Robert, Carl [Hrsg.]; Matz, Friedrich [Hrsg.]; Andreae, Bernard [Hrsg.]; Robert, Carl [Hrsg.]
Die antiken Sarkophagreliefs (3,3): Einzelmythen: Niobiden - Triptolemos ungedeutet — Berlin, 1919

Seite: 519
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TAFEL CXXXVIII—CXXXIX 4331—4333. 434

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Arm war vorgestreckt, als ob sie auf den Eber zeigen
wollte; der Bogen, den sie in der linken Hand gehalten
haben muß, ist abgebrochen. Vor ihr, bereits durch den
Kopf des Ebers zum Teil verdeckt, Meleagros. Er ist
mit der Chlamys bekleidet; in seiner erhobenen Rechten
ist noch der Rest des Speeres erhalten. Dann Theseus
in dem für die griechischen Sarkophage charakteristischen
Schema. An der rechten Ecke kommt hinter einem Felsen

Geschlecht mit Sicherheit nicht feststellen; der Vergleich
mit 254 legt den Gedanken an einen zuschauenden Land-
mann nahe, zumal die Figur in der Linken ein Lagobolon
zu halten scheint. Hinter den Dioskuren folgen vier Män-
ner, der erste mit langem Haupt- und Barthaar, in dicker
Gewandung und Hut, mit der Rechten eine Waffe erhe-
bend; der zweite, in Exomis und Mantel, schultert mit der
Linken zwei Speere; den Kopf wendet er nach dem drit-

eine Figur zum Vorschein, die nach der Angabe von Versakis ten um, der wie der erste einen Hut trägt, und hebt den
weiblich ist und die rechte Hand an die Wange legt, also rechten Arm; der vierte, bärtig, trägt eine Keule. Bestimmte
möglicherweise Althaia. Auf der Abbildung läßt sich das Heroen hat der Künstler hier nicht darstellen wollen.

433 3

Tafel CXXXIX.

434) S. Verschollen, zuletzt in Florenz bei dem
Kunsthändler Bardini. Fig. 434. Fig. 434a. Fig. 434b.

Fig. 434c. L. 1,30. H. 0,51. T. 0,62. Nach Photographien,
die Bardini in liebenswürdiger Weise zur Verfügung ge-
stellt.

Wie die jetzt verstopften Ausflußlöcher unter dem oberen Rande
von 434 c und über dem unteren von 434 b beweisen, hat der Sarko-
phag einmal als Brunnentrog gedient; die außerordentlich starke Ver-
witterung, durch die manche Figuren fast unkenntlich geworden sind,
deutet darauf hin, daß dies sehr lange Zeit der Fall war. Der Sar-
kophag ist zuerst 1901 in Rom bei dem Kunsthändler A. Alberici
Via S. Teodoro 15 aufgetaucht. Ohne Zweifel stammt er aus Rom
selbst oder der Umgegend, ist aber keine stadtrömische, sondern
griechische Arbeit. Von Bardini wurde er im Jahre 1903 erworben.

Die nächsten Verwandten dieses Kindersarkophags
sind der aus dem südwestlichen Kleinasien stammende Sar-
kophag mit Palladionraub II 138 und der Sarkophag von
Torre Nova, Rom. Mitt. XXV 1910 Taf. II—VII, der aus
pentelischem Marmor, also attisch ist. Mit diesem stimmt
er sogar in den Maßen genau überein1), denn der Höhen-
unterschied von 0,077 kann kaum in Betracht kommen,
beruht vielleicht nur auf einem verschiedenen Prinzip der
Messung; auch in Aufbau und Ornamentik ist die Ähnlich-

') Ais Maße des Sarkophags von Torre Nova gibt Rizzo a. a. O. S. 91
an: lungo alla base m. 1,30, alto m. 0,587, e largo m. 0,63.

keit groß. Dagegen hat der Sarkophag mit dem klein-
asiatischen das gemeinsam, daß die Szenen der vier Seiten
in keinem Zusammenhang miteinander stehen, während bei
dem Sarkophage von Torre Nova, wenigstens wenn man
Hausers feinsinnige Erklärung gelten läßt (Rom. Mitt. a.a.O.
S. 273fr.), ein solcher vorhanden zu sein scheint. Bei der
Disposition der Tafel ist übersehen worden, daß 434 c die
Vorderseite, 434 die Rückseite ist; die Besprechung soll
versuchen diesen Fehler wieder gutzumachen.

Der Sockel, dessen Profil dem des Sarkophags von
Torre Nova ähnlich ist, weist einen doppelten gegenstän-
digen Streifen des Palmetten-Knospenornaments auf, der
auf allen vier Seiten gleich sorgfältig ausgearbeitet ist.
Dasselbe Ornament findet sich auch auf dem Sarkophage
von Torre Nova, jedoch nur auf der Vorderseite und als
einfacher Streifen auf dem unteren Teile des Sockels. Der
obere Rand ist bei 434 auf allen vier Seiten mit einem
ionischen, bei dem Sarkophage von Torre Nova mit einem
lesbischen Kyma verziert, das sich bei diesem wiederum auf
die Vorderseite beschränkt. Noch größer ist die Überein-
stimmung in den Eckstützen. Die Ecken der Vorderseite
Fig. 434 g sind wie bei dem Sarkophage von Torre Nova
mit korinthischen Säulen, die der Rückseite Fig. 434 mit
korinthischen Pilastern geschmückt, die genau in derselben
Form an allen vier Ecken von II 138 wiederkehren.

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