Robert, Carl [Hrsg.]; Matz, Friedrich [Hrsg.]; Andreae, Bernard [Hrsg.]; Robert, Carl [Hrsg.]
Die antiken Sarkophagreliefs (3,2): Einzelmythen: Hippolytos - Meleagros — Berlin, 1904

Seite: 354
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MELEAGER

Da indessen die Darstellung des Jagdmahls noch vielen
Raum beansprucht, ist es wahrscheinlicher, dass die Scene
vollständig ist und nur die linke Eckmaske fehlt.

Am linken Ende der zweiten Scene steht der Krater
nicht wie auf 2641. 2Ö42. 265 auf einem unterhöhlten
Felsen, sondern auf einem förmlichen Ofen. Vor diesem
kniet ein mit der Aermeltunica bekleideter bärtiger Mann,
der mit beiden Händen Scheite ins Feuer schiebt. Weiter
rechts sind die oben von Gewand bedeckten Beine eines
in Vorderansicht stehenden Jagddieners erhalten, der mit
der Rechten zwei Hunde an der Leine führt; der vordere
von diesen scheint am Boden eine Spur zu suchen, der
hintere hebt schnuppernd den Kopf nach dem Krater.
Weiter rechts muss dann die beim Mahle gelagerte Jagd-
gesellschaft gefolgt sein.

Bei dem Arrangement der Tafel und bei der Nume-
rierung des Fragments als 293 a ist noch von der Voraus-
setzung ausgegangen worden, dass es mit 293 zusammen-
gehöre. Erneute Prüfung der Originale hat aber die Unrich-
tigkeit dieser Annahme ergeben, da die Arbeit ganz ver-
schieden ist. Auch muss der zu 293 a gehörige Sarkophag-
kasten bei weitem höher gewesen sein. Endlich erwähnt
auch Aldrovandi das Fragment 293 nicht, so dass die
Provenienz der Stücke eine verschiedene zu sein scheint.

Schlechte Arbeit aus dem Anfang des dritten Jahr-
hunderts.

2931) F. Verschollen, um die Mitte des 16. Jahr-
hunderts in Rom.

Alte Zeichnung: Basileensis Fol. 21c. (um 1540).

Litteratur: Michaelis Jahrbuch des Kaiserlich Deutschen
Archaeologischen Instituts VII 1892 S. 88.

„Frau (Erinys?) auf dem Boden knieend. Von einem
Sarkophag? In heftiger Bewegung, rechtshin, das 1. Knie
vorgesetzt. Der Chiton mit tief herabhängendem Bausch
ist mit einem shawlartigen Mäntelchen gegürtet; r. Brust
und Schulter entblösst. Das erregte Gesicht ist von wirren
Haaren umwallt. Beide Arme fehlen. Vermuthlich, wie
Robert erinnert, die Erinys von der Scene des thebischen
Brudermordes; vgl. Sark.-Rel. II S. 196 und 194 [186]."
Michaelis.

Vielmehr, wie mich eine der Güte E. Bethe's ver-
dankte Bause gelehrt hat, die sich tödtende Althaea wie
auf 293 a.

294) F. Athos, Movy] toö E7]pciTO-d[i.oi>, ,,im Klosterhof
an der Südwestwand in der linken Ecke über der Ein-
gangshalle, durch eine vorspringende Mauer fast verdeckt.
L. 0,33. H. 0,33" (Strzygowski).

„Ein Mann in Rock trägt einen horizontal liegenden
Nackten an den Füssen. Man sieht dessen herabhängende
Hand und die Hand einer dritten Person, welche den todten

Körper unter dem Rücken gefasst hält." Briefliche jyjjt_
theilung von Strzygowski 1888.

Danach scheint es sich in der That, wie schon Wolters
vermuthet hat, um Meleagers Heimtragung zu handeln,
so schwer es auch verständlich ist, auf welchem Wege das
Fragment eines römischen Sarkophags nach dem Athos
gekommen sein soll. Auf griechischen Sarkophagen ist die
Darstellung unerhört.

295) F. Rom, Pal. Mattei, im Hof hoch einge-
mauert. Fig. 295. L. c. 0,33. H. c. 0,45. Zeichnung von

Eichler 1886.

Vermuthlich bereits seit der Erbauung des Palastes 1613—1616
an seinem jetzigen Platz.

Alte Zeichnung: Tophamianus Eton Bm XI Fol. 69 (Qferri).

Abbildung: R. Venuti et amaduzzi Vetera Monumenta, quae
in hortis Caelimontanis et in aedibus Mattliaeiorum asservantur III
1778 tab. 44, 1.

Litteratur: R. Venuti et Amaduzzi a.a.O. 82; zoega
App. Fol. 347 Nr. 15; Beschreibung der Stadt Rom III 3, 1842,
S. 526; Helbig a.a.O. 101 n.i; Matz und von Duhn Antike
Bildwerke in Rom 1881 II S. 404 Nr. 3263 a.

Auf diesem Fragment Fig. 295 ist aus der Scene von
Meleagers Heimtragung erhalten der Körper des Ster-
benden fast vollständig, der ihn unter die Achseln fassende,
wie auf 287. 288. 2g3 gepanzerte Träger, der Rumpf des
seine Beine über den Schultern tragenden Dieners, der
sich zu Meleager niederbeugende Paedagoge, der wie auf
230 a in der Rechten einen Krückstock hält, und endlich,
links von ihm im Hintergrund, die von der Chlamys be-
deckte Brust eines nach rechts gewandten Jünglings. Der
Kopf der zuletzt erwähnten Figur ist modern, ebenso der
des gepanzerten Trägers, die Beine sämtlicher Figuren
und beide Hände des Meleager.

296) F. Rom, Vatican, Casino di Pio IV. Fig. 296.
L. 0,40. H. des antiken Theiles 0,53. Rh. 0,10. Zeichnung
von Eichler 1884.

Früher in Pal. Rondinini.

Abbildungen: WiNCKELMANN Monumenti antichi inediti 1767
nr. 103 [Edipo. ... in compagnia de' suoi figliuoli Eteocle e Polinice).
Fig. 296' (im Text). Danach Magnan La Ville de Rome III 1778
pl. 58; R. Venuti et Amaduzzi Vetera Monumenta, quae in
hortis Caelimontanis et in aedibns Mattliaeiorum asservantur III
1878 tab. 27, 1; Millin Galerie mytlwlogique 1811 II 137 nr. 506
(= guigniaut Religions de VAntiquite 1841 pl. 208 nr. 720). —
guattani Monumenti antichi inediti 1788 Aprile, e Maggio tav. 2.

Litteratur: WiNCKELMANN a.a.O. 137.?.; Magnan a.a.O.
p. 12; R. Venuti et Amaduzzi a. a. O. 52s.; Guattani a. a. O.

XXVss.; Millin a. a. O. 54 (= Guigniaut a. a. O. 323^);
K. O. Müller Handbuch der Archaeologie der Kunst 2. Aufl.
1835 §412,3; Overbeck Gallerie heroischer Bildwerke 1853 S. 69t.
S. 161 f. (mit Berufung auf eine Notiz von ZoEGA, die ich in dem
Kopenhagener Apparat nicht gefunden habe).
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