linken einen Zweig; seine Blicke scheinen, wie die des
Somnus, auf Luna gerichtet zu sein. Neben ihm erscheint
im Hintergrunde ein nackter bärtiger Windgott, mit
kleinen Vogelflügeln am Kopf, in der erhobenen Linken
ein Muschelhorn, vgl. 77 a. Vor ihm steht ein langlockiger
Jüngling, mit der erhobenen Linken die Falten seiner
Ghlamys berührend; in der Rechten hält er eine gesenkte
Fackel. Der Berliner Katalog nennt ihn Hesperus, Dilthey,
wegen der langen Locken, die an die Zeussöhne erinnern,

un Dioscuro, che da Espero fa le veci dUmeneo. Nach 77.
79. 80 wird man in ihm wohl einfach Hymenaeus zu er-
kennen haben. Zum Senken der Fackel vgl. den Hesperus
auf II 1 S. 3. Auch diese Gestalt blickt nach links auf
die nahende Luna. Weiter links steht eine mit feinem
Chiton und Mantel bekleidete Frau, die in der Rechten
ein Scepter trug und die Linke erhob. Dieser Gestus,
die Drapirung des Mantels, das Scepter, endlich die ruhige
Stellung in Vorderansicht machen die im Berliner Katalog
vorgeschlagene Deutung auf Luna unmöglich. Es ist Venus,
vgl. 81. Luna wird weiter links gefolgt sein, vermuthlich
wie sonst von ihrem Wagen absteigend.

Sorgfältige Arbeit aus dem zweiten Jahrhundert.

90) F. Rom, Pal. Corsetti. Fig. 90. Zeichnung
von Eichler 1892.

Litteratur: Matz und von Duhn Antike Bildwerke in Rom
1881 II S. 193 Nr. 2721.

Fragment eines Sarkophags der dritten Classe. Er-
halten ist der abbozzirte Kopf und der rechte Arm des
Endymion. Der jugendliche, mit gegürteter Aermeltunica
und Mantel bekleidete Somnus tritt von links heran, mit
der Rechten sein Horn über den Schlafenden entleerend;
vgl. 72. 75. 79. 80. 8o\ Ueber dem Haupte des Endymion
schwebt ein Amor, der beide Händchen an einen mir un-
verständlichen Gegenstand legt.

91) F. verschollen, früher Rom, Studio Jerichau.

Litteratur: Matz und von Duhn Antike Bildwerke in Rom
1881 II S. 198 Nr. 2732.

Fragment eines geriefelten, an den Ecken abge-
rundeten Sarkophags. „Von der Darstellung am linken
Ende ist Endymion erhalten, nach links gelagert; die
Rechte lag im Schlafe über dem Kopfe, die Linke ruht neben
ihm auf den Felsen und in derselben das Lagobolon; die
Beine bedeckt ein Mantel. Die Füsse und der rechte Arm
fehlen", von Duhn.

92) S. Richmond (Surrey) bei Francis Cook, Garden
Museum. Fig. 93. L. 2,10. H. 0,60. Zeichnung von H.
Schenck nach Photographic.

Um 1830 in Neapel, „im Besitz eines Cav. Ligori in einer
Villa am Aufgang nach S. Elmo" (Gerhard). Damals Hess Zahn
die später von Gerhard veröffentlichte Zeichnung anfertigen.

Abbildung: Archäologische Zeitung VIII 1850 Taf. 20, 1.

Litteratur: Engel Kypros II 1841 S. 632 Nr. 12; Gerhard
Archäologische Zeitung VIII 1850 S. 214 ff.; Michaelis Ancient
Marlies in Great Britain 1882 S. 641 Nr. 74.

Ovaler Sarkophag. In der Mitte der Vorderseite liegt
der Verstorbene in der Stellung des Endymion. Das bart-
lose Gesicht ist Porträt, das Haupthaar glatt rasirt nach der
von Alexander Severus bis Gordianus III. herrschenden
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