Robert, Carl [Hrsg.]; Matz, Friedrich [Hrsg.]; Andreae, Bernard [Hrsg.]; Robert, Carl [Hrsg.]
Die antiken Sarkophagreliefs (3,3): Einzelmythen: Niobiden - Triptolemos ungedeutet — Berlin, 1919

Seite: 393
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TAFEL CIV 322—324

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durch einen Blick auf die Schmalseiten mit ihren vortreff- sieht sich nach seinem verratenen Herrn um. Links stehen
liehen Greifen und das auf der rechten befindliche antike zwei Frauen, von denen die erste ihr Haar gelöst hat und

Klammerloch widerlegt wird. Zeichnung von Eichler 1882.

Im Jahre 1784 im Besitze des Don Luid Braschi Onesti, später
im Atelier des Malers rehberg, wo ihn nach 1798 Zoega und noch
1812 Martin Wagner sah. 1829 bereits im Vatikan, jedoch da-
mals in den Appartamenti Borgia.

Abbildungen: Guattani Monumenti inediti 1785 Gennaro tav. III
(schon im jetzigen Zustande). Danach MlLLlN Galerie mythologique
1811 133, 521; danach GuiGNiAUT IV 2, 1841, Religions de VAnti-
quite pl. 202, 735 a. — PlSTOLESI Vaticano 1829 VI tav. 14.

Literatur: Guattani a. a. O. 8ss.; Zoega App. Fol. 625
(nach 1798); Millin a.a.O./. 105; Welcker ZuPhilostratos'Imagines
1825 S. 309; Gerhard u. Platner Beschr. der Stadt Rom II 2, 1834,
S. 9 f.; guigniaut a. a. O. p. 335; RlTSCHL Ann. d. Inst. XII 1840
p, 177 (= Kleine Schriften I S. 804); H. Brunn ebd. XXII 1850/. 334;
braun Ruinen u. Museen Roms 1854 S. 469 Nr. 172; Descrizione dei
Musei Vaticani p. 425 nr. 621; Papasliotis Arch. Zeit. XI 1853 S. 59
Nr. 20; Friederichs ebd. XIII 1855 S. 82 fr.; Roulez a. a. O. p.-js.;
Urlichs Glyptothek 1867 S. 16; Helbig Führer 11891 S. 257 f. Nr. 335
(2. Aufl. 1899 I S. 221 f. Nr. 343; 3. Aufl. 1912 I S. 217 f. Nr. 329);
Gsell a. a. O. 442 n. 6.

Kindersarkophag. Auf der Vorderseite Fig. 322 der
Tod des Oenomaus. Die Rennbahn wird an jeder Ecke
durch eine Meta bezeichnet, von denen die links an ihrem
Sockel mit einem Seepanther und einem Seewidder dekoriert
ist. Neben der zur Rechten deutet ein Bogen eine Brüstung
an, über der die Köpfe von fünf Zuschauern sichtbar wer-
den. Am Wagen des vorausfahrenden Pelops ist ein Delphin
angebracht, als Symbol des Neptun, der seinem Liebling
das Gespann geschenkt hat. Oenomaus ist von seinem
Wagen eben herabgestürzt; unter ihm sieht man das ge-
löste Rad. Myrtilus, der in der R. die Peitsche hält,

die Arme ausbreitet, indem sie entsetzt auf Oenomaus
blickt; die zweite, deren Haar in einen Knoten zusammen-
gebunden ist, wendet sich bestürzt ab. Man hat diese
zweite Hippodamia genannt und in der ersten ihre Mutter
oder gar ihre Amme sehen wollen. Da aber nach der hier
zugrunde liegenden Euripideischen Version Hippodamia
nicht die Urheberin des Verbrechens ist, kann sie auch in
der erschreckten Frau erkannt werden, während die sich
abwendende eine Dienerin sein würde. Die starke Über-
arbeitung gestattet keine sichere Entscheidung. Über
Oenomaus ist auf einem überhängenden Felsen neben einem
Ölbaume eine gelagerte Ortsgöttin angebracht, vgl. III 1.
47. 48. 315 a. Sie legt jetzt die rechte Hand auf eine Ziel-
säule, statt auf eine Wasserurne, wie man nach den an-
geführten Parallelen erwarten würde. Man hat mit der
Möglichkeit zu rechnen, daß dies eine Änderung des
Überarbeiters ist, aber allerdings pflegt sonst die linke
Hand auf der Urne zu ruhen. Doch könnte sie auch wie
auf 315 a einen Ast des Ölbaumes angefaßt haben, den
der Überarbeiter weggemeißelt hat. Jedenfalls scheint es
bei dem konventionellen Charakter der Figur bedenklich,
sie mit Steuding (Roschers Myth. Lex. II S. 2127) als Arena
oder mit Helbig als Altis aufzufassen.

Die Bärtigkeit und der Panzer des Pelops, vielleicht
auch der Panzer des Oenomaus und noch manches andere
kommen auf Rechnung des Überarbeiters.

An der linken Schmalseite Fig. 323a ein Adlergreif,
an der rechten Fig. 323b ein Bocksgreif.

Aus dem Anfang des zweiten Jahrhunderts.

2. ZWEITE GRUPPE, DREISZENIG.

hauptszene die vorbereitung zur abfahrt.

324) S. Kouali bei Tipasa im Park der Madame De-
monchy. L. 2,24. H. 0,62. T. 0,60. Die Aufstellung macht
es unmöglich eine große frontale Photographie von der
Vorderseite herzustellen. Sowohl die von Gsell publizierte
Aufnahme, die er mir in liebenswürdiger Weise zur Ver-
fügung gestellt hat, als eine noch größere, deren Ver-
mittelung ich Kahrstedt verdanke, zeigen ihn in' starker
Verkürzung. Erst Herrn Professor Knatz ist es gelungen,
als er 1913 mit E. Krüger und Siegfried Loeschcke, an die
ich mich in dieser Verlegenheit gewandt hatte, Tunis be-
reiste, eine zwar kleine, aber genau frontale Photographie
herzustellen, die dann Krüger in Trier hat vergrößern
lassen. Nach diesen drei Vorlagen hat Dewerzeny 1916
die Vorlage zu unserer Abbildung Fig. 324 hergestellt.
Die Aufnahme von Knatz gebe ich außerdem als Text-

abbildung Fig. 324'. Den Abbildungen der Schmalseiten
liegen Photographien zugrunde, die ebenfalls der Freund-
lichkeit von Gsell verdankt werden.

Gefunden in Kouali im Saal eines großen Gebäudes, wo er in
einer späteren Periode, nach Gsells Vermutung vielleicht nach Erobe-
rung der Stadt durch die Araber, zu irgend einem profanen Zwecke
diente.

Abbildung: Gsell Mclanges d'archeologie et cfkistoire XIV
1894 pl. VII p. 438 fig. 59. p. 441 fig. 60. Danach Ausonia VII 1912
126 fig. 2. fig. 3.

Literatur: Gsell a. a. O. 437 fr.; Cultrera a. a. O. /. 126s.
P- 134-

Die Vorderseite zeigt eine verhältnismäßig sorgfältige
Ausführung; die Schmalseiten sind stümperhaft, hart und
trocken und sicherlich von anderer Hand gearbeitet.
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