Robert, Carl [Hrsg.]; Matz, Friedrich [Hrsg.]; Andreae, Bernard [Hrsg.]; Robert, Carl [Hrsg.]
Die antiken Sarkophagreliefs (3,2): Einzelmythen: Hippolytos - Meleagros — Berlin, 1904

Seite: 180
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HIPPOLYTOS

denen zwei in hohem Relief dargestellt sind, während die
dritte, in flachem Relief ausgeführt, zwischen beiden im
Hintergrunde steht. Der am weitesten links stehende Jüng-
ling ist der Wärter der Hunde, der xuvafiDYos. Mit ge-
gürteter Exomis, Chlamys und kurzen Stiefeln bekleidet,
ein Schwert an der Seite und mit der Linken die Keule
schulternd, hielt er mit der gesenkten Rechten, zu der
die Stütze auf der Chlamys der Nachbarfigur gehört,
einen neben ihm sitzenden Hund an der Leine. Auch
der rechts mit gesenktem Kopf sitzende Huncf scheint
seiner Obhut anvertraut zu sein. Den Kopf wendet dieser
Hundewärter dem rechts neben Hippolytos stehenden Jüng-
linge mit dem Pferde zu, im Gespräch mit ihm begriffen
oder, wohl richtiger, einen Befehl von ihm entgegennehmend.
Der rechts neben ihm im Hintergrund in Vorderansicht
dargestellte, mit der Chlamys bekleidete Jüngling hält in
der geschlossenen Linken einen anscheinend runden Gegen-
stand, dessen oberes Ende er mit den Fingern der rechten
Hand leicht berührt. Es scheint eine Bücherrolle zu sein, so
class wir hier neben den Jagdgefährten des Hippolytos einen
Genossen seiner gelehrten Studien (Eur. Hippol. V. 953 ff.)
vor uns haben. Auch die rechte Eckfigur gehört nicht zu
den Jägern; es ist ein ganz in Vorderansicht dargestellter
Jüngling, der den rechten Arm über den Kopf gelegt hat,
während der linke gesenkt ist. Ein auf seiner Chlamys in
der Achselgegend zu bemerkender länglicher Bruch wird
wohl von einem Stab herrühren, den er mit der linken
Hand hielt und auf den er sich mit der linken Achsel stützte.
Allerdings sind auffallender Weise weitere Reste oder An-
satzspuren dieses Stabes nicht vorhanden, aber die Stellung
der Figur mit linkem Spielbein und rechtem Standbein,
herausgebogener rechter Hüfte und starker Neigung nach
der linken Seite ist nur verständlich, wenn dort eine Stütze
vorhanden war; sie entspricht fast genau der Stellung der
Polykletischen Amazone. Mit vertauschter Armhaltung und
Speer statt Stab kehrt dieselbe Figur auf 160 a an der
linken Ecke wieder. Vgl. auch die Figur an der linken
Ecke von 154.

Auf der rechten Schmalseite Fig. 152b die liebeskranke
Phaidra. Die Königin sitzt mit allen Zeichen tiefster Er-
mattung auf einem Stuhl, auf den sie sich mit der linken
Hand stützt. Sie trägt einen feinen Aermelchiton, dessen
Gürtel ein wenig gelockert und heruntergeschoben ist,
Mantel und Sandalen. Beide Arme sind mit Spangen ge-
schmückt, der Kopf sinkt mit leidendem Ausdruck zurück
und ist der hinter ihr stehenden Amme zugekehrt, die,
genau wie auf der Vorderseite gekleidet, mit der linken
Hand eine der gelöst auf die Schulter herabfallenden Locken
ihrer Herrin fasst und mit der rechten deren Kopftuch leicht
emporhebt. Hierbei wird sie von einer links neben Phaidra
im Hintergrund stehenden Dienerin unterstützt, die mit

ihrer weit ausgestreckten Linken das Kopftuch der Königin
ebenfalls gefasst hat und es hoch emporhebt; den Kopf
aber hat sie gesenkt und, indem sie die Rechte nachdenk-
lich ans Kinn legt, scheint sie den Worten einer gleich-
alterigen Genossin zu lauschen, die mit der Rechten ihre
Handwurzel leicht berührt. Offenbar unterhalten sich diese
Dienerinnen, die beide mit Chiton bekleidet sind und das
Haar in der sogenannten Melonenfrisur geordnet tragen,
über das Leiden und die Launen ihrer Gebieterin. Eine
etwas ältere mit Chiton und Mantel bekleidete Dienerin
steht im Vordergrund und stützt mit beiden Händen den
vorgestreckten rechten Arm der Phaidra; den Kopf wendet
sie von der Königin weg, den weiter links befindlichen
Dienerinnen zu. Soweit entspricht die Darstellung genau
den Versen des Euripides Hipp. 200ff., wo Phaidra befiehlt:

Xdßsx' euitY])(st? ^eipas, irponoXoi.
ßdpu jJLot jcscpaXa^ ETti'xpavov e^eiv
acpeX, dfucsTaaov ßooTpu/ov wjxoic.

Unter dem Sitze der Königin steht ein mit Blumen eefüllter

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Korb; davor ein vom Rücken gesehener Eros, in der er-
hobenen Linken einen Bogen, den er eben auf Phaidra ab-
geschossen zu haben scheint, denn er greift mit der Rechten
in den Köcher nach einem weiteren Pfeil (vgl. 144). Links
zwei Dienerinnen mit mandolinenartigen Saiteninstru-
menten, die eine stehend, die andere sitzend; beide waren
bemüht den Kummer der Phaidra durch Musik zu lindern.
Die stehende, in ärmellosen gegürteten Chiton, Mantel und
Sandalen, das Haar hinten zu einem Nest, über der Stirn in
eine Schleife zusammengebunden, greift noch mit der Rechten
in die Saiten, wird aber von ihrer Umgebung bedeutet, von
ihrem Spiel, das auf Phaidra keine Wirkung übt, abzulassen.
Zu diesem Behuf wendet die Dienerin, die den Arm der
Königin hält, ihren Kopf dieser Zitherspielerin zu, und die
zweite sitzende Musikantin streckte zu demselben Zwecke
ihren rechten Arm aus, von dem die Bruchstellen am Leib
und auf dem Instrument der stehenden Spielerin herrühren,
mit der Hand die Saiten dieses Instruments berührend, um sie
zum Schweigen zu bringen. Dabei hebt sie sich ein wenig von
ihrem Sitze empor. Ihr eigenes Instrument ruht unbenutzt
in ihrem linken Arm. Bekleidet ist sie mit Aermelchiton,
Mantel und Sandalen. Neben ihrem Stuhl sitzt der Schooss-
hund der Phaidra, der den Kopf zu ihr emporhebt (vgl. 151).
Noch eine weitere Dienerin, deren Kopf über der sitzenden
Musikantin sichtbar wird, ist bemüht, die Spielerin zum Auf-
hören zu veranlassen, indem sie die linke Hand auf deren
Schulter legt. Wenn der Künstler sie mit der Rechten
ihren Mantel über der Schulter hoch emporziehen lässt, so
will er sie durch dieses Motiv zu einem Pendant der Dienerin
am rechten Ende machen, die das Kopftuch der Phaidra
in die Höhe hebt. Endlich wird noch zwischen der spielen-
den Musikantin und der den Arm der Phaidra haltenden
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