Robert, Carl [Hrsg.]; Matz, Friedrich [Hrsg.]; Andreae, Bernard [Hrsg.]; Robert, Carl [Hrsg.]
Die antiken Sarkophagreliefs (3,3): Einzelmythen: Niobiden - Triptolemos ungedeutet — Berlin, 1919

Seite: 539
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TAFEL CXLIII 443—448

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gewesen zu sein und eine Lanze gehalten zu haben; davon
werden die beiden Bruchstellen rechts herrühren. Den Kopf
weit in den Nacken zurückgeworfen, starrt dieser Krieger
nach oben.

Die früher übliche Deutung auf die Zerreißung des
Zagreus durch die Titanen haben Matz und Helbig wegen
des gemeinen Typus der angeblichen Titanen abgelehnt.
Um so merkwürdiger ist es, daß Helbig an der Deutung
des Kriegers als Kureten festhielt und an Szenen aus der
Kindheit irgendwelches Götterknaben dachte.

447) D.F. Rom, Palazzo Torlonia alla Lungara, im
Hof. Fig. 447. L. 0,26. H. 0,17. Zeichnung von Eichler
1886.

Das Fragment Fig. 447 enthält links einen mit etwas
eingeknickten Knien nach links schreitenden jungen Mann,
der beide Hände flehend erhebt. Von der Figur, auf die
er zuschreitet, sind am linken Rand nur schwer zu deu-
tende Reste erhalten; nur eine Hand läßt sich mit einiger
Wahrscheinlichkeit noch erkennen. Rechts ein zweiter ruhig
dastehender jugendlicher Mann mit Schild und Wehrgehäng,
der den Kopf nach links zurückwendet und die rechte Hand
auf die Hüfte stützt. Rechts von ihm ist ein erhobener und
auf einen Speer oder ein Szepter gestützter rechter Arm
erhalten; vor dem Speer steht am Boden ein Schild. Ver-
mutlich rührt dieser Arm von einem nach rechts gewandt
dasitzenden Herrscher her, dessen Trabant der Krieger ist.

448) S.S. Paris, Louvre, Salle de Mechie, an der
rechten Wand. Fig. 448. L. 0,76. H. 0,74. Zeichnung von
Eichler 1873.

Früher in Rom, an der Südseite der 1615 erbauten Villa
Borghese über der Tür eingemauert. Seit 1808 im Louvre, wo
es jahrelang im Hofe stand.

Alte Zeichnung: Tophamianus Eton Bm II 11 (Ciferri).

Abbildungen: Bouillon Musee des Antiques 1827 III Supple-
ment pl. II nr. 27. — clarac Musee de sculpture II 1829. 1830 118,
240 nr. 782.

Literatur: Manilli Villa Borghese 1650 47 s. {„Soldati co'l loro
generale quasi in atto di far concione"); MoNTELATlCi Villa Borghese
1700p. 175 {„Soldati in piedi attorno un Capitano sedenteu); ANDREAS
Brigentius Patavinus Villa Burghesia poetice descripta 1716 p. 58
(„ quos aspicis ima nixos sede Viros clavas gladiosque gerentes, Roma
olini vidit Libycis conmrrere monstris) cernimus immensi fragmenta
ubivasta theatri11); ZoEGA App. Fol. 484 Nr. 57 {„forse e Meleagro");
St. Victor bei Bouillon a. a. O. p. 5 {„Achille11); Clarac De-
scription du Musee Royal des Antiques du Louvre 1830 295 nr. 782
{„Achille")] ders. Musee de sculpture II p. 655 nr. 240; HERON de
VlLLEFOSSE Catalogue sommaire des Marbrcs antiques 1896 60
nr. 973.

Die Platte Fig. 448 ist die rechte Schmalseite eines
griechischen Sarkophags. Von dem typischen Rankenorna-
ment am oberen Rand sind noch schwache Reste vorhan-
den. In der Mitte ein jugendlicher Herrscher auf einem
Thron, über den ein Löwenfell gebreitet ist, dessen eine
Tatze bis zur Erde herabhängt; das Stuhlbein ist an dieser
Stelle weggebrochen. Die Füße des Mannes ruhen auf einem
hohen Schemel mit Löwenfüßen. L)ie erhobene Rechte war
auf ein Szepter gestützt, von dem die runde Bruchstelle
am oberen Rande herrührt. Der Oberkörper ist nackt, um
die Beine ist ein Mantel gelegt. Hinter dem Herrscher
steht ein Trabant mit Helm, Mantel und Schild, die weit-
vorgestreckte Rechte auf einen Speer gestützt. .Links von
dem Sitzenden steht ein jugendlicher Krieger in Helm, Pan-
zer und Stiefeln; der rechte Arm war ausgestreckt, gesti-
kulierend, vielleicht drohend; die linke Hand ruht auf dem
Leib. Diesem Krieger entspricht rechts ein jugendlicher
Mann, der einen langen Mantel und Schuhe trägt, mit einer
Binde in dem langen Haar; bei Bouillon und Clarac ist
er fälschlich bärtig gezeichnet; in der linken Hand scheint
er einen Speer oder ein Szepter gehalten zu haben. Indem
er den Kopf in den Nacken wirft, wendet er sich etwas
nach rechts ab; die Finger der rechten Hand sind gekrümmt,
als ob er erregt gestikuliere. Über seiner linken Schulter
wird ein behelmter Kopf sichtbar. An der linken Ecke
steht ein nackter, nur mit der Chlamys bekleideter Jüng-
ling in ruhiger Haltung da. In der Linken hält er einen
Speer. Der bei Bouillon und Clarac gezeichnete Kopf
war modern und ist längst wieder abgefallen.

Weder Zoegas Deutung auf den grollenden Meleager
noch die Claracs auf Achilles, sei es, woran er zuerst
dachte, den über die Wegführung des Briseis betrübten
aus dem A, sei es, wie er später meinte, den die Vor-
schläge Agamemnons zurückweisenden aus dem 1 der Ilias,
werden der Darstellung gerecht. Vielmehr ist es klar, daß
es sich um den Wortwechsel zweier Helden vor einem jun-
gen König handelt, bei dem der gepanzerte der aggressive,
der im Mantel der bedächtigere ist; also etwa eine Szene
wie der Streit des Aias und des Odysseus um die Waffen
Achills, der aber wegen der Unbärtigkeit aller Figuren
nicht g-emeint sein kann. Auch ob die linke Eckfig-ur zu
dieser Szene und nicht vielmehr zur Vorderseite gehört,
läßt sich mit Sicherheit nicht entscheiden. Eine ähnliche
Gruppierung findet sich auf dem etruskischen Spiegel III 355,
wo der Sitzende als Meleager, sein Speerträger als MENUE
(Melanippos) und die Jünglinge zu seinen beiden Seiten als
die Dioskuren bezeichnet sind, Namen, die auf die Figuren
der Sarkophagschmalseite absolut nicht passen.

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