Robert, Carl [Hrsg.]; Matz, Friedrich [Hrsg.]; Andreae, Bernard [Hrsg.]; Robert, Carl [Hrsg.]
Die antiken Sarkophagreliefs (3,3): Einzelmythen: Niobiden - Triptolemos ungedeutet — Berlin, 1919

Seite: 522
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UNGEDEUTET

dritten römischen Gruppe der Amazonensarkophage II 87.
88 die Mitte ein und erscheinen auch einmal auf einem
Exemplar der zweiten Gruppe II 80 an der rechten Ecke.
Bei der dritten Gruppe sind zweifellos Achilles und Pen-
thesilea gemeint, und diese Namen würde man auch den
Figuren auf 434 a unbedenklich beilegen, wenn nicht die
Deutung der dritten Figur Schwierigkeiten machte. Es
ist dies ein ruhig dastehender bärtiger Mann, der, wie es
scheint, den rechten Ellenbogen auf seinen vor die Brust
gehaltenen linken Arm stützt und sicher mit der linken
Hand nachdenklich seine Stirn berührt. Es scheint, daß er
einen Helm trägt, sonst ist aber von Bewaffnung nichts

linken Arme hängt der Mantel herab, und es scheint, daß
der Jüngling auf dem Kopfe einen Helm trug. Hinter ihm
steht ein jugendlicher bartloser, um die Hüften mit einem
Mantel bekleideter Mann, der mit der rechten Hand seinen
linken Arm faßt, um ihn zurückzuhalten. Die Frau, deren
Mantel in mächtigem Bausch aufflattert, hebt die rechte
Hand, in der sie vielleicht einen kleinen Gegenstand hält,
hoch empor und wendet ihr Gesicht nach dem Verfolger
zurück. Zu ihren Füßen sitzt am Boden eine Frau mit ent-
blößter linker Brust; den rechten Arm streckt sie zur Seite.
Bei sehr genauem Zusehen erkennt man an der verscheuer-
ten linken Brust die Umrisse eines Kinderköpfchens und

DIE HAUPTFIGURFN \ ON 434.

zu erkennen; vielmehr ist über seine rechte Schulter der eines linken Kinderärmchens, s. die größere Textabbildung.
Zipfel eines Mantels geworfen, dessen übrige Masse über I Weiter links sieht man unter dem erhobenen rechten Arme
die Arme auf die Erde herabzufallen scheint. Für Ther- der Fliehenden einen schwer bestimmbaren Gegenstand,

sites, den man vor allem bei dieser Szene erwarten würde,
ist die Gestalt zu majestätisch. Odysseus müßte statt des
Helms den Pilos tragen. So bliebe nur Agamemnon übrig,
der aber eigentlich bei dieser Szene nichts zu suchen hat.
Solange aber diese Figur nicht mit Sicherheit zu benen-
nen ist, muß auch die Deutung der beiden andern auf
Achilleus und Penthesileia ungewiß bleiben.

Auf der Rückseite Fig. 434 sind die beiden Haupt-
figuren eine fliehende Frau und ein sie verfolgender ju-
gendlicher Mann. Diesem hängt an der Seite die leere
Schwertscheide; die weit vorgestreckte rechte Hand, deren
Platz durch die Bruchstelle im Reliefgrund bezeichnet wird,
muß also das gezückte Schwert gehalten haben; von dem

um den sich eine Schlange emporringelt. Ein Baumstamm
scheint es nicht zu sein. Die vier Auswüchse an seinem
oberen Ende sehen beinah aus wie die Finger einer Riesen-
hand. Die letzte Figur links ist eine sich im Tanzschritt
nach rechts bewegende Frau. Der rechte Arm ist über
dem Kopf erhoben, der linke gebogen vorgestreckt; in der
rechten Hand hält sie einen stabartigen Gegenstand, der
sich etwa mit dem Stiele einer Peitsche vergleichen läßt;
auch in der linken Hand scheint sie etwas gehalten zu haben.
Ihre Füße sowie die der liegenden sind beschuht. Wie die
große Lücke zwischen der fliehenden Frau und dem sie ver-
folgenden Manne ausgefüllt war, ergibt sich aus zwei Resten
auf der Oberfläche des Sockels: es sind die nach rechts
gewandten Hinterpfoten eines Tieres, wahrscheinlich eines
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