Robert, Carl [Hrsg.]; Matz, Friedrich [Hrsg.]; Andreae, Bernard [Hrsg.]; Robert, Carl [Hrsg.]
Die antiken Sarkophagreliefs (3,2): Einzelmythen: Hippolytos - Meleagros — Berlin, 1904

Seite: 266
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MARSYAS

Die Vorderseite des Sarkophags siehe unter Musen
Bd.V. Auf der rechten Schmalseite Fig. 211 a der Wett-
kampf. Apollo, mit ähnlicher Frisur wie auf 210, sitzt
nach links auf einem Felsen; das linke Bein ist vom Mantel
bedeckt, der auch als Unterlage über den Sitz gebreitet ist.
Die linke Hand ruht auf der Leier, die auf den Felssitz
gestützt ist; die erhobene Rechte hält das Plectrum. Vor
dem Gotte steht der völlig nackte Marsyas mit ersicht-
licher Anstrengung die Doppelflöte blasend.

Auf der linken Schmalseite Fig. 211 die Strafe des
Marsyas. Vor dem mit den Händen an einem Baum auf-
gehängten Marsyas kniet der das Messer schleifende
Scythe völlig nackt und ohne phrygische Mütze wie auf
198. 199. Links hinter ihm ein zweiter Baum.

Arbeit des zweiten Jahrhunderts.

212) S. S. eines Musen-Sarkophags. Rom, San Paolo
fuori le mura. Fig. 212. L. 1,12. H. 1,15. Zeichnung
von Eiciiler 1890.

In dem Sarkophag ist der 1128 verstorbene Pierleone, der Vater
des Gegenpapstes Anaclet II, beigesetzt.

Alte Zeichnung: dal Pozzo Windsor VIII 33 (407) Fig. 212'.
Dass diese Zeichnung in der That diese Schmalseite darstellen soll,
mag angesichts der kolossalen Abweichungen zunächst ganz unglaub-
lich erscheinen, wird aber dadurch bewiesen, dass die von derselben
Hand herrührende und ganz in denselben Dimensionen gehaltene
Zeichnung der Vorderseite des Musen-Sarkophags von San Paolo
dal Pozzo Windsor VIII 7 die vorhergehende Nummer 406 trägt.
Die Zeichnung illustrirt besonders gut die künstlerische Freiheit, mit
der einzelne Zeichner dal Pozzo's ihre Vorlage behandelt haben,
und wird lediglich aus diesem Grunde hier abgebildet. Vgl. auch

II 4 und dazu S. 8. Gerade wie der Zeichner hat übrigens auch
heeren den Mercur für einen Apollo gehalten.

Abbildungen dieser Schmalseite: N. M. Nicolai Deila basilica
di San Paolo 1815 tav. X. — Welcker Zeitschrift für Geschichte
und Auslegung der alten Kunst I 1818 Taf. II 9. Danach Heeren
Vermischte historische Schriften III Taf. 3; MÜLLER und WlESELER
Denkmäler der alten Kunst II Taf. 14 Nr. 153. — Transactions of
the royal society of littcrahtre XI 2, 1876, p. 263.

Litteratur (soweit sie sich auf diese Schmalseite bezieht):
Winckelmann Monumcuti anticld inediti 1767 p. 50; Fea zu
Winckelmann Storia dclle arti del disegno II 1783 p. 314 n. B;
Zoega App. Fol. 29 Nr. 2. Fol. 30b Nr. 2 (Welcker's Zeitschrift
für Geschichte und Auslegung der alten Kunst I 1818 S. 147);
N. M. Nicolai a. a. O. p. 280^.; Heeren in Welcker's Zeitschrift
S. 139fr. (= Vermischte historische Schriften III S. 185); Amalthea

III 1825 S. 368. S. 375; Cardinali Mcmorie Romane I 1824 p. 50;
K. O. Müller Handbuch der Archaeologie der Kunst 1830 § 362, 4;
Michaelis a.a.O. 326 (E); Müller-Wieseler a.a.O. S. 68;
Wieseler Annali deW Instituto XXXIII 1861 p. 122 n. 1; Stephani
Compte rendu pour 1864 1865 S. 91; MATZ und von duhn Antike
Bildwerke in Rom 1881 II S. 412 ff. Nr. 3276; Overbeck a.a.O.
S. 456 Nr. 10.

Der ganze Sarkophag wird in der Abtheilung Musen
Bd. V abgebildet und besprochen werden. Auf der rech-
ten Schmalseite Fig. 212 wird der an Händen und Füssen
gefesselte Marsyas an einer Pinie von einem scythischen
Schergen mittelst eines Strickes emporgezogen; vgl. 203.
205. 207. Dieser Scherge tritt, wie auf 205, mit dem
rechten Fuss auf ein hohes Felsstück. Seine Gewandung
ist im Wesentlichen dieselbe wie auf 205, nur trägt er
ausserdem noch, wie auf 207, die phrygische Mütze. Rechts
hinter ihm ein zweiter Pinienstamm. Unter dem Felsstück
eine gelagerte Ziege mit zurückgewandtem Kopf. Vor Mar-
syas der das Messer schleifende Scythe, wiederum sehr
jugendlich, in derselben Tracht wie auf 207. Ueber ihm
Mercur, der im Auftrag Apollos den Befehl zur Strafe
gegeben zu haben scheint und sich jetzt wieder nach
links entfernt. Er trägt Flügelhut und eine den linken
Arm und den Rücken bedeckende Chlamys. Die linke
Hand hält den Caduceus; die rechte ist mit dem Rede-
gestus vor die Brust erhoben, der Kopf nach links gesenkt.

Apollo in dem auf den Marsyas-Sarkophagen üblichen
Typus mit dem Greif zur Seite ist auf der linken Schmal-
seite angebracht. Doch ist er durch eine phrygische Mütze
und einen langen Aermelchiton in einen Orpheus umge-
wandelt, dessen Spiel ein älterer und ein jüngerer Mann
zuhören.

Arbeit des dritten Jahrhunderts.

213) S. S. eines verschollenen Sarkophags. Zu
Winckelmann's Zeit in Rom, Villa Altieri.

Nur von Winckelmann erwähnt.

Litteratur: Winckelmann Monumcnti antichi inediti 1767
p. 50. Danach Heeren in Welcker's Zeitschrift für Geschichte und
Auslegung der alten Kunst I 1818 S. 144; Welcker ebd. S. 148;
Cardinali Mcmorie Romane I 1824 50; Michaelis a. a. O.
p. 327 (G); Overbeck a. a. O. S. 456 Nr. 12.

„Nella villa Altieri vedesi in ambedue le parti laterali
di un sareofago scolpito IHstcsso soggello, cioe Apollo con la
cetra in mano, e Marsia appeso ad un pino, insieme con il
Scita che gli leget i piedi alP albero. La cosa particolare in
queslo monnmento si e tm lascio intorno al collo dello Scita,
per ctii lo tiene Apollo." Winckelmann. Letzteres ist ge-
wiss ein Missverständniss: der Scythe wird, wie auf 205,
unter dem Kinn zusammengebundene Laschen gehabt haben.
Im Uebrigen scheint die Composition der von 215 sehr
ähnlich gewesen zu sein. Auffallend ist aber Winckel-
mann's Angabe, dass dieselbe Darstellung auf beiden
Schmalseiten wiederholt gewesen sei, wofür nur II 167 a.
167 b eine entfernte Parallele bietet.

214) S. S. eines im National-Museum zu Pest be-
findlichen Sarkophags. Fig. 214. L. 1,06. H. 0,75. Harter
Kalkstein; der Reliefgrund mit rother Farbe gedeckt; auch
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