Verein für Badische Ortsbeschreibung [Editor]
Badenia oder das badische Land und Volk: eine Zeitschr. zur Verbreitung d. histor., topograph. u. statist. Kenntniß d. Großherzogthums ; eine Zeitschrift des Vereines für Badische Ortsbeschreibung — 1.1859

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der mittleren und niederen Amtleute und Hofdiener in kunst-
loser Gliderung an30). Die Besoldungen aber waren sämmk-
lich ebenso bescheiden^), als die Dienstordnungen streng
und gemessen.
Der Statthalter bekleidete die wichtigste Stelle, indem
er alle Rechte der markgrästichen Lande und Unterthanen zu
handhaben, mit den Rathen „alle täglich zufallenden Sachen,
Händel und Schriften" zu besorgen, das fürstliche Hofgericht
zu versammeln, zu präsidieren und zu überwachen, die Amt-
männer, Vögte, Schuldheißen, Keller, Zoller und Förster zu
beaufsichtigen, ein- und abzusetzen, und endlich mit dem Land-
schreiber und einem zugeordneten Rathe die Lande srech nun gen
zu prüfen hatte 32).
Ihm zunächst stand der Kanzler, in dessen Geschäftskreis
die Beaufsichtigung und Leitung der fürstlichen Kanzel ei mit
ihrem Sekretäre, Registrator, Hofgerichts- und Pfandschreiber,
alsdann das Tagsatzungs- und Vertragswesen, die geistlichen
(lateinischen) und auswärtigen, die Reichs- und Lehenssachen
gehörten 3-H. Diese Stellung mußte ein Talent, wie vr. Kirser
war, bald zum Factotum der Regierung machen.
Der Land sch reib er versah das mühesame und gefährliche
Amt des obersten Erhebers und Verrechnens der fürstlichen

30) Die Haus- und Landhofmeister-Stelle bekleideten unter M. Christoph
die Junker Burghart von Reischach, Caspar von Riedbur und Wilhelm
von Neipbcrg; das Statthalter-Amt besaß Heinrich von Sternenfels; Kanzler
war Wendelin Schreiber und nach ihm Jakob Kirser, Landschreiber
Erhärt vom Hane und nach ihm Johannes Hochberg und später Georg
Hose. Unter den Räthen zeichnete sich der Stiftspropst Johann Auer aus,
und als Küchenmeister folgten sich Anton Kirser, Johann von Zylnhart und
Sebastian Hochberg.
31) Die fürstlichen Räthe, Diener und Knechte zu Baden, welche sich
auf 24 Personen beliefen, bezogen jährlich an Geld zusammen nur 4000 Gulden.
Freilich aber wurde ihnen an Wein und Früchten „nach Bedarf genug" ver-
abreicht. Die N atural-Besoldung war die Hauptsache.
32) „Ordnung eines Statthalters zuo Baden" von 1504.
33) „Canzlers- und Canzley-Ordnu ng von M. Cristoflen fürgenommcn"
von 1504.
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