Robert, Carl [Hrsg.]; Matz, Friedrich [Hrsg.]; Andreae, Bernard [Hrsg.]; Robert, Carl [Hrsg.]
Die antiken Sarkophagreliefs (3,3): Einzelmythen: Niobiden - Triptolemos ungedeutet — Berlin, 1919

Seite: 419
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TAFEL CVIII.

atiti~qu.es du Louvre 1896 p. 63 nr. 1070; Steinmetz Arch. Jahrb. XXV
1910 S. 37.

In der 1. oberen Ecke dieser Platte Fig. 337 die Bitte
des Phaethon. Phoebus hält wie auf allen Exemplaren
dieser Gruppe in der L. ein großes Füllhorn. Daß die R.,
wie der Ergänzer angenommen hat, auf den Felssitz aufge-
stützt war, scheint nicht unmöglich, s. 332; daß sie, wie auf
338. 340 und wahrscheinlich auch 341 eine Fackel gehalten
hätte, ist durch die Richtung des antiken Oberarms aus-
geschlossen. Uber Phoebus deutet ein Bogen das Himmels-
gewölbe an. Phaethon lehnt sich mit gekreuzten Beinen
an seinen Vater; sein 1. Arm überschneidet die Brust; der
r. ist an der Schulter abgebrochen, so daß sich über seine
Haltung nichts sagen läßt.

In der großen Hauptszene, dem Sturz, entspricht die
Mitte ungefähr 336; nur sprengen hier beide Jochpferde nach
1. und beide Beipferde nach r. Die beiden zu Hilfe eilen-
den Reiter sind, wenn aus 338. 341 ein Rückschluß erlaubt
ist, die Dioscuren; ihre Köpfe hätten daher mit dem Pileus
ergänzt werden müssen. Hinter jedem von ihnen wird bis
zu den Hüften ein in Vorderansicht gestellter geflügelter
Windeott sichtbar; der rechts erscheint im Coburgensis
Fig. 337' noch vollständiger als heute. Der Vergleich mit
338. 340. 341 lehrt, daß sie mit der einen Hand ein großes
Muschelhorn an den Mund setzten und die andere nach an-
tiker Bläserart an den Hinterkopf legten. Phaethon fällt
nicht wie auf 336 nach r., sondern nach 1., gerade in den
Schoß des Eridanus, der den 1. Arm auf eine Urne lehnt
und wahrscheinlich mit unbärtigem Kopf hätte ergänzt wer-
den müssen. Von dem Vogel, der das aus der Urne strö-
mende Wasser trinkt (s. 338. 340), sind im Coburgensis
Fig. 337' noch die Schwanzfedern gezeichnet. Links von
Eridanus und Phaethon erscheinen auf der unteren Bildfiäche
ein Pappelbaum (Fig. 337' als Ölbaum verkannt), der ver-
wandelte Cycnus, der Pädagoge, Phoebus, der mit der
L. einen Zipfel seines Mantels emporzieht und die R. ent-
setzt nach seinen durchgehenden Pferden hin emporhebt
(vgl. 338. 340. 341), endlich zwei im Verwandlungsprozeß
begriffene Heliaden. Die eine kauert, die Hände um das
1. Knie verschränkend, während aus ihrem Rücken ein Pap-
pelzweig herauswächst und auch unter ihrem r. Unterschen-
kel, der eben anwurzelnd zu denken ist, ein solcher zum
Vorschein kommt. Das entspricht der Schilderung Ovids
Met. II 346^.:

e quis Phaethusa, sororum
maxima, cum vellet terra procumbere, questa est
deriguisse pedes.

Die Stellung dieser Heliade ist dieselbe wie die der einen
Höre auf 336. Die zweite ist unterwärts bereits bis zu den
Hüften verwandelt, so daß der Oberkörper auf dem Stamme
aufsitzt, der nach rechts einen langen Ast emporsprießen
läßt; ein zweiter Ast wächst aus ihrem Rücken (auch hier

CIX 336-338

sind im Coburgensis überall Ölbaumäste gezeichnet). Das
entspricht den Ovidversen II 348.9.:

ad quam (d. i. Phaethusa) conata venire
Candida Lampetie subita radice retenta est

und 353ss-:

complectitur inguina cortex
perque gradus uterum etc.

Die dritte Heliade wird wahrscheinlich durch die Pappel
rechts von Cycnus repräsentiert. Ihre Metamorphose ist, wie
die dieses Ligurerfürsten, schon vollendet; s. oben S. 410.

In der unteren linken Ecke ist unter dem Sonnengott
der ersten Szene die Ahatole als Personifikation des
Ostens angebracht, rechts entspricht ihr, jedoch nicht ganz
an die Ecke gerückt, die Dysis als Personifikation des
Westens, s. oben S. 410. Beide tragen einen bogenförmig
gewölbten Mantel und erheben erschreckt die eine Hand;
der rechte Unterarm der Dysis ist, wie der Vergleich mit
338. 340. 345 zeigt, falsch ergänzt. Links von Dysis er-
scheint als Pendant zu Phoebus Iupiter, mit einem Szepter
in der L.; auch an ihm ist der r. Arm falsch ergänzt; er griff
sich, wie der Vergleich mit 338. 340. 343. 345 zeigt, mit
der R. in den Bart. Aber der Restaurator von 1615 war
bei dieser Ergänzung von der richtigen Empfindung ge-
leitet, daß in der großen Lücke zwischen Iupiter und dem
Sonnenwagen noch etwas gewesen sein muß. Wahrschein-
lich wurde er in dieser Ansicht durch ein paar Bruchstellen
bestärkt, von denen eine an dem gelösten Rade noch heute
kenntlich ist. In der Tat ist, wie der Vergleich mit 338
und 345 zeigt, hier die Figur des abwärts fliegenden Ce-
raunus, des personifizierten Blitzstrahls, weggebrochen.

Der Raum unter Iupiter und Dysis sowie die rechte
Ecke wird ganz von Naturpersonifikationen eingenommen.
Unten sitzen als Repräsentanten von Meer und Land
Tethys und Tellus einander gegenüber. Tethys hält auf
der 1. Hand einen Delphin; der r. Arm ist im wesent-
lichen richtig ergänzt; die r. Hand wird wie auf 338. 340
ein großes Ruder gehalten haben. Tellus trägt auf dem
Haupte ein Diadem, hält in der 1. Hand ein Füllhorn und
in der r. Ähren. Drei ungeflügelte Amoren umgeben sie.
Der eine steht zu ihren Füßen und streckt den 1. Arm,
der im Coburgensis Fig. 337' wohl wegen des flachen
Reliefs übersehen ist, nach den Ähren aus, vgl. 338. Ein
anderer hockt unter dem Füllhorn; sein 1. Arm ist, was
Eichler übersehen hat, ergänzt. Wahrscheinlich war er
auf den Boden aufgestützt. Der dritte lehnt sich mit dem
linken Arm auf die Schulter der Tellus und blickt auf den
ersten Amor herab, s. Fig. 337'. Der Kopf muß dann in
der zweiten Hälfte des Cinquecento verloren gegangen sein;
den allein übriggebliebenen 1. Arm hat der Restaurator
von 1615 für ein Bein gehalten und die Figur aus seiner
Phantasie so ergänzt, wie sie jetzt erscheint. Auch der obere
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