Robert, Carl [Hrsg.]; Matz, Friedrich [Hrsg.]; Andreae, Bernard [Hrsg.]; Robert, Carl [Hrsg.]
Die antiken Sarkophagreliefs (3,3): Einzelmythen: Niobiden - Triptolemos ungedeutet — Berlin, 1919

Seite: 490
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49Q

PROSERPINA

rechts auf Ceres blickte, während sie jetzt Pluto anschaut;
aber der Kopf ist, was unser Zeichner wieder übersehen
hat, modern und steht augenscheinlich dem der Venus viel
zu nahe, so daß zwischen ihm und dem Kopfe der Minerva
eine unerträgliche Lücke entsteht. Diesem Übelstande wird
abgeholfen, wenn man sich den Kopf der Diana nach links
gedreht und der Venus zugewandt denkt, was auf 4111 tat-
sächlich der Fall ist. Bekleidet ist die Göttin mit hoch-
geschürztem, von der rechten Schulter abgleitendem Chiton
und Jagdstiefeln.

In der linken Seitenszene ist an Ceres nicht nur die
Hälfte des linken Unterarms, sondern auch der Kopf modern.
Ob sie, wie auf 412, nur in der Linken eine Fackel hielt,
oder auch in der Rechten, läßt sich bei dieser Sachlage
nicht entscheiden. An der Außenseite des Wagenkastens
ist eine Schlange angebracht, die Nabe ist wie am Wagen
des Pluto mit einem Löwenhaupt geschmückt; vgl. auch
3591- 363- 364. 373- 374- 376. 378. 393- Über den Pfer-
den schwebt der amorartige Fervor mit einer brennenden
Fackel in beiden Händen. Die vorausschwebende Caligo
ist ungeflügelt und trägt im Haar ein Diadem. Die unter
den Pferden gelagerte Tellus ist der Ceres zugewandt;
ihre rechte Brust ist entblößt, mit der Rechten hebt sie
einen Teil ihres Mantels empor.

Vielleicht sind 418. 418a die zugehörigen Schmalseiten;
s. dort.

Mitte des zweiten Jahrhunderts.

411) F. Rom, Kleiner Palazzo Mattei (auch Pal. Paga-
nica genannt). Zu einer großen Kampf- und Mordszene er-
gänzt. Fig. 411. L. 0,50. H.0,43. Rh.0,10. Zeichnung von

Eichler 1886.

Literatur: Zoega App. Fol. 162; Förster a.a.O. S. 200 Nr. 6;
Overbeck a. a. O. S. 634 Nr. 33; Matz und von Duhn Antike Bild-
werke in Rom II 1881 S. 319 f. Nr. 3065.

Das Fragment 411 gehört zur rechten Seitenszene. Er-
halten ist die Gruppe von Pluto und der auffallend klein,
beinah wie ein Kind gebildeten Proserpina fast vollstän-
dig, sowie der Oberkörper der verfolgenden Minerva.
Links hinter dieser ist ihr heiliger Ölbaum angebracht;
vg1- 394-

Mitte des zweiten Jahrhunderts. Gute Arbeit.

4111) P. London, Lansdowne House, im Ballsaal so
hoch eingemauert, daß es bisher unmöglich war, eine Photo-
graphie oder Zeichnung herzustellen. Rechts unvollständig.

Aus Rom. Der Gründer dieser Sammlung, William second
Earl of Shelburne, später Marquis of Lansdowne (1737—1805),
hat die Platte im Jahre 1776 von Gavin Hamilton für 14 £ 12 s.
erworben, der sie von Robert Adams für ioo röm. Kronen gekauft
und für 60 Kronen hatte restaurieren lassen. Hamilton an Shelburne
12. 13. Juli 1776 {The Academie 1878p. 220): „/gave Adams formerly

a hundred crowns for the bass-relief with the rape of Proserpine.
What restoration is done costs me 60 crowns for which price I send ä,
and hope it will be acceptable though it still wants a part of one end."

Literatur: Hamilton a. a. o.; K.O.Müller in Böttigers
Amalthea III 1825 S. 247 f.; Welcker Annali deWInstitute V 1833
p. 146; Gerhard a. a. o. S. 405 (Ges. Abh. II S. 479) Nr. 28**. S.409
(Ges. Abh. II S. 484t) Nr. 35; Förster a. a. o. S. 198 ff. Nr. 5; Mi-
chaelis Archäol. Zeitung XXXII 1874 (1875) S. 38 Nr. 46; Ders.
Ancient Marbles in Great Britain 1882 p. 460s. nr.77; overbeck
a. a. o. S. 633 Nr. 31.

Im Sarkophag-Apparat befindet sich die folgende Be-
schreibung von Matz:

„Auf einem von zwei Rossen n. r. gezogenen Wagen
steht Demeter im Chiton mit Überfall, über den unter den
Brüsten ein Gürtel läuft. In der 1. Hand hält sie eine
Fackel; wahrscheinlich war dies auch in der r. der Fall,
doch ist sie hier weggebrochen. Der Kopf ist jedenfalls
neu. Vor ihr noch im Wagen: Flügel und Kopf eines klei-
nen Figürchens (Eroten?). Darüber im Hintergrunde eine
größere Flügelfigur, in beiden Händen ein vorwärts wal-
lendes Tuch. Die Rosse wenden mit seltsamer Verdrehung
des Nackens die Köpfe n. 1. zurück, doch scheinen letztere
mit den angrenzenden Partien modern. Unter den Rossen
n. r. Gaea, halb sitzend, Kopf n. r. oben, den 1. Arm er-
hoben (der Unterarm ist weggebrochen), mit dem r. Ell-
bogen stützt sie sich auf und faßt mit der Hand einen Teil
des Gewandes, welches sie von den Hüften an umgibt;
Ellbogen zerstört. Unter den Vorderbeinen der Rosse halb-
kniend und n. 1. in die Höhe blickend Kora. Sie stützt die
1. Hand auf einen vor ihr stehenden Blumenkorb und er-
hebt den r. Arm. L. neben ihr ein Erot, der mit beiden
Händen etwas wie ein umgekehrtes Füllhorn hält. (Die
Figur der Kora scheint nicht fertig geworden zu sein.)
Hinter der Kora Gruppe zweier Frauengestalten; die
erste im von der r. Schulter gleitenden Chiton schreitet den
Kopf umwendend n. r. und legt die r. Hand an den Schild
der wie gewöhnlich n. r. eilenden Athene; über ihrer r.
Schulter wird der Kopf einer zweiten sichtbar. Sie greift
n. 1. umgewendet (Kopf n. r.) ihre Gefährtin unter den r.
Ellbogen. Vom Körper ist nach unten nur wenig sichtbar;
man bemerkt jedoch, daß ihr 1. Bein entblößt ist. Pallas
legt die r. Hand auf Plutons Schulter, der, vom Rücken
gesehen, oben auf den Wagen tritt. Von dem Baume 1.
von der Pallas1) finde ich in meinen Notizen nichts vor,
ich zweifle jedoch nicht an seinem Vorhandensein, jeden-
falls tritt er sehr zurück. Persephone ist sehr klein ge-
bildet [vgl. 410. 411]; an ihr fällt besonders ins Auge der
gerade in die Höhe gestreckte r. [1.?] Arm. Plutons r. Arm
ist weggebrochen, das 1. Unterbein restauriert. Von den
Rossen sind nur Reste der Beine vorhanden.

x) Klügmann bei Gerhard: „----folgt dann nach einem Baume

Athene." Vgl. 394. 4n.
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